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22. October 2018

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Geeignete Fachkräfte dringend gesucht

Geeignete Fachkräfte dringend gesucht©Bilderbox.com

IWI-Studie beleuchtet den veränderten Qualifikationsbedarf der Papier- und Kartonhersteller. Die Digitalisierung schafft neue inhaltliche Vielfalt wie auch neues Anforderungsprofil.

Anfrage stellen, Produkt auswählen, Qualität vergleichen, E-Rechnung legen, Lieferung via GPS-Tracking verfolgen, auf dem Smartphone oder Tablet. Die Digitalisierung hat auch die Hersteller von Produkten aus Papier und Karton erobert und mit ihr verändern sich Informationsangebote, Produktionsverfahren und Geschäftsprozesse. Diese Veränderungen führen zu neuen Anforderungen an die Qualifikation. Der Erwerb von digitalen Kompetenzen wird immer wichtiger, gleichzeitig gibt es weniger geeignete Fachkräfte, so die zentrale Aussage der aktuellen Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) im Auftrag des Fachverbandes PROPAK.
Noch nie fiel es den Unternehmen in Österreich so schwer, geeignetes Personal zu finden. „71 Prozent der im Verband PROPAK zusammengefassten Unternehmen weisen derzeit unbesetzte Stellen auf“, sagt Herwig Schneider vom IWI. „Es finden sich zu wenig geeignete Fachkräfte, wobei sich die Mängel neben fachlich/methodischen Kompetenzen vor allem in mangelnder Kommunikations-/Teamfähigkeit und zu geringer Kunden- und Serviceorientierung zeigen“, unterstreicht Schneider.
Parallel zeigt sich ein Trend in Richtung höherer Qualifikationsniveaus. Während sich der Anteil der Universitätsabsolventen am gesamten Personal seit 2012 nahezu verdreifacht hat, sei der Anteil der Facharbeiter ohne Lehrabschussprüfung um mehr als die Hälfte rückläufig. Insbesondere die Nachfrage nach Kompetenzen im IT-Bereich steigt. „Benötigt werden vor allem Mitarbeiter für die Planung, Simulation und Überwachung komplexer und vernetzter Produktionsprozesse. Aber auch Social Skills, allen voran Flexibilität, Teamfähigkeit und Problemlösungskompetenz, sind vermehrt gefragt“, ergänzt Herwig Schneider.

Digital in die Zukunft
In Österreich veredeln pro Jahr rund 100 Unternehmen mehr als eine Million Tonnen Papier und Karton zu vielfältigen und innovativen Produkten. Dazu gehören etwa smarte Verpackungslösungen für Lebensmittel, die mittels Sensoren Auskunft über den Zustand des Inhalts geben, Etiketten, die Produktfälschungen aufzeigen, Brettspiele, die auch am Smartphone funktionieren oder auch Papierwaren, die im medizinischen oder Büroalltag verwendet werden. „All diese Produkte werden in modernen Produktionsstätten (Smart Factories) erzeugt. Die PROPAK-Unternehmen bieten entsprechend ein attraktives Berufsumfeld, Aufstiegschancen und langfristig stabile Arbeitsplätze“, sagt Georg Dieter Fischer, Obmann PROPAK.
Um jedes Potenzial zu nutzen, müssen die Unternehmen erfinderischer werden. Aus- und Weiterbildung ist daher ein zentrales Anliegen des Fachverbandes. Mit dem Bildungsforum haben die Unternehmen der Branche einen Partner an ihrer Seite, der sie dabei tatkräftig unterstützt. Jährlich werden über 600 Stunden Ausbildungen, Kurse und Lehrgänge angeboten. Darüber hinaus ist der Fachverband seit 2015 Mit-Initiator des Bachelor-Studiums Verpackungstechnologie und des mit Herbst 2018 beginnenden berufsbegleitenden Master-Studiums ‚Packaging Technology and Susatinability’ an der FH Campus Wien, das erste berufsbegleitende Masterstudium in der DACH-Region, das sich mit der Querschnittsmaterie Verpackungstechnologie befasst. 

Sozialpartner bei Rahmenbedingungen gefordert
Abseits der Entwicklung rund um Digitalisierung und Arbeitsmarkt spricht PROPAK-Obmann Fischer bei der Präsentation der IWI-Studie auch wirtschaftspolitische Notwendigkeiten an: „Die industriellen Hersteller von Produkten aus Papier und Karton brauchen sinnvolle Rahmenbedingungen. Das betrifft vor allem einen zeitgemäßen Rechtsrahmen für Arbeitszeiten wie auch die Rücknahme von Golden Plating (Anm. u.a. umfangreiche Rechtsvorschriften, Meldepflichten, bürokratische EU-Regularien) zu Lasten der Unternehmen. Die Sozialpartnerschaft auf Branchenebene ist hier nach wie vor klar gefordert.“

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 08.06.2018