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08. Dezember 2019

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Mobile Datenübertragung per Ultraschall

Mobile Datenübertragung per Ultraschall© FH St.Pölten

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheres Datenmanagement per Nahfeldkommunikation. Open-Source-Kit „SoniTalk“ ermöglicht individuelle Anwendungsformen für Apps und diverse mobile Geräte und Einsatzszenarien.

(red/czaak) Durch das Internet-of-Things (IoT) kommunizieren zunehmend mehr Geräte miteinander. Ultraschallkommunikation ist dabei eine völlig neue Methode für den Datenaustausch zwischen IoT-Geräten und Mobiltelefonen. Die Kommunikation ist unhörbar und benötigt mit Mikrofon und Lautsprecher nur ein Minimum an Hardware.

Forscher der Fachhochschule St. Pölten haben nun ein erstes offenes Kommunikationsprotokoll samt Open-Source-Entwicklungs-Kit für Ultraschallkommunikation mit dem Namen SoniTalk entwickelt. Die Technik ist frei verfügbar und setzt im Gegensatz zu ähnlichen Technologien ihren Schwerpunkt auf Sicherheit und Datenschutz. SoniTalk ermöglicht den Nutzern frei zu entscheiden, in welchen Fällen welche Apps und Geräte mit Ultraschall kommunizieren dürfen.

Frei verfügbare Technik und besserer Datenschutz
„Ansätze zur Ultraschallkommunikation wurden bereits von einzelnen Firmen entwickelt, die Technik ist aber im Copyright der Firmen und wirft teilweise Fragen bezüglich des Schutzes der Privatsphäre der User auf. Ein offenes Protokoll war daher dringend notwendig, um sichere Kommunikation zu gewährleisten und die Privatsphäre zu schützen“, erläutert Matthias Zeppelzauer, Senior Researcher am Institut für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten.

Zeppelzauer und seine Kollegen Alexis Ringot und Florian Taurer haben mit SoniTalk ein solches offenes und transparentes Kommunikationsprotokoll für die Datenübertragung mittels Ultraschall (Data-over-Sound) entwickelt. SoniTalk ist als Open-Source frei verfügbar. Das gleichnamige Software-Development-Kit hinter SoniTalk wurde mittels Java für Android umgesetzt und ermöglicht das Senden und Empfangen beliebiger Daten im Ultraschallfrequenzbereich. „SoniTalk stellt damit eine kostengünstige Alternative zu Bluetooth und anderen funkbasierten Kommunikationstechniken wie RFID (Radio-frequency identification) und NFC (Near Field Communication) dar“, so Zeppelzauer weiter.

Vorläuferprojekt Ultraschallfirewall und juristische Überlegungen
Mobiltelefone und Tablets können durch sogenanntes Audiotracking mittels Ultraschall auch unbemerkt das Verhalten ihrer Benutzer verfolgen – etwa das Betrachten bestimmter Videos oder den Aufenthalt an bestimmten Räumen und Plätzen. Vergangenes Jahr im Frühjahr haben Zeppelzauer und seine Kollegen die von ihnen entwickelte App SoniControl veröffentlicht, mit der das akustische Tracking blockiert werden kann. Derzeit wird die App weiterentwickelt, um sie noch attraktiver zu machen. Sie soll in Zukunft in das SoniTalk-Protokoll integriert werden, um dort sichere Datenübertragung zu gewährleisten.

Zwei Wiener Datenschutz- und IT-Juristen haben nach der Veröffentlichung von SoniControl eine rechtliche Einordnung dieser Form des Trackings vorgenommen und zu mehr Transparenz im Umgang mit der neuen Technik aufgerufen. Ein wesentlicher Punkt sei die explizite Zustimmung der Nutzer zur Datenübertragung mittels Ultraschall. „Dies wird nun durch SoniTalk und das technische Protokoll dahinter möglich“, so Zeppelzauer.

Nutzen für Industrie, Mittelstand, Kunst und Dienstleister
SoniTalk ermögliche neue Funktionen und Services für die Digitalisierung, etwa zur Authentifikation und Verifikation von Daten und Personen, zum Verfolgen von Objekten in der Produktion (Asset Tracking), zum Aufbau von lokalen Netzwerken (Ad-hoc Netzwerke), für mobile Zahlungen und Geldtransfer, zur Gerätekopplung und zur Steuerung von Smart Homes, so die FH St. Pölten in einer Aussendung.

SoniTalk soll in naher Zukunft in ersten Industrie-4.0-Anwendungen in der Praxis evaluiert werden. Zielgruppe sind laut Zeppelzauer Firmen und Personen im Bereich der IT-Sicherheit und Industrie 4.0, Anbieter von Indoor-Navigations-Systemen sowie von bargeld- und kontaktlosen Zahlsystemen, Künstler und Museen, die Ausstellungen interaktiv gestalten wollen, sowie die Open-Source-Community.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 29.11.2019