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27. März 2017

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Strenge Erziehung kein Erfolgsgarant

Strenge Erziehung kein Erfolgsgarant© piqs.de/aka

Laut einer US-Studie führt eine harte Erziehung oft zu Schulversagen.

Eine besonders strenge Erziehung führt nicht zu besonders guten Leistungen - sondern vielfach sogar zu Schulversagen. Mit harter Hand erzogene Heranwachsende orientierten sich stärker an Freunden als an ihren Eltern, berichten Forscher im Fachmagazin "Child Development". Als "harte Erziehung" galten bei der Analyse Anschreien, Schlagen und die Androhung von verbalen oder körperlichen Strafen.
Die Forscher um Rochelle Hentges von der Universität Pittsburgh stellten fest, dass die Kinder, die in der siebenten Klasse sehr streng und aggressiv erzogen wurden, zwei Jahre später Gleichaltrige oft als wichtiger ansahen als etwa das Befolgen elterlicher Regeln. Dies wiederum führe zu einem riskanteren Verhalten in der elften Klasse, schreiben die Wissenschafter. Während Mädchen früher sexuell aktiv würden, zeigten Buben einen größeren Hang zu Kriminalität.

"Kaskadenartig"
Ein gewalttätiger Erziehungsstil löse einen "Komplex kaskadenartiger Prozesse" aus, die gegenwartsorientiertes Verhalten zu Lasten zukunftsorientierter Bildungsziele förderten, so Hentges. "Jugendliche, deren Bedürfnisse nicht durch ihre primären Bezugspersonen erfüllt werden, können Bestätigung bei Gleichaltrigen suchen." Das könne zu gesteigerter Aggression, Kriminalität und frühem Sexualverhalten führen - auf Kosten von Langzeitzielen wie einem höheren Bildungsabschluss.
Überraschend seien die gefundenen Zusammenhänge nicht, sagte Holger Ziegler von der Universität Bielefeld. Die Studie bestätige, "dass sich Beschimpfungen und Körperstrafen nicht gedeihlich auf die Entwicklung junger Menschen auswirken". Der Erziehungswissenschaftler hatte 2013 mit einer Studie gezeigt, dass fast ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von Erwachsenen oft oder manchmal geschlagen wird.

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APA-Science/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 10.03.2017