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20. October 2018

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Leuchtturmprojekt für Ressourceneffizienz und Klimaschutz

Leuchtturmprojekt für Ressourceneffizienz und KlimaschutzGelebte Kooperation zwischen Schule, Forschung und Wirtschaft. © HBLA-Ursprung_Salzburg

Schüler und Wissenschaftler arbeiten am Recycling alter Gebäude-Dämmstoffe für die Landwirtschaft. Basis ist Forschungskooperation der HBLA Ursprung (Sbg) und Amt für Wasserwirtschaft in Petzenkirchen (NÖe) um u.a. aus Altpapier wertvollen Dünger zu produzieren.

Internationales Global Footprint Network sieht darin globales Vorzeigeprojekt.
Diese praxisorientierte Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern, Unternehmern und Wissenschaftlern könnte laut internationalen Fachleuten tatsächlich einen ökologischen Meilenstein bedeuten. Die auf Landwirtschaft sowie Umwelt- und Ressourcenmanagement spezialisierten HBLA Ursprung bei Salzburg kooperiert mit dem Bundesamt für Wasserwirtschaft in Petzenkirchen (NÖ) im Rahmen eines angewandten Forschungsprojektes direkt im Unterricht.
Im Wesentlichen wird dabei wird aus recyceltem Material von Häuserdämmungen ein neuartiges Düngemittel für die Landwirtschaft hergestellt. Dieser natürliche Düngerzusatz könnte auch zu einer Reduzierung des oftmals belastenden Güllegestanks um bis zu 80 Prozent führen.
 
Dosierungsempfehlungen zur optimalen Düngung
“Gemeinsam mit den Salzburger Schülern erforschen wir derzeit in sogenannten Mikrolysimeteranlagen das Verhalten von schadstofffreier Dämmstoffkohle im System Boden-Wasser-Pflanze”, erklärt Peter Strauss, Institutsleiter im Bundesamt. “Ziel ist, bei zukünftigen Dosierungsempfehlungen zur optimalen Düngung von landwirtschaftlichen Produkten wie Mais, Raps, Hopfen oder Zuckerrüben eine Belastung von Spurennährstoffen im Grundwasser durch Überdüngung auszuschließen.”
 
Dämmstoffe aus recyceltem Altpapier als Grundstoff
 Den Grundstoff für die aktuellen Forschungsarbeiten liefert die Salzburger Firma Isocell. Das Unternehmen produziert natürliche Wärmedämmungen für Gebäude aus Zellulosefasern, hergestellt aus sauberem, sortenreinen Altpapier. Werden Häuser abgerissen, so kann dieses Dämmmaterial staubfrei abgesaugt, pelletiert und in einem sogenannten Pyrolyse-Ofen verkohlt werden. Am Ende dieser Recycling-Kette entsteht ein Gülleverbesserer und Spurenelementdünger (Bor) für die Landwirtschaft.
 
Bis zu 80 Prozent Reduzierung des Güllegestanks
“Nun geht es uns darum, das Verhalten dieser Dämmstoffkohle im Boden zu dokumentieren” erläutert Konrad Steiner, Lehrer an der HBLA Ursprung und Initiator des Projekts. “Die ersten Feldversuche zeigten bereits enormes Potenzial, Geruchsmessungen bei Mischungen mit Gülle ergaben bis zu 80 Prozent Reduzierung des Gestanks. Ebenso wichtig ist, einen natürlichen Rohstoffkreislauf nachhaltig zu schließen“, so Steiner. Und: „Aus dem Holz von Bäumen wird Papier, daraus entstehen Dämmstoffe für Häuser, diese verkohlen wir nach Jahren zu Dünger, der wiederum verbessert den Nährboden der Pflanzenwelt und verhilft der Natur zu neuem Wachstum - auch von Bäumen“, unterstreicht Projektgründer Steiner. 

Kontinuierliche Analyse von Wasser- und Bodenproben in Echtzeit
Die gemeinsame Arbeit der Salzburger Schüler mit den Wissenschaftlern betrifft die Generierung und Behandlung von Bodenproben mit unterschiedlichen Dosierungen an Dämmstoffkohle. Im Petzenkirchener Labor werden diese dann computergesteuert in Mikrolysimetern bewässert und das aufgefangene Sickerwasser wird kontinuierlich auf Inhaltsstoffe analysiert. Die Wasserbewegung und der Stofftransport im Boden wiederum werden online über verschiedene Sensoren erfasst.
 
Vorzeigeprojekt als Basis für gesetzliche Änderung
Düngemittel aus Reststoffen in neuartigen Recyclingverfahren herzustellen wird derzeit EU-weit erforscht. Aus gesetzlichen Gründen ist eine Zulassung von recycelten Dämmstoffen als Düngemittel derzeit in Österreich noch nicht möglich. Zeigen die gemeinsamen Forschungsarbeiten der Schüler und Wissenschaftler positive Ergebnisse, ist es letztendlich auch ein Ziel, eine Änderung dieser gesetzlichen Grundlage voranzutreiben.
Breite Unterstützung erhält das Projekt jedenfalls auf internationaler wissenschaftlicher Ebene. Als begeisterter Förderer präsentiert sich unter anderem Mathis Wackernagel, Präsident der Ideenschmiede Global Footprint Network mit Sitzen in Oakland und Genf: “Ich sehe in dieser Idee ein Leuchtturmprojekt für Ressourceneffizienz und Klimaschutz.”

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 25.09.2018