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28. Juni 2022

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Mobbing bei Jugendlichen steigt kontinuierlich

Mobbing bei Jugendlichen steigt kontinuierlich © SaferInternet

Neue Jugendstudie zum Thema Cyber-Mobbing anlässlich 19. Safer Internet Day. Fast 20 Prozent der jungen Menschen bereits Opfer. Schule zentraler Ort für Vorfälle wie auch für Unterstützung.

(red/mich/czaak) Lügen und Gerüchte in den (sogenannten) Sozialen Netzwerken, wiederholte Beleidigungen über Messenger-Dienste oder Ausgrenzungen im Online-Unterricht: Jugendliche können auf vielfältige Weise von Cyber-Mobbing betroffen sein. In Zeiten von Lockdowns und Home-Schooling hat dieses Phänomen weiter zugenommen. Im Rahmen der Initiative Saferinternet präsentierten nun das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und die Internet Service Providers Austria (ISPA) eine Studie zum Thema Cyber-Mobbing, für die 11- bis 17-Jährige befragt wurden.

Viele Jugendliche haben bereits negative Online-Erfahrungen gemacht: fast die Hälfte (48 Prozent) hat schon Beschimpfungen und Beleidigungen erfahren, gefolgt von Ghosting, also dem plötzlichen, unangekündigten Kontaktabbruch durch andere (46). Auch verbreitete Lügen oder Gerüchte über die eigene Person (41), sowie Identitätsdiebstahl durch Fake-Profile (37), der ungewollte Erhalt unangenehmer Nachrichten (37) oder Einschüchterungsversuche (33 Prozent) werden häufig genannt.

17 Prozent waren bereits Opfer, 10 Prozent geben Beteiligung zu
Grundsätzlich bedeutet Cyber-Mobbing ein absichtliches und über einen längeren Zeitraum anhaltendes Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen, Belästigen oder Ausgrenzen konkreter Personen über digitale Medien. Betroffene erleben meist eine Kombination verschiedener Erscheinungsformen. Wie die Studie zeigt, waren 17 Prozent der Befragten schon einmal Opfer von Cyber-Mobbing, 42 Prozent haben dies bei anderen mitbekommen und jede/r Zehnte gibt eine aktive Beteiligung oder Initiative zu.

Jugendliche meinen, dass die TäterInnen nicht zwangsläufig mit böser Absicht handeln: 44 Prozent sagen, dass diese die Grenze zwischen Spaß und Ernst schlicht nicht kennen. Bei der Präventionsarbeit brauche es daher ein Bewusstsein für unterschiedliche Wahrnehmungen und das kann dann ein bedeutender Schritt im Kampf gegen Cyber-Mobbing sein.

TäterInnen handeln aus unterschiedlichsten Motiven
Ebenfalls als häufiges Motiv wird mit 43 Prozent der Wunsch nach Machtausübung genannt. Je rund ein Drittel der Befragten nennt als weitere Gründe die Demonstration von Gruppenzugehörigkeit (36), rassistische Motive (33) sowie das Unvermögen, mit dem eigenen Zorn umzugehen (31) und Langeweile (31 Prozent).

Überall dort, wo sich junge Menschen online bewegen, kann es zu Cyber-Mobbing kommen. Am häufigsten nennen die Jugendlichen Plattformen, auf denen öffentlich kommuniziert wird: Instagram (56 Prozent), gefolgt von TikTok (42), Facebook (36) und Snapchat (32 Prozent). Mit 30 Prozent liegen die viel genutzten Messenger-Dienste (zB. WhatsApp)nur an 5. Stelle der häufigsten Cyber-Mobbing-Plattformen.

Das Wissen um die Absender und das ambivalente Thema Hilfestellung
Online-Spiele werden von 25 Prozent genannt, Videochat-Anwendungen im Unterricht von 11 Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) meint, dass Cyber-Mobbing in Zeiten von Distance Learning häufiger vorkommt, teilweise auch vor den Augen der Lehrenden. „Leider ist die Präventionsarbeit gerade in dieser Zeit zu kurz gekommen", so Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.

