Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

24. September 2020

Search form

Search form

Bestätigung für beste Forschungsexpertise

Bestätigung für beste Forschungsexpertise© Pexels.com/Andrea Piacquadio

Österreichische Akademie der Wissenschaften erhält zwei Auszeichnungen des European Research Council (ERC). Die Starting Grants mit 2,7 Millionen Euro gehen an Teilchenphysiker und Historiker.

(red/mich/cc) In der aktuellen Vergaberunde der Forschungspreise des Europäischen Forschungsrates (European Research Council/ERC) wurden abermals zwei Wissenschaftler der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ausgezeichnet: Gianluca Inguglia, Teilchenphysiker vom Institut für Hochenergiephysik der ÖAW und Ovidiu-Victor Olar, Historiker vom Institut für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes der ÖAW.

Wechselwirkungen und Bestandteile der Materie
Das Forschungsgebiet von Gianluca Inguglia betrifft die sogenannten Leptone als die elementaren Bausteine der Materie. Sein Starting Grant des ERC ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert. Das Standardmodell der Teilchenphysik als theoretischer Rahmen zur Beschreibung fundamentaler Wechselwirkungen und Bestandteilen der Materie ist zwar sehr erfolgreich bei der Vorhersage von Phänomenen - dennoch häuften sich zuletzt die Abweichungen. Weltweit berichten Forscher von Anomalien, die unter anderem bei den Eigenschaften von Leptonen und sogenannten B-Mesonen beobachtet wurden.

Um diese Widersprüche näher zu ergründen, werden Inguglia und sein Team im Projekt „InterLeptons“ Daten analysieren, die der Belle-II-Detektor am japanischen Teilchenbeschleuniger Super-KEKB sammelt. „Wir erwarten, dass die Ergebnisse zur Lösung der Widersprüche im Standardmodell der Teilchenphysik beitragen. Sie könnten wichtige Erkenntnisse für unser Verständnis des Universums als Ganzes bringen“, sagt Inguglia.

Schlüsselthemen der religiösen, institutionellen und kulturellen Geschichte
Ovidiu-Victor Olar will mit seinem mit 1,2 Millionen Euro dotierten Starting Grant eine Lücke in der Erforschung der religiösen Reformen der Frühen Neuzeit in Ost- und Südosteuropa schließen. Mitte des 17. Jahrhunderts strebte der damalige russische Patriarch Nikon eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen orthodoxer Kirche und weltlichen Herrschern an. Teile der Kirche wehrten sich gegen seine Reformideen und sahen „den wahren Glauben“ in Gefahr.

Olar geht nun in seinem Forschungsprojekt den Folgen der reformistischen Vorstöße Ost- und Südosteuropas nach. Er untersucht dabei etwa bisher unveröffentlichte Texte in Repositorien aus Griechenland, Italien, den Niederlanden, Rumänien und Russland. „Die Forschungen widmen sich einigen der Schlüsselthemen der religiösen, institutionellen und kulturellen Geschichte der Frühen Neuzeit, beispielsweise der Beziehung zwischen Kirche und Staat sowie den Spannungen zwischen Tradition und Innovation“, erläutert Olar.

56 ERC Grants an ÖAW
Mit den zwei neuen Starting Grants erhöht sich die Anzahl der seit 2007 an ÖAW-Forscher insgesamt vergebenen Preise des ERC auf 51 ERC Grants und 5 Proof of Concept Grants. An weiteren 10 ERC Grants war die Akademie maßgeblich beteiligt. In Summe konnte die ÖAW bereits 85 Millionen Euro an ERC-Förderungen nach Österreich holen. Die Akademie zählt damit bei der Zuerkennung der europäischen Forschungsförderpreise zu den erfolgreichsten Forschungseinrichtungen Österreichs.

Links

red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 14.09.2020