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18. November 2017

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Wo bei der Bildungsmobilität wirklich der Schuh drückt

Wo bei der Bildungsmobilität wirklich der Schuh drückt© Bilderbox.com

Parteien und Studentenvertreter klagen über eine niedrige Bildungsmobilität. Dabei verzerren ausländische Studierende die Statistik. Die Realität sei positiver, Handlungsbedarf herrsche trotzdem.

Der Thinktank Agenda Austria ortet eine ungenaue Analyse und Fehlschlüsse hinsichtlich der Bildungsmobilität in Österreich. Den Zahlen der Statistik Austria zufolge haben 44 Prozent aller Erstsemestrigen an Universitäten und 32 Prozent aller Studienanfänger an Fachhochschulen zumindest einen Elternteil mit Hochschul- oder Akademieabschluss.

Übereinstimmende Schlussfolgerungen
Die Schlussfolgerung mehrerer Parteien und Interessenvertreter laute: Die Zugangsbeschränkungen an den Unis müssten weg, da sie Kinder aus akademikerlosen Familien benachteiligten. In Wahrheit stammen verglichen mit anderen Ländern relativ viele Studierende aus Elternhäusern, in denen weder Vater noch Mutter einen akademischen Abschluss haben, nämlich rund 67 Prozent. Agenda Austria ortet zwei irreführende Faktoren:
Ausländische Studierende verzerren die Statistik deutlich: Sie kommen etwa doppelt so oft aus einem Akademikerhaushalt wie die österreichischen Studienanfänger. Und sie machen mehr als ein Drittel der Erstsemestrigen aus. Zweitens rechnet die Statistik Austria zu den gut 44 Prozent Akademikerkindern auch einige, deren Eltern über keine Hochschulausbildung verfügen, sondern eine Pädagogische Akademie oder Ähnliches besucht haben. Auch das senkt die statistische Bildungsmobilität.

Im Vergleich gut

Tatsächlich stammen also laut dem Thinktank 32 Prozent der Studienanfänger an den Hochschulen aus einem Akademikerhaushalt. Damit sind die Akademikerkinder freilich noch immer überrepräsentiert – aber 32 Prozent sind deutlich weniger als die in der Öffentlichkeit verbreiteten 44 Prozent. Damit liege Österreich im europäischen Vergleich sehr gut.
Agenda Austria sieht die Probleme Österreichs nicht in einer insgesamt zu geringen Bildungsmobilität. Sie liegen in einer vergleichsweise geringen Aufstiegsmobilität von Kindern aus Familien, in denen beide Eltern über nicht mehr als einen Pflichtschulabschluss verfügen. Und die Lösung für dieses Problem sei seit langem bekannt: Verbesserung der frühkindlichen Bildung durch aktive Beratung und Betreuung, möglichst früher Kindergarteneinstieg und nachhaltige schulische Unterstützung, um die Defizite der familiären Ausgangssituation auszugleichen.

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 19.05.2017