Was die Identität der AngreiferInnen betrifft, ahnen 43 Prozent, wer der/die Verantwortliche ist oder wissen es sogar genau (30 Prozent). 43 Prozent der Jugendlichen geben an, dass die TäterInnen im schulischen Umfeld zu finden sind, gefolgt von Internet-UserInnen (21) und Bekanntenkreis (8 Prozent).

Keine Hilfestellung von den Betreibern der Sozialen Netzwerke
Beim Thema Hilfe werden Freunde von 78 Prozent als wichtigste Ansprechpersonen genannt, gefolgt von Eltern (71) und Lehrenden (64). Theorie und Praxis klaffen aber oft auseinander: Denn mit 48 Prozent meint fast die Hälfte der Befragten, dass Erwachsene in Cyber-Mobbing-Situationen oft nicht hilfreich sind. Ebenso hat ein Drittel (33 Prozent) der Jugendlichen schon erlebt, dass Lehrende einen Fall nicht ernst genommen haben.

Die Diskrepanz beim Thema Hilfestellung zeigt sich auch bei der Nutzung technischer Abwehrmöglichkeiten von Mobbing-Attacken. 70 Prozent der Jugendlichen meinen es sei hilfreich, TäterInnen auf den jeweiligen Plattformen zu blockieren oder zu sperren. 59 Prozent erachten eine Meldung als hilfreich, gleichzeitig erlebten allerdings 45 Prozent der Jugendlichen keine Bearbeitung ihrer Meldungen von den Betreibern Sozialer Netzwerke.

Es bleibt viel zu tun
Die direkte Auseinandersetzung mit den TäterInnen wird als weniger zielführend bewertet. Diese zu bitten, mit dem Mobbing aufzuhören, beurteilen nur 23 Prozent als hilfreich. Lediglich 18 Prozent halten es für förderlich, mit Beschimpfungen oder Beleidigungen zu kontern. Und einfach zu warten, bis das Mobbing wieder aufhört, stellt nur für 17 Prozent der Jugendlichen eine Option dar.

„58 Prozent wissen mittlerweile, wie sie gegen Cyber-Mobbing vorgehen können“, so Harald Kapper, Präsident der ISPA-Präsident zu den gemeinsamen Anstrengungen mit den Bildungsinstitutionen der letzten Jahre. „Die Studie verdeutlicht, dass wir Jugendliche weiterhin über Hass im Netz und Cyber-Mobbing informieren müssen, im schulischen wie auch privaten Umfeld.“ Bei 84 Prozent erfolgte die Aufklärung durch Lehrende, bei 45 durch Eltern und jeweils rund ein Drittel geben das Internet und Workshops an.

Saferinternet unterstützt mit zahlreichen Angeboten
Das Thema Cyber-Mobbing ist jedoch nicht nur für Jugendliche, sondern auch für PädagogInnen und Eltern eine große Herausforderung. Saferinternet unterstützt daher österreichweit mit Workshops und zahlreichen weiteren Informationsangeboten. Dazu gehört auch das kostenlos erhältliche Unterrichtsmaterial „Aktiv gegen Cyber-Mobbing“ (Anm. gefördert vom BM für Bildung, Wissenschaft und Forschung) oder diverse Ratgeber auch für Eltern.

Auch das ISPA-Kinderbuch „Der Online-Zoo“ und die gleichnamige Videoreihe behandeln unter anderem das Thema Cyber-Mobbing. Alle Angebote und Download- sowie Bestellmöglichkeiten finden sich auf der Internetseite von Saferinternet (siehe Link). Anlässlich des Safer Internet Day findet wiederum im gesamten Februar der Safer Internet-Aktionsmonat statt und hier sollen sich wiederum auch Schulen und Jugendorganisationen mit eigenen Aktionen beteiligen.

Links

red/mich/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 08.02.2022