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29. Juni 2017

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Keine Berechenbarkeit

Keine Berechenbarkeit© Bilderbox.com

Die Wirtschaft ist auf Stabilität in der Politik angewiesen.

Unternehmerische Entscheidungen basieren auf politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Daher holten sich die Fachgruppen der Chemischen und der Metalltechnischen Industrie Niederösterreich internationale Experten zu einem Informationsabend in die Orangerie des Schlosses Schönbrunn in Wien.
Stefan Lehne von Carnegie Europe, sieht beispielsweise in der mit großer Wahrscheinlichkeit prolongierten Kanzlerschaft von Angela Merkel einen wichtigen Stabilitätsfaktor für Deutschland und Europa, aber auch die Gefahr, dass eine neuerliche große Koalition in Berlin „in der Politik viel durcheinander wirbeln würde“, weil auch eine Krise der repräsentativen Demokratie droht. Der Einfluss populistischer Parteien werde noch wachsen, was wiederum die Reformfähigkeit der EU negativ beeinflusse. Der Politik-Experte sieht den Binnenmarkt zwar als gut abgesichert, aber die Europäische Union werde „lockerer, sie verliert an Relevanz“.

Chancen für Kompromisse
Oliver Geden, Forschungsgruppenleiter „EU und Europa“ der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, vermittelte nicht unbedingt beruhigende Einsichten. In der Politik herrschen „sehr unterschiedliche Realitäten“, betonte Geden. „Entscheidungen und die daraus resultierenden Handlungen divergieren oft“, meinte er mit Verweis auf die Klimapolitik. Man könne sich „nicht an dem orientieren, was angekündigt wird“.
Fabian Zuleeg, Chefökonom des European Policy Centers EPC, ist „vorsichtig optimistisch“ für Europa gestimmt. Er sieht Chancen, dass Kompromisse für eine Reihe anstehender europäischer Probleme gefunden werden können. Ein positives Signal sieht er auch darin, dass sich die verbleibenden EU-Staaten einig sind, wie mit den „Brexit“-Wünschen der Briten umgegangen werden soll. „Wir steuern auf einen harten und schnellen Brexit zu“, meint er, relativiert seine Meinung aber gleichzeitig mit der Feststellung: „Die Berechenbarkeit wirtschaftlicher Entwicklungen stellt sich sehr oft als Irrtum heraus.“
Eine abschließende Frage lautet, worauf man sich einzustellen habe. „Auf mehr Schwankungen, sowohl was die Währung als auch die Politik betrifft.“ Aber die Globalisierung bleibe als Trend erhalten und werde in ihren negativen Auswirkungen in der EU besser zu bewältigen sein als von Nationalstaaten.

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NOe-Wirtschaftspressedienst/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 02.06.2017