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14. Dezember 2018

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Demenz erleben

Demenz erleben© piqs.de/kk

Der demografische Wandel erfordert einen neuen Umgang mit Demenz. Das Bewusstsein dafür wecken künstlerische Methoden.

Menschen mit Demenz leiden oft unter gesellschaftlicher Stigmatisierung. Alltägliche Tätigkeiten wie Einkaufen, Geldgeschäfte oder ein Theaterbesuch können schwierig für sie sein. Um Ablehnung oder Peinlichkeiten zu vermeiden, ziehen sie sich aus der Gesellschaft zurück. Wie sich das verhindern lässt und wie der gesellschaftliche Umgang mit Demenz positiv verändert werden kann, untersucht die Wiener Künstlerin und Forscherin Ruth Mateus-Berr mit ihrem Team in einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt: D.A.S. Dementia. Arts. Society.

Den Verstand verlieren
Was es bedeutet, langsam seinen Verstand und den Bezug zu seiner Umwelt zu verlieren, dem will Mateus-Berr in dem künstlerisch-wissenschaftlichen Projekt auf den Grund gehen. Zunächst geht es um das Bewusstmachen. „Gerade bei jungen Menschen fehlt oft das Verständnis für Ältere“, erklärt die Professorin an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Hervorgegangen ist das Forschungsprojekt aus dem Masterprojekt Feel Dementia zweier Studierenden an der Universität für angewandte Kunst Wien: Künstlerin Cornelia Bast und Designerin Antonia Eggeling. Diese konzipierten zwei Interventionen: Ein Audiofile, das Hörern eine Fülle an Informationen und Aufträgen erteilt, um Verwirrung auszulösen. Die andere Intervention heißt Fokung Wirkus: Teilnehmende stülpen es sich gleich einem riesigen Taucherhelm über den Kopf. In ihm sind verschiedene Linsen montiert, wodurch die Sicht eingeschränkt ist. Das löst Irritation und Hilflosigkeit aus und reicht bis zum Gefühl, „einen Nervenzusammenbruch zu erleiden.“
Ziel des Projekts ist es, praxistaugliche und nachhaltige Formate wie zum Beispiel Workshops, Design- und Kunstkonzepte zu entwickeln, um die Herausforderungen, die das Thema für die Gesellschaft und die Betroffenen darstellt, langfristig besser bewältigen zu können.

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 09.09.2016