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18. November 2017

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Krebs killen und dabei den Körper schonen

Krebs killen und dabei den Körper schonen© Bilderbox.com

An der Universität Graz wurde ein Abwehrpeptid aus Muttermilch so verstärkt und umgebaut, dass es Krebszellen spezifisch aufspüren und vernichten kann.

Viele Krebsarten sind gut behandelbar, wenn sie früh erkannt werden und wirksame Chemotherapeutika vorliegen. Als schwer behandelbar gelten hingegen Hautkrebs und Krebs im Gehirn, sowie Metastasen.
Aber auch die fieseste Krebszelle hat eine Schwachstelle. Die Membranhülle von Krebszellen trägt im Gegensatz zu gesunden Zellen an der Außenseite negativ geladene Moleküle in Form des Lipids Phosphatidylserin (PS). PS kann also als Krebsmarker dienen. Unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF entwickelte ein Team am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz eine Waffe, die diese Achillesferse selbstständig anvisiert.
Dem Team um Dagmar Zweytick gelang es nun, ein humanes Abwehrpeptid hezustellen. Ein aktives Teilstück des Peptids Lactoferricin, das in der Muttermilch vorkommt, wurde so umgebaut und verstärkt, dass es Krebszellen erkennt. Die Peptide finden die Krebszellen, docken an und lösen binnen Stunden den - zuvor blockierten - programmierten Zelltod aus.

Normale Zellen schonen
"In Kontrollversuchen haben wir uns immer wieder rückversichert, dass nur Krebszellen gefunden und normale Zellen verschont werden", erläutert Zweytick. Lactoferricin ist als Vorstufe in Muttermilch präsent, die das Neugeborene nicht nur mit Nährstoffen, sondern auch einer starken antimikrobiellen Abwehr versorgt.
Lactoferricin ist Teil des angeborenen Immunsystems. Es geht als erste Abwehr-Reaktion gegen negativ geladene körperfremde Zellen wie Bakterien und Pilze vor. Um das Abwehrpeptid als Antitumor-Therapieansatz zu nutzen, musste es jedoch gezielt umgebaut werden. In peptidbehandelten Krebsmäusen zeigte sich ein starker bis vollständiger Rückgang der Tumore um durchschnittlich 85 Prozent beim Melanom und bis zu 50 Prozent beim Glioblastom im Vergleich zu den unbehandelten Krebsmäusen.

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 27.04.2017