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17. Januar 2022

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Das Thema Technik in frauendominierten Berufen

Das Thema Technik in frauendominierten Berufen© Pexels.com/Matthias Zomer

Einzelhandel und mobile Pflege sind Berufsfelder, in denen vor allem Frauen arbeiten. Neben der Zusammenarbeit mit Menschen prägt auch der Umgang mit Technik die Arbeit, so die Themen eines neuen Forschungsprojekts an der TU-Wien.

(red/mich) Die Digitalisierung hat nicht nur neue Berufsfelder hervorgebracht, sie hat auch bestehende Tätigkeiten verändert und diese Entwicklung gilt branchenübergreifend für Unternehmen jeder Größenordnung. Janis Lena Meißner vom Forschungsbereich Human Computer Interaction an der TU-Wien hat nun gemeinsam mit ExpertInnen aus Sozial- und Raumforschung das Thema Technologie in frauendominierten Dienstleistungsberufen aus einer feministischen Perspektive untersucht. 

Das Smartphone als zentraler Helfer
Frauen arbeiten häufig in weniger gut bezahlten Dienstleistungsberufen. Viele dieser Berufe sind jedoch systemrelevant und das hat die Corona-Pandemie nun neuerlich untermauert. Die Herausforderungen der weiblichen Arbeitnehmerinnen in Einzelhandel und mobiler Pflege sind dabei oft technischer Natur und auf diese Aspekte fokussiert sich die Forschungsarbeit von Janis Lena Meißner (TU Wien), Edeltraud Haselsteiner (Urbanity), Nadja Bergmann und Nicolas Pretterhofer (L&R Social Research). Das Projekt wird von der AK Wien gefördert, Ziel ist zumindest eine politische Debatte.

„Indem wir die verborgene technische Dimension in den alltäglichen Bemühungen von Verkaufspersonal und mobilen Heimhilfen in den Vordergrund rücken, können diese Berufe womöglich aufgewertet werden“, so Janis Lena Meißner. „Die zentrale Rolle des Smartphones in Einzelhandel und mobiler Pflege bleibt oft verborgen. Es dient nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Dokumentation von Prozessen, etwa Barcodes, die wertvolle Details für Kunden liefern und für mobile Pflegekräfte ist es ein Navigationsgerät, um optimale Routen zu Kunden oder auch Apotheken zu finden“, so das Projektteam. 

Corona verändert Dienstleistungsberufe
Da die Studie während der Corona-Pandemie durchgeführt wurde, stießen die Forscherinnen auch auf pandemiebedingt hervorgerufene Technik, etwa Teammeetings, die nun digital abgehalten werden. Dies betrifft interne Besprechungen ebenso wie Kundengespräche. Gerade im Einzelhandel müssen Angestellte schnell auf das sich ändernde Konsumentenverhalten reagieren. Die Kunden zahlen beispielsweise zunehmend bargeldlos, was Wissen über die Kartenlesegeräte voraussetzt. Mitarbeiter im Einzelhandel mussten also in kürzester Zeit Experten für technische Neuerungen werden.

„Interessant ist auch das Thema PCR-Gurgel-Tests. In Drogeriemärkten mussten MitarbeiterInnen die Test-Ausgabe übernehmen und wurden dadurch plötzlich zu Ansprechpartnern für KundInnen, was etwa auch Unterstützung bei der Online-Registrierung betraf. In der mobilen Pflege eröffnete das Gurgel-Test-Programm wiederum die Möglichkeit, Zeit und Ressourcen zu sparen“, erläutert Janis Lena Meißner. „Gerade für medizinische Angestellte, die sich regelmäßig testen müssen, ist dies eine Erleichterung.“ 

Problematisch ist auch das Thema Fortbildung, das aufgrund der Pandemie nur eingeschränkt und primär digitalisiert passiert. „Dies erschwert nicht nur die persönliche Entwicklung der MitarbeiterInnen, sondern verringert auch den sozialen Austausch untereinander. Besonders in der mobilen Pflege birgt dies das Risiko, die Übersicht zu verlieren, mit wem man eigentlich zusammenarbeitet und somit die Anbindung zum Team zu verlieren“, so Meißner. 

Aufwertung frauendominierter Berufsfelder
Um die Arbeitsbedingungen für Frauen nun nachhaltig zu verbessern, identifizieren die Forschenden drei Ansatzpunkte. Es müsse eine soziokulturelle Aufwertung der Jobs geben, indem über die teilweise veralteten Vorstellungen frauendominierter Berufsfelder aufgeklärt wird. Die Vorurteile, dass diese Berufe wenig oder gar keine Kompetenz bedürfen, sind maßgeblich für die schlechte gesellschaftliche Bewertung. „Dies gelingt uns am besten, indem jeder Arbeitsanteil mit einem Marktwert sichtbar wird und dazu gehört auch der produktive Umgang mit Technik“, unterstreicht Meißner.

Eine weitere Art der Berufsaufwertung könnte dadurch geleistet werden, dass die Beschäftigten aktiv und transparent in die Gestaltung von technischen Prozessen der Arbeitsorganisation involviert werden. Gesteigertes Selbstbewusstsein als digital kompetente Arbeitskraft könnte dazu beitragen, dass sich ArbeitnehmerInnen stärker organisieren und dann etwa auch fairere Arbeitsbedingungen mitverhandeln. Als dritten Punkt nennen die Forschenden die formale Aufwertung der Arbeit, die durch Kollektivverträge unter anderem an der Bezahlung ansetzt. 

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red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 11.01.2022