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16. October 2019

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Das beste Schwarz der Kunstgeschichte

Die Albertina gratuliert Arnulf Rainer mit einer Hommage der wichtigsten Werkzyklen zum 90. Geburtstag. Klaus Albrecht Schröder hebt Rainer auf das Podium der weltbesten Künstler und economy nähert sich mit einer subjektiven Kritik und einer These zum Thema versteckte Selbstportraits in den Werken (guter) Maler.


Arnulf Rainer – „Zentralisation“; 1951; Albertina Wien – Sammlung Essl
(© Arnulf Rainer)
Arnulf Rainer – „Winterabend Kreuz“; 1990-1991; Albertina Wien
(© Arnulf Rainer)
Arnulf Rainer – ohne Titel (Zyklus „Schleierbilder“); 1995-2000; Albertina Wien
(© Arnulf Rainer)
Arnulf Rainer - „Rotes Land“; 1960/1963; Albertina Wien - Sammlung Batliner
(© Arnulf Rainer)
Arnulf Rainer - „Face Farces: Farbstreifen“; 1972; Albertina Wien
(© Arnulf Rainer)
Arnulf Rainer - „Vertikalgestaltung“; 1952; Albertina Wien
(© Arnulf Rainer)

(Christian Czaak) Arnulf Rainer zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Der am 8. Dezember 1929 in Baden bei Wien geborene Künstler zählt zu den wichtigsten Malern im Bereich der Zeitgenössischen Kunst und das gilt auch im internationalen Vergleich. Fünf Jahre nach der großen Retrospektive zum 85. Geburtstag richtet die Albertina dem österreichischen Ausnahmekünstler parallel zur Schau seiner Weggefährtin und zeitweisen Lebenspartnerin Maria Lassnig nun eine komprimierte Werkschau mit zentralen Hauptwerken von Rainers wichtigsten Zyklen aus.

Inkludiert sind die (breiter bekannten) Übermalungen von Rainer-Fotos („Face-Farces“), monochrome Farblandschaften in rot und schwarz, Hand- und Finger-Malereien, dazu die sogenannten Schleier-Bilder, die Kreuz-Motive und einige Werke aus dem Werkzyklus „Zentralisation“. Die Arbeiten stammen primär aus den umfangreichen Albertina-Beständen mit (den nun inkludierten) Werken aus der Sammlung Essl sowie aus der Sammlung Batliner und einigen Leihgaben. Kuratiert wurde die aktuelle Schau von Antonia Hörschelmann.

Das ambivalente Verhältnis Rainers zu Österreich und zur Kunstwelt
„Rainer war und ist ein Unbequemer, ein künstlerischer Einzelgänger, der sich nie von Strömungen vereinnahmen hat lassen und strikt seinen eigenen Weg gegangen ist“, erläutert Klaus Albrecht Schröder in seiner Eröffnungsrede. „Es ist bezeichnend, dass er zuerst in den USA und Deutschland reüssierte bevor ihm sein Heimatland den verdienten Respekt zollte“, so Schröder zum ambivalenten Verhältnis Rainers zu Österreich wie auch zum Rest der Kunstwelt. Schröder hebt Rainer auf eine Ebene mit weltbesten Künstlern wie Richter, Baselitz, Naumann oder Yves Klein, was u.a. auch seine Farbgebungen betrifft. „Rainers Schwarz ist das beste Schwarz in der Kunstgeschichte“, unterstreicht Schröder.

Der Künstler ist bei der Eröffnung anwesend und wird mit spontanem Applaus der Festgäste begrüßt, darunter Agnes und Karlheinz Essl (Unternehmer und Kunstsammler), Hubert Scheibl (Künstler), Oscar Bronner („emeritierter“ Standard-Boss und nunmehr („nur“) Maler), Helmut Zambo (Unternehmer und großer Rainer-Sammler), Christian Rainer (Neffe und Profil-Herausgeber), Hans Rauscher (Standard-Edelfeder), Thaddaeus Ropac (Österreichs einziger internationaler Spitzengalerist) und Christian Konrad (ehem. Raiffeisen-General und nunmehr Vorsitzender des Albertina-Freundeskreises).

