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27. März 2017

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„Bei Bahntechnologie ist Österreich Patent- und Exportweltmeister“

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(Text/Video) Österreichs Bahnindustrie spielt international in der obersten Liga und ist in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung gar nicht hoch genug einzuschätzen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Economica Wirtschaftsforschungsinstituts, die vom Verband der Bahnindustrie in Auftrag gegeben und im Februar im Wiener Haus der Industrie präsentiert wurde.

Die heimische Bahnbranche wird in dem Papier als hoch innovativer Industriezweig dargestellt, der stark überproportional am internationalen Eisenbahnmarkt vertreten ist. Die österreichischen Verkehrslösungen würden auf nationaler, europäischer und globaler Ebene stark nachgefragt. Tendenz weiter steigend.
„Österreich ist im Bahnbereich Patentweltmeister“, unterstreicht Infrastrukturminister Jörg Leichtfried. „Wir haben mit 41 Patenten pro Million Einwohner die meisten Erfindungen weltweit vorzuweisen. Deutschland hat nur halb so viele. Selbst in absoluten Zahlen gerechnet sind wir hinter Deutschland, Japan und den USA auf Platz vier. Österreichische Hightech-Spitzenprodukte im Bahnbereich sind international gefragt, wir gehören zu den Top fünf bei den Bahnexporten, und besonders bemerkenswert ist, dass rund zwei Drittel unserer Exporte in andere EU-Länder gehen.“
Das zeige die Innovationskraft der im Bahnbereich tätigen Unternehmen, meint Leichtfried und unterstreicht, dass die öffentliche Hand dabei „massive Schutzenhilfe“ leiste. Allein heuer fließe in die Entwicklung neuer Bahntechnologien ein Förderbetrag von zehn Mio. Euro.

Zu wenig Infrastrukturinvestitionen
Die heimischen Exporterfolge stehen und fallen aber mit den Infrastrukturinvestitionen in den Zielländern, und da mahnen Experten vor allem die alten Industrieländer zu einem großzügigeren Griff in die Staatskassen. „Ein aktueller McKinsey-Report kritisiert, dass Infrastrukturen in Europa und den USA massiv unterfinanziert sind. China investiert derzeit neun Prozent seines BIP in Infrastruktur, Europa nur 2,5 Prozent. Da müssen wir einen Zahn zulegen“, moniert Leichtfried.
Österreichs Bahnindustrie stehe mit ihren 9000 Mitarbeitern für einen Umsatz von 3,1 Mrd. Euro, rechnet Thomas Karl, Präsident des Verbands der Bahnindustrie vor und weist auf die „hohen Verkettungseffekte“ mit der gesamten österreichischen Industrie hin. „Wir freuen uns über einen starken Hebelfaktor bei den Arbeitsplätzen. In Summe steht die Bahnindustrie für 20.000 hochwertige Arbeitsplätze in Österreich.“ Die Exportquote liege bei 70 Prozent, einige Unternehmen lägen sogar weit jenseits der 90 Prozent. „Das sind wahre Exportweltmeister“, so Karl.

Sagenhafter Marktanteil
„Österreich hat im Bereich der Bahnindustrie einen sagenhaften Weltmarktanteil von 5,1 Prozent. So sehen die Daten eines Exportweltmeister aus“, unterstreicht Christian Helmenstein, Chefökonom der Industrieellenvereinigung. Österreich sei das Land mit den höchsten Exporterfolgen weltweit. Frankreichs Exportdynamik habe in den letzten Jahren um 30 Prozent abgenommen, Österreichs Bahnexporte hingegen um 12 Prozent zugelegt, die Exporte nach Deutschland sogar um 94 Prozent. „Dabei sind wir mit starker und immer stärker werdender chinesischer Konkurrenz konfrontiert, und trotzdem haben unsere Exporte nach China um fast 200 Prozent zugenommen“, so Helmenstein.
Dieser Erfolg sei kein Zufall, sondern auf systematische Investitionen in Know-how, Expertise und in das „Humankapital“ zurückzuführen. Zudem seien laut Helmenstein drei „ineinandergreifende“ Standortfaktoren verantