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24. August 2019

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Gene entscheiden über Intelligenz

Gene entscheiden über Intelligenz©piqs.de/Marcelcad

Neurowissenschafter der Medizinischen Universität Innsbruck identifizieren eine Gruppe von Genen, welche die kognitiven Fähigkeiten und die damit verbundene menschliche Intelligenz regeln. Den Forschern gelingt ein wesentlicher Beitrag zum besseren Verständnis von höheren Gehirnfunktionen.

Die Gehirnleistung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ein Grund für die individuellen Unterschiede liegt in den Genen. Bisher war über die verschiedenen Zusammenhänge nur wenig bekannt. „Wir wissen, dass es nicht ein sogenanntes Intelligenzgen gibt, sondern dass viele Gene jeweils kleine Beiträge leisten“ erklärt Georg Dechant, Direktor der Gemeinsamen Einrichtung für Neurowissenschaften, an der die aktuelle Grundlagenarbeit entstanden ist.

Genmutationen Ursache für geistige Beeinträchtigungen
Die Innsbrucker Forscher haben nun aktuell eine Gruppe von Proteinen im Zellkern erkannt, die für die Regelung der kognitiven Fähigkeiten mitverantwortlich sein dürften. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein bestimmtes Protein (Anm. SATB2). Dieses bindet an die Erbsubstanz DNA und bestimmt deren dreidimensionale Auffaltung im Zellkern. Menschen mit einer Mutation dieses Gens haben geistige Beeinträchtigungen sowie Lernbehinderungen.

Biochemische Methoden und Assoziationsstudien
„Mit modernen biochemischen Methoden haben wir nun eine Gruppe von Proteinen bestimmt, die mit SATB2 in Nervenzellen des Großhirns zusammenarbeiten. Ob diese Proteine maßgeblich für unsere Intelligenz sind, wurde dann mittels Assoziationsstudien in verschiedenen Gruppen menschlicher Individuen untersucht“, erläutert Galina Apostolova vom Forscherteam. „Hierbei zeigte sich eindeutig, dass Varianten der entsprechenden Gene mit Unterschieden in menschlicher Intelligenz gekoppelt sind.“

Neues Verständnis für höhere Gehirnfunktionen
Die grundlegende Forschungsarbeit trägt dazu bei, die höheren Gehirnfunktionen besser zu verstehen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die genetischen Grundlagen der Intelligenz eines Menschen nur bedingt beeinflussbar sein werden. „Da so viele Gene involviert sind, erscheint es unmöglich, Intelligenz auf molekularer Ebene zu manipulieren“, unterstreicht Dechant.

Grundlagenforschung Basis für neue psychiatrische Therapien
„Unsere Erkenntnisse sind jedenfalls wichtig, für die Entwicklung von neuen Therapien für psychiatrische oder neurologische Erkrankungen bei denen häufig Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit beobachtet werden. Wir erwarten, dass unsere Ergebnisse über die Grundlagen von Intelligenz für die sogenannte molekulare Psychiatrie von Bedeutung sind. Je besser wir die Gehirnfunktionen verstehen, desto präziser können wir nach neuen psychiatrischen Therapien suchen“, betont Dechant.

Internationale Spitzenforschung in Innsbruck
Innsbrucker Wissenschafter haben bereits in Vergangenheit zum besseren Verständnis der zentralen Rolle von Proteinen in neuronalen Prozessen beigetragen. Die Neurowissenschaften sind ein Forschungsschwerpunkt der Med-Uni Innsbruck, die (auch) in diesem Bereich zu einem der auch international führenden Standorte zählt. Die SATB2 Forschung ist etwa Fokus im Spezialforschungsbereich „Cell signaling in chronic CNS disorders“ und des Exzellenzprogramms „Signal processing in neurons“ (SPIN). Die aktuellen Erkenntnisse aus Innsbruck wurden im renommierten Wissenschaftsjournal „Plos Genetics“ veröffentlicht.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 21.02.2019