Werkzyklus Zentralisation oder Rainers Strich in die Unendlichkeit
Kunstversierte Menschen nähern sich (hoffentlich oft) einem Malwerk primär über Zeichnungen oder zeichnerischen Elementen in Malereien. Im handwerklichen Vergleich zur Pinselmalerei ist die Zeichnung unmittelbarer, direkter und (vergleichsweise) auch nicht veränder- oder gar ausbesserbar. Was sitzt, das pickt, und von daher ist der sogenannte Strich eines Künstlers grundsätzliche Basis für die Beurteilung seiner handwerklichen Qualität. Im Kontext nun mit der aktuellen Albertinaschau kommt Rainers handwerkliche Qualität besonders bei den Arbeiten aus dem Zyklus „Zentralisation“ zur Geltung (Anm. ab 1950er-Jahre anlässlich einer Paris-Reise und Kontakt mit dem l’art informel; mehrheitlich Öl und Graphit auf Jute oder Karton).

Die Arbeiten (siehe Abbildung) bestehen aus einer Ansammlung an mehrheitlich schwarzen geraden Strichen, die sich mit einigen mehrfärbigen Strichen und Kreisen in einer zentralen (sic) Mitte sammeln und gleichzeitig von dort vertikal und horizontal ausströmen. Steht man vor dem Werk, vermitteln diese Striche eine große Dynamik und lebendige Strahlkraft, trotz der in (Bild)Summe gegebenen Reduktion werden damit auch die umliegenden (freien) Räume besetzt. Gleichsam Rainers Strich(e) in die Unendlichkeit und eine Abstraktion, die letztlich mit ihrer figurativ gegenständlichen Konzentration in eine spannungsgeladene Gesamtkomposition übergeht. Ganz große Kunst.

Die Suche nach dem Nullpunkt
Rainer selbst beschrieb diese Werke mit der Suche nach dem Nullpunkt der Malerei und mit Interesse am psychischen Automatismus. Viele dieser Arbeiten malte er mit geschlossenen Augen (wodurch diese direkte Unmittelbarkeit noch verstärkt wird) „Wie ein Schütze oder Fechter zwang ich mich zu strengster Konzentration. Die Kritzel wurden bald deutlicher. Ich erkannte ihre Figuren, es waren stets die gleichen zentralen oder vertikalen Linien, manchmal ausnahmsweise wellige, haarige, leichte Striche.“

Rainer weiter: „Immer öfter behielt ich jetzt die Augen offen, strebte die zentralen und vertikalen Gestaltungen bewusst an. Stilisierung und Zielsetzung hatten sich eingestellt. Ich konnte bald nichts anderes mehr machen.“ (Quelle: Programmtext anlässlich der Werkschau im Linzer Lentos Museum im heurigen Frühjahr).

Kreuze
Im persönlichen Ranking der aktuell zu sehenden Rainer-Werke folgen nun die sogenannten Kruzifikationen. Das Motiv des Kreuzes nimmt in Rainers gesamten Werk eine zentrale Position ein und wie bei den zuvor beschriebenen „Zentralisationen“ sind auch hier die Vertikale und die Horizontale als bestimmende Ausgangsbasis enthalten, formativ wie maltechnisch. In der aktuellen Albertina-Schau sind mehrere dieser Motive zu sehen, der Großteil davon stammt aus der Sammlung Essl, nunmehr Bestandteil der Albertina-Sammlung.

Eindrucksvoller Höhepunkt und mit einer Einzelhängung auch entsprechend gewürdigt ist das Bild „Winterabend-Kreuz“ (1990-1991; Sammlung Essl; siehe Abbildung). Das Werk ist einmal systemimmanent (kreuz)formatbedingt in die angeführten vertikalen und horizontalen Ebenen unterteilt und diese Teilung wird durch die jeweils entsprechend zugeteilten Mal- und Farbebenen zusätzlich verstärkt. Rainer verdeutlicht diese Unterteilung (nicht Trennung!) noch mit unterschiedlichen Maltechniken. Während der horizontale obere (Quer)Bereich vglw. flächig ge- und übermalt ist (und so dann belassen wird), besteht der vertikale, senkrechte Bildbereich aus zarteren und dünner aufgetragenen Strichflächen, die dann von oben kommenden Farbrinnen überdeckt und zerteilt werden.

