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22. August 2017

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Der Dialog zwischen Dialogfeinden

Der Dialog zwischen Dialogfeinden© piqs.de/lisa spreckelmeyer

In Krems wurden Anfang März 2017 Strategien gegen die Polarisierung der Gesellschaft entwickelt.

Die Konferenz „Das öffentliche Gespräch in der Demokratie“ an der Donau-Universität Krems bearbeitete Problemfelder wie Hass und Hetze im Internet, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit oder der Umgang mit fundamentalistischer religiöser Identität. „Derzeit beobachten wir eine besorgniserregende Polarisierung des öffentlichen Diskurses – und das hat sich seit den Fluchtbewegungen des Jahres 2015 noch verstärkt“, erklärt Gudrun Biffl, die Leiterin des Departments für Migration und Globalisierung der Donau-Universität Krems. Auf der einen Seite nehme der Hass gegenüber anderen zu; es komme zunehmend zu einer Enthemmung fremdenfeindlicher Haltungen. Auf der anderen Seite würden aber auch extremistische religiöse Strömungen den Dialog verweigern. Die sozialen Medien verstärken beide Tendenzen.

Umgang mit radikalen Tendenzen
„Die Frage ist nun, wie man mit diesen radikalen Tendenzen umgehen kann: Wie gestaltet man einen Dialog mit Dialogfeinden?“, so Gudrun Biffl. Die Konferenz, die in einer breiten Kooperation mit interreligiösen Initiativen und Organisationen durchgeführt wurde, zeigte auch die vielfältigen Wege der Praxis und ihre Erfolgsfaktoren auf.
Die derzeit stattfindende Radikalisierung verdecke nämlich teilweise die Erfolge von interreligiösen Projekten oder die aktive Solidarität mit Flüchtlingen, erklärte Ernst Fürlinger, der Initiator der Konferenz und Leiter des Zentrums für Religion und Globalisierung an der Donau-Universität Krems: „Uns geht es daher auch darum, diese vielfältigen Initiativen sichtbar zu machen und die Best Practice-Beispiele lokaler Verständigungsarbeit herauszuarbeiten.“
Gefragt wird auch nach den Möglichkeiten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der pluralen Gesellschaft zu stärken. „Ein wesentlicher Grundpfeiler dafür ist in einer liberalen Demokratie eben das öffentliche Gespräch, das auf Verständigung und Kompromissbereitschaft ausgerichtet ist und das auf den Menschenrechten basiert“, betonte Fürlinger.

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 16.03.2017