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22. August 2017

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Glaubwürdige Bilder und Maschinen

Glaubwürdige Bilder und Maschinen© piqs.de/sharon pruitt

Ein aktuelles Forschungsprojekt des FWF zeigt, wem man im Internet vertrauen kann.

Der Erfolg des Internets beruht wesentlich auf der automatisierten Verarbeitung von Information: Algorithmen, nicht Menschen bestimmen, welche Ergebnisse von Suchmaschinen angezeigt werden. Aber wie sollen die Maschinen erkennen, ob eine Information glaubwürdig ist?
Die Frage der Glaubwürdigkeit von Informationen aus dem Internet hat zuletzt durch die Fake News große Brisanz erlangt. Falschinformationen sind aber nicht nur bei politischen Themen besonders heikel, sondern beispielsweise auch bei medizinischen Inhalten. In einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt wurde nun untersucht, wie sich Glaubwürdigkeit von Informationen aus dem Netz bewerten lässt.
Die Beurteilung von Glaubwürdigkeit scheint möglich, erklärt Allan Hanbury von der Technischen Universität (TU) Wien. "Unser Ziel war, ein besseres Glaubwürdigkeitsmodell zu finden und Experimente damit zu machen." Glaubwürdigkeit lasse sich anhand verschiedener Kriterien beurteilen, betont Hanbury. Verfügt die Quelle über Expertise in diesem Bereich? Genießt sie Vertrauen? Wie hoch ist die Qualität der Information? Hier geht es etwa um Tippfehler in Dokumenten. Wie hoch ist ihre Zuverlässigkeit, also wie stark variiert die Qualität der Information?

Glaubwürdige Suchmaschinen
Hanburys Team untersuchte die Benennung von Bildern und ihre Glaubwürdigkeit. Ein Algorithmus bewertet die Glaubwürdigkeit der Tags nach verschiedenen Kriterien. Dabei ließ sich zeigen, dass ein mit Glaubwürdigkeitskriterien arbeitender Algorithmus sehr verlässlich die richtigen Tags zu bestimmten Bildern findet.
Neuland betrat das Projektteam mit dem Versuch, nicht nur die Glaubwürdigkeit von Inhalten zu analysieren, sondern auch jene von Systemen, die Informationen sammeln. "Die Suchmaschinen und Empfehlungssysteme haben einen großen Einfluss darauf, welche Posts und Dokumente von Personen gesehen werden", sagt Hanbury. Diese Fragestellung zu untersuchen, ist laut Hanbury ohne Kenntnisse über die Programmierung der Suchmaschine nur schwer möglich.
Manchmal seien gerade top-gereihte Inhalte Falschinformationen. Die Organisation "Health On the Net" (HON) beschäftigt sich bereits seit 1995 mit dem Phänomen und kämpft für die Qualität medizinischer Online-Information, aber eine händische Bewertung ist nicht mehr möglich. In einer Zusammenarbeit mit HON wurden die in dem Projekt entwickelten automatisierten Methoden zur Bewertung der Glaubwürdigkeit getestet. "Der Rahmen, den wir aufgebaut haben, kann künftig verwendet werden, um Glaubwürdigkeit zu messen", erklärt Hanbury.

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 23.03.2017