Versteckte Selbstportraits
Der obere Bildbereich beinhaltet zudem die Rainer-typischen Übermalungen mit Rot und Schwarz. Trotz dieser mal- und farbtechnischen Unterteilung, trotz einer Vielzahl an Einzelmotiven wirkt und ist das Bild eine Einheit. Atmosphärisch sozusagen als Geschichte sieht der (subjektive) Betrachter (zumindest) ein schemenhaftes Wesen, das sich gleichsam aus vielen einzelnen Bestandteilen (und abstrakten Figuren) erhebt und in eine Art weit entfernte Welt-Kathedrale übertritt. „Das Kreuz öffnet primär Räume für sinnliche Wahrnehmungen und löst Gedankenimpulse aus. Es geht Rainer nicht um religiöse Dimensionen und nicht um sakrale Malerei“, so der (im – Nachhinein - übereinstimmende) Albertina-Text zu diesem Werk-Zyklus.

Der Schreiber dieses Textes vertritt die These, dass sich, ähnlich wie Hitchcock in seinem Filmen, (gute) Maler in vielen ihrer Werke selbst verewigen, oftmals als eine Art abstrahiertes Selbstportrait. Am Beispiel dieses Bildes könnten das die für Rainer eben typischen roten und schwarzen Übermalungen im linken oberen Bildabschnitt sein oder die schwarze schemenhafte Figur. Dieses Werk ist eines der besten Werke der an besten Werken so reichen Schau. Dieses Bild kann und wird niemals langweilig werden, es hat Bestand und bei jeder der mehrmaligen Betrachtungen ergibt sich ein neuer Blickwinkel, eine neue (auf- oder nichtaufgelöste) Geschichte, eine neue Interpretationsmöglichkeit. Ebenso ganz große Kunst.

Schleier-Bilder
Im persönlichen Ranking als nächstes folgen die sogenannten Schleier-Bilder. Auch hier kombiniert Rainer mehrere Malstile und vor allem (wiederum) mehrere Malebenen. Beim ausgewählten Werk (siehe Abbildung) dominieren zahlreiche exakt unterteilte und räumlich (dreidimensional) angeordnete Flächen und Rundungen die ersten Malebenen gleich einer grafischen Landschaft – und darüber fallen von oben herab eine Art Vorhänge oder eben Schleier in den Farben Schwarz und Grau. In der Mitte jeweils kräftig gemalt, verlieren sie hin zum Rand und den räumlichen Flächen an Intensität.

Als Betrachter möchte man sie da in die Hand nehmen, gleich einem Vorhang bei Seite schieben, um die dahinter liegenden Landschaftsräume besser erkunden zu können. Neben den dynamisch wirkenden (grafischen) Landschaftsflächen schafft Rainer mit den „Vorhang-Schleiern“ eine zusätzliche, vergleichsweise zartere, an den Rändern fast zerbrechlich wirkende Dynamik. Mit dieser Assoziation erscheint bei der letzten Betrachtung des Bildes der graue Vorhang weiblich, gleich einem abstrahierten Frauentorso. Und der schwarze Vorhang ist dann eindeutig der Mann – in Rainer-typisch schwarzer Übermalung möglicherweise wieder als eine Art abstrahiertes Selbstportrait.

Diese Schleier-Bilder berühren auf eine intime Art, sie schwingen, vermitteln Sanftheit und Ruhe. Auch das Schwarz ist nicht bedrohlich, sondern eine Art bestimmender oder gefestigter Halt. Und die seitlich platzierten Landschaftsräume machen neugierig, man will da gerne mehr entdecken (und dazu eben den Vorhang bei Seite schieben). Dieser Werkzyklus erinnert an den großen Mark Rothko mit seinen vielschichtigen Farblandschaften. Das ist handwerklich und von der berührenden Wirkung her eine, bzw. in der Tat die von Schröder eingangs angesprochene Ebene mit den weltbesten Künstlern (nur monetär noch nicht ganz, ein Rothko wird ab 50 Millionen Dollar aufwärts gehandelt).

