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28. October 2020

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Mathematik und hochkomplexe Biophysik

Mathematik und hochkomplexe Biophysik© IST Austria/Nadine Poncioni

Gašper Tkačik, Biophysiker vom IST Austria erhält Lieben-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für seine Forschungen an Schnittstelle zwischen Physik, Biologie und Neurowissenschaften.

(red/mich) Hält die Mathematik den Schlüssel bereit, um hochkomplexe biophysikalische Abläufe in Organismen umfassend begreifen zu können? Dieser Frage geht der Biophysiker Gašper Tkačik nach und für seine wegweisenden Forschungen zum Thema wird Tkačik nun mit dem 36.000 Dollar dotierten Ignaz L. Lieben-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ausgezeichnet, eine der wichtigsten Prämierungen von Akademie und Österreichischer Forschungscommunity.

Physik biologischer Netzwerke
Gašper Tkačik und seine Forschungsgruppe am niederösterreichischen Institute for Science and Technology Austria (IST Austria) untersuchen biologische Netzwerke aus einer multidisziplinären Perspektive. Enthalten sind Methoden und Ansätze der Informationstheorie, der statistischen Physik, der Biophysik und der Biologie – und die dienen zur Erforschung von Abläufen, wie etwa chemischen Reaktionsketten in Zellen und Neuronenverbindungen im Gehirn.

Tkačik will dabei die Übertragung von Information und die Entstehung von Informationsnetzwerken sowie deren biologische Funktionen erfassen. Ein Ziel ist, auf mathematische Theorien und Modelle hinzuarbeiten, mit denen sich evolutionäre Entwicklungen von Organismen beschreiben und vorhersagen lassen.

Preisträger Gašper Tkačik und der Lieben-Preis
Gašper Tkačik studierte Physik an der Universität Ljubljana (SLO) und an der Princeton University (US), wo er 2007 promovierte. Von 2008 bis 2010 hatte er eine Postdoc-Stelle an der University of Pennsylvania, Philadelphia, inne. 2011 kehrte er als Assistant Professor am Klosterneuburger IST Austria nach Europa zurück und baute hier die Forschungsgruppe „Theoretical Biophysics and Neuroscience“ auf. Für seine Forschungen erhielt Tkačik bereits mehrere Auszeichnungen, darunter zwei Grants des Human Frontier Science Program (HFSP) sowie Förderungen des Wissenschaftsfonds FWF.

Der mit 36.000 Dollar dotierte Ignaz L. Lieben-Preis der ÖAW ist nach den Gründern des Bankhauses Lieben benannt und wird seit 1865 von der Akademie für junge WissenschaftlerInnen aus den Bereichen Chemie, Physik und Physiologie oder Molekularbiologie vergeben. Bisherige Preisträger waren etwa Lise Meitner und Marietta Blau sowie die Nobelpreisträger Viktor Hess und Otto Loewi. Gašper Tkačik ist bisher jüngster Preisträger, er wird die Auszeichnung am 27. Februar an der ÖAW entgegennehmen und dabei auch Einblicke in seine Forschungen und bisherigen Erkenntnisse geben.

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red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 28.02.2020