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02. Dezember 2021

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Mobile Covid-Applikation gegen die Angst

Mobile Covid-Applikation gegen die Angst© Joanne Adela Low

Med Uni Innsbruck entwickelt Video-Plattform und nun auch App für psychotherapeutische Unterstützung bei pandemiebedingten Belastungen.

(red/mich) Depressionen, Angststörungen oder Long-Covid: Die Pandemie hinterlässt mitunter tiefe Spuren in der Psyche vieler Menschen. Plätze für unterstützende Psychotherapie sind rar und so hat die Univ.-Klinik für Psychiatrie II an der Medizinischen Universität Innsbruck schon früh eine unterstützende Video-Plattform geschaffen. Nun gibt es auch die erste derartige mobile Applikation in Österreich dazu.

Die Help@Covid App bietet eine Reihe von Videos zu Themenbereichen wie „Ängste und Sorgen“, „Tagesstruktur“, „Fehler und Schuld“. Mit weiteren Anwendungen können NutzerInnen ihren Zustand selbst einschätzen, den Verlauf ihrer Belastung beobachten und dabei auch eigene Evaluierungen zu den Symptomen zu ermitteln. Im Anschluss erhält man eine automatisierte Rückmeldung, die dabei hilft, sich selbst einzuschätzen und etwa die Notwendigkeit einer therapeutischen Hilfe zu prüfen.

Die langfristigen Folgen der Corona-Pandemie
Die Auswertung der Fragebögen kann nun auch gespeichert werden, Nutzer erhalten einen Überblick über den Verlauf der Belastungen. „In Kliniken und im niedergelassenen Bereich können PatientInnen die Ergebnisse ihrer Fragebögenevaluierungen einbringen und bei Bedarf besprechen. Dadurch können TherapeutInnen gezielter auf den Krankheitsverlauf eingehen und gegebenenfalls Risikofaktoren früher erkennen“, sagt Mátyás Gálffy, Assistenzarzt an der Univ.-Klinik für Psychiatrie II und einer der Mitbegründer des Projekts.

Wichtig ist den Machern, dass die App keine Diagnose erstellt und bei Gefährdungen dann konkrete Hilfsangebote und Kontaktadressen übermittelt. Analysen der bisherigen Daten zeigen, dass vor allem Frauen unter 35 Jahren und ohne psychische Vorerkrankungen auf das Angebot ansprechen. Weitere Auswertungen belegen, dass primär Personen, die bereits vor ihrer Corona-Erkrankung unter Angststörungen oder Depressionen litten, mit der Infektion noch stärkere und längere psychische Symptome zeigen. Eine zunehmende Herausforderung sehen die ExpertInnen auch in der Bewältigung der langfristigen Folgen der Corona-Pandemie.

Die psychische Gesundheit der TirolerInnen
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 2.100 Mitarbeitern und 3.300 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich. Im Rahmen der Pandemie wurde die Entwicklung der psychischen Gesundheit der TirolerInnen in den vergangenen Monaten erforscht (economy berichtete). Als entsprechende ExpertInnen betreuen Barbara Sperner-Unterweger (Direktorin, Univ.-Klinik für Psychiatrie II), Mátyás Gálffy (Assistenzarzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin an der Angstambulanz, Univ.-Klinik für Psychiatrie II) und Bernhard Holzner (Leiter der „Health Outcomes Research Unit“; Univ.-Klinik für Psychiatrie II) das Projekt.

Die auch international renommierte Med Uni Innsbruck ist zudem in zahlreiche länderübergreifende Bildungs- und Forschungsprogramme eingebunden. Die generellen Schwerpunkte in der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz.

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red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 25.11.2021