Die Übermalungen
Von Vielfalt und Qualität her steht eigentlich jedem einzelnen Werkzyklus eine umfangreichere Erörterung zu. Textlängengeschuldet wie abrundend daher nun noch zumindest eine kürzere Beschreibung der auch gezeigten Zyklen mit den monochromen Farblandschaften (als „reine“ Übermalungen) sowie des Zyklus „Face-Farces“ als (breiter bekanntere) Übermalungen von Rainer-Portraitfotos.

Um parallel das begonnene (persönliche) Ranking fortzusetzen, kommen jetzt die Übermalungen. Sie sind eigentlich aus einer Unzufriedenheit Rainers mit seinem eigenen Malergebnis entstanden. „Wenn ich zeichne, bin ich sehr erregt, voller Wut und Zorn. Ich hasse die Welt, voller Ungenügen auch mit mir selbst. Kritisch, mit Feindseligkeit gegen alles, gelingt es mir, zu korrigieren oder zu übermalen. Nur jetzt wage ich zu zerstören, da mir Besseres daraus erwächst“, so eine Beschreibung Rainers aus dem Programmtext der aktuellen Albertina-Schau.

Der Betrachter sieht jedoch das finale Ergebnis – und am Beispiel des roten Bildes („Rotes Land“; siehe Abbildung) sowie eines zweiten Bildes komplett in Schwarz gewinnen die Werke durch die Übermalungen einmal an Tiefe und Struktur. Trotz der durchgehend monochromen Farbflächen enthalten die Arbeiten mehrere kleinere oder größere Elemente mit stärkerem oder gezielterem Farbauftrag bzw. beim roten Bild Übermalungen schwarzer, horizontal aufgetragener Striche.

Von der Welle über die Landschaft bis zum (versteckten?) Selbstportrait
Diese rote Bild gleicht auf den ersten Blick einer Welle, im oberen Bereich zum weißen Rand hin mit einer Rainer-typischen Strich-Formation verdichtet. Wann schwappt die Welle über, wann bricht der (rote) und bereits durchlässige Damm, wann wird das (letzte) Weiß erobert und was überdeckt dieses Meer aus Rot? sind die entstehenden Fragen. Final bleibt zudem die Suche, ob sich Rainer auch hier mit einem Selbstportrait „versteckt“ hat.

Die horizontalen Striche der Untermalung könnten seinen Kopf eingrenzen, die schemenhaften schwarzen Untermalungen lassen ein Gesicht erahnen, oben der Haaransatz, rechts ein Auge, links ein Backenknochen, unten mittig der Mund, das gesamte Gesicht etwas mehr verdichtet als der Rest und das Ganze in einem (gemalten) Rahmen. Oder?

Erläuterungen der Übermalungen von Rainer und Albertina
„Am liebsten arbeite ich an der Übermalung einer Übermalung. Obwohl nicht ausschließlich, so betreibe ich die künstlerische Arbeit doch in erster Linie als Selbstgespräch. Wie sich etwa der Traum im Tiefschlaf fortsetzt, so ist die Übermalung die Entwicklung dieses Selbstgesprächs in ein Schweigen“, so Arnulf Rainer zum Thema Übermalungen im Albertina-Programmtext.

Und die Albertina-Kuratoren dazu: „Im Gegensatz zur aktionalen Übermalung vollzieht sich die monochrome Übermalung langsam. Denn es ist ein passiver schöpferischer Vorgang, das heißt, der Maler muss mit Geduld erhorchen und abwarten, bis sich die nächstfolgende, zu übermalende Stelle unangenehm bemerkbar macht. Der organisch schöpferische Akt ist hier also vielleicht noch wesentlicher als das fertige Bild.“

Face Farces
Abschließend, aber nun wirklich und auch beim Ranking, der Zyklus „Face Farces“. Die Übermalungen von (primär) Portrait-Fotos von Arnulf Rainer sind die bekanntesten Arbeiten des Künstlers. Subjektiv fielen diese bis dato primär auf Kunstmessen oder Auktionen gesehenen Fotoübermalungen im Vergleich zu den reinen (klassischen) Malereien zurück. Die aktuelle Albertina-Schau revidiert nun dieses Urteil. Die hier gezeigten Arbeiten zeigen eine spannende Symbiose aus den unterschiedlichen Kunstformen Fotografie und Malerei, verbunden mit zeichnerischen und grafischen Elementen – und in Summe eröffnen sie einen ganz neuen Blick auf diese Foto-Übermalungen.

