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21. Mai 2019

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Spektakulärer Fahndungserfolg

Spektakulärer Fahndungserfolg© Bilderbox.com

Der grundsätzlich aus breiteren Publikumsmedien geläufige Titel sei einmalig für ein aktuelles Forschungsprojekt der Wiener Boku-Uni gestattet. Im Rahmen einer „Wein-Fahndung“ erlaubt eine neue hochpräzise chemische Identifizierung Analyse und Typisierung bestimmter Weinsorten.

Die Universität für Bodenkultur Wien nutzt Hightech zur Typisierung von vorab 42 Weinen und schafft eine eindeutige Identifizierung verschiedener Weinsorten mittels einer Art innovativem Fingerabdruckverfahren. Aktuell wurden erstmals zahlreiche Inhaltsstoffe von 42 verschiedenen Rotweinsorten mit modernsten Analysegeräten (Anm. aus dem EQ Boku-Gerätepark) untersucht.

Flüssigchromatographie in Kombination mit Ionenmobilität-Flugzeitmassenspektrometrie
Die so gewonnen Daten bilden eine äußerst genaue Grundlage zur eindeutigen Charakterisierung bestimmter Weinsorten und zudem bieten sie einen neuen methodischen Zugang zur routinemäßigen Weinanalyse. Dieser könnte den genauen Nachweis einer Sorte, das Entlarven von Fälschungen und ein besseres Verständnis der Rolle spezieller, aromagebender Stoffe erlauben, so die Boku in einer Aussendung.
Möglich wurde diese Entwicklung durch Einsatz des letztaktuellen Geräteparks an der EQ BOKU. Diese Einrichtung stellt Angehörigen der Boku-Wien und externen Kunden wissenschaftliche Präzisionsinstrumente und Know-how zur Verfügung. Für die nun auch international publizierte Charakterisierung von verschiedenen Rotweinsorten kam die Flüssigchromatographie in Kombination mit der Ionenmobilität-Flugzeitmassenspektrometrie zum Einsatz.

Wein ist mehr als Traubensaft mit Alkohol
Die Herausforderungen für eine umfassende Analyse sind dabei aufgrund der Komplexität von Wein enorm. Kohlenhydrate und Aminosäuren machen seinen Charakter genauso aus wie organische Säuren und verschiedene Klassen von Phenolen. Die gezielte Charakterisierung einzelner dieser Stoffe stellt dabei heute kein Problem mehr dar. Anders ist es, wenn alle oder sehr viele Vertreter einer ganzen Stoffklasse im Wein untersucht werden und das, ohne genau zu wissen, welche dort vorkommen.

Fingerabdruck in der Flasche
Ein Team des Departments für Chemie der Wiener Boku hat nun zusammen mit Kollegen aus Mazedonien mittels erwähnter Flüssigchromatographie x Ionenmobilität-Flugzeitmassenspektrometrie über entsprechend hochpräzise Analysegeräte des EQ Boku bisher wenig charakterisierte Inhaltsstoffe so exakt beschrieben, dass diese eindeutige Rückschlüsse auf die Herkunft und Art des Weines erlauben.
„Wir haben eine Art Fingerabdruck für 42 verschiedene Weinsorten erarbeitet, der als Grundlage für deren zukünftige genaue Identifizierung dienen kann“, erläutert Tim Causon, Leiter des Forschungsprojektes, die nun auch international publizierten Ergebnisse. „Unsere methodische Koppelung erlaubt nun eine hochgenaue Trennung einzelner, auch unbekannter Komponenten des Weines, die wir anhand ganz spezieller Parameter eindeutig charakterisieren können und deren so gewonnenes Muster für jeden Wein einmalig ist“, betont Causon.
„Unser Ziel war es einen Workflow von bisher unerreichter Präzision und Selektivität zur Charakterisierung von Wein zu entwickeln. Dank modernster Geräte der EQ BOKU und unserer langjährigen Erfahrung ist dafür nun ein Grundstein gelungen“, unterstreicht Stephan Hann, Leiter der internationalen Arbeitsgruppe an der Boku Wien.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 01.02.2019