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26. Juni 2017

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Online-Weiterbildung in Haftanstalten

Online-Weiterbildung in Haftanstalten© piqs.de/tim timothy

In den Gefängnissen wird bei der Vorbereitung von Häftlingen auf ihr Leben nach der Entlassung immer mehr auf Online-Lernplattformen gesetzt.

Während vor wenigen Jahren der Einsatz von pädagogisch wertvollen Internetseiten noch "undenkbar" gewesen wäre, seien die Justizanstalten nun "beobachtbar offener" geworden, berichtet Svenje Marten vom Berliner Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI) in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Erwachsenenbildung“. Die seit 2009 vom IBI betreute Lernplattform "elis - eLearning im Strafvollzug" ist derzeit an über 1.000 Lernplätzen in mehr als 100 Gefängnissen in Österreich und zwölf deutschen Bundesländern abrufbar.
Beim Lernen im Gefängnis trifft ein schwieriges Klientel auf Barrieren bei den Lernmöglichkeiten: In Österreich sitzen knapp 9.000 Personen im Gefängnis, davon weit über 90 Prozent Männer. Nur wenige haben laut dem Bericht eine Schul- oder Berufsausbildung abgeschlossen, viele hätten Ausbildungen abgebrochen. Motivation und die Fähigkeit zu lernen seien bei dieser Gruppe oft eingeschränkt.

Vorbereitung notwendig
Sicherheit und Ordnung haben oberste Priorität, die Lernzeiten und der Zugang zu Unterrichtsmaterial sind dementsprechend eingeschränkt. Außerdem gibt es wenig Bildungsmaterial, das den Anforderungen an die Zielgruppe entspricht: Oft passt zwar das Fachniveau, die Unterlagen sind aber für Kinder und Jugendliche gemacht; oder die Inhalte passen, sind aber für die Inhaftierten zu anspruchsvoll aufbereitet.
Und die Häftlinge müssen auf eine sinnvolle Nutzung vorbereitet werden: Viele müssten erst lernen, wie man einen Computer sinnvoll einsetzen kann, wie man etwa sinnvolle Informationen aus dem Internet bekommt oder ein Textverarbeitungsprogramm nutzt. Positiv ist, dass "elis" für die "Schüler" schlicht auch Abwechslung in ihren Gefängnisalltag bringe. (APA-Science/red/stem)

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 27.03.2017