Mit der Kombination entsteht nicht nur ein transmediales Kunstwerk, es entsteht ein fertiges bzw. vollendetes Bild auf einer Ebene mit einem klassischen Malwerk. Die von Beginn weg vorhandene dreidimensionale Struktur des Fotos wird mit den grafisch-malerischen Elementen ergänzt und aufgewertet und zudem laden die zusätzlichen Malelemente zu einer gesonderten Entdeckungsreise ein. Einerseits betonen und „untermauern“ sie bestimmte Gesichtsmerkmale und andererseits vermitteln sie neue Ausdrücke und Mimiken. Und dazu existieren sie auch als eigenständige Bereiche bzw. Formationen, die zu gesonderten Interpretationen einladen.

Grundsätzliche Sichtweisen zu Rainers Werk
„In sowie zwischen Rainers Bildern entfaltet sich eine intensive Zwiesprache über malerische Qualitäten und grafische Linienstrukturen, eröffnen sich Dialoge über ein Ausloten von Fläche und Raum, zwischen Farbe und reduzierten Schwarz-Weiß, zwischen Fülle und Leere, Ruhe und Bewegung, Stille und Aufregung, zwischen Abstraktion und gegenständlicher Figuration“, so die Albertina-Kuratoren in einer weiteren (grundsätzlichen) Erläuterung zum Werk des Künstlers (Diese Beschreibung kommt bestens zur Geltung beim Werk „Vertikalgestaltung“; siehe Abbildung).

„Wie kaum ein anderer hat Arnulf Rainer in seiner kompromisslosen Suche nach Ausdrucksmitteln von Anfang an radikal neue Verfahrensweisen entwickelt. Rainer zählt damit seit den 1960er-Jahren mit Gerhard Richter, Georg Baselitz, Maria Lassnig, Bruce Naumann oder Yves Klein auch international zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Sie alle sind Einzelgänger, die sich keiner Bewegung wie Pop-Art, Minimal-Art oder Konzeptkunst zuordnen“, resümiert Klaus Albrecht Schröder am Ende seiner Eröffnungsrede.

Die Gedankenwelt Arnulf Rainers als Basis für seine Kunst
Final sei hiermit der Besuch der Rainer-Ausstellung ausdrücklich empfohlen. Das Lob Klaus Albrecht Schröders und der Vergleich Rainers mit den weltbesten Künstlern ist mehr als berechtigt. Der Schreiber dieser Zeilen kannte bis dato vergleichsweise nur ein paar Werke aus den Zyklen „Übermalungen“ und „Face Farces“. Die jetzige Albertina-Ausstellung zeigt in komprimierter Form die besten Arbeiten aus allen wichtigen Zyklen dieses Ausnahmekünstlers und eröffnet so einen neuen und ganzheitlichen Blickwinkel auf seine inhaltliche Vielfalt und handwerkliche Qualität.

Zur Beschreibung der Gedankenwelten Arnulf Rainers als Grundlage für seine Kunstwerke seien nun noch die folgenden und nunmehr wirklich textabschließenden Zitate dieses großen Malers angeführt: „Das Schweigen gegen die Poesie, der Verlust gegen den Besitz, die Abwesenheit gegen euch selbst, der Tod gegen das Leben, das Andere gegen die Welt, das Nichts gegen das alles.“

Und: „Malerei, um die Malerei zu verlassen. Am Beispiel der Malerei diese Art Welt verlassen - ihre Kultur, ihre Malerei zu enthüllen, ohne sich mit ihr zu vermischen. Zu enthüllen als Ersatz für die mangelnde und verloren gegangene metaphysische Bindung - in der es weder handeln, noch Missionen, noch Beweise, noch Künste gibt. Sie zu enthüllen, als bloße Verbindung zwischen dem Ästhetischen und dem Metaphysischen.“ (Quelle Rainer-Zitat: Programmtext Albertina)

Arnulf Rainer; Eine Hommage; bis 19. Jänner 2020 in der Wiener Albertina. Hingehen und anschauen!

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 11.10.2019