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25. September 2016

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Privatkonkurse steigen wieder

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Das Gedränge am Bezirksgericht nimmt wiederum zu. In den heurigen ersten drei Quartalen nehmen die Privatkonkurse laut einer KSV-Studie wieder zu.

In Summe wurden seit Jänner über 6.657 Personen Schuldenregulierungsverfahren eröffnet was einer Steigerung von rund 6 Prozent entspricht. Die dabei inkludierten Passiva sind auf EUR 840 Mio. angestiegen was wiederum einer Steigerung von rund 10 Prozent gleichkommt. Der Durchschnittsbetrag bei den Passiva beträgt bei den (ehemaligen) Unternehmern und Unselbständigen pro Fall EUR 126.000,- und bei den „echten“ Privaten rund EUR 55.000,-
Ehemals Selbstständige können erst nach einiger Zeit an eine Regulierung ihrer Schulden herangehen und im Bezirksgericht einen Privatkonkurs beantragen, um Schulden aus ihrer unternehmerischen Tätigkeit abzutragen. Diese betragen im Durchschnitt etwa EUR 300.000,-, im Einzelfall kann es sich jedoch auch um Millionen handeln.

Zahlenmässig und prozentuell führen Wien und Niederösterreich
Den zahlenmäßig größten Zuwachs weist Wien auf, das Jahr für Jahr deutlich über 40 % aller Insolvenzen beisteuert. Prozentuell ist jedoch Niederösterreich Spitzenreiter mit einem Zuwachs von über 17 %. Darin ist ein Nachholeffekt zu sehen, denn Niederösterreich ist in Insolvenzen pro Bevölkerungseinheit seit vielen Jahren am unteren Ende der Skala angesiedelt.
Bezogen auf die Zahl der Personen, die einer Schuldenregulierung bedürfen, hat Niederösterreich zu wenig Verfahren, weshalb der Zuwachs laut KSV positiv zu werten ist. Auffallend sind die Bundesländer, die sich entgegen dem Bundestrend sogar rückläufig entwickeln: Die Steiermark mit - 8 % und Oberösterreich mit einem Minus von 5,4%. Ebenso das Burgenland, jedoch machen dessen Zahlen keinen Trend und sind oftmals stärkeren Schwankungen unterworfen.

Ausblick auf 2015
„Wien als Großstadt weist die meisten Problemfälle auf. In anderen Bundesländern mag der Arbeitsmarkt ein Motor der Entwicklung sein, da sich Menschen mit Beschäftigung eher entschließen, ihre Schulden zu regulieren“, so Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz. „Jedes Bundesland hat seine eigene „Insolvenzphänomenologie“, dadurch sind die Entwicklungen voneinander unabhängig und nicht monokausal zu deuten“, so Kantner weiter.
Der Rückgang der Insolvenzzahlen Privater scheint nun gestoppt zu sein, nachdem er schon 2014 deutlich schwächer ausgefallen war als im Jahr davor. Mit einem weiteren moderaten Anwachsen ist daher laut KSV zu rechnen, sodass voraussichtlich zum Jahresende mit ca. 8.800 knapp 5 % mehr Fälle zu registrieren sein werden als noch 2014.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 25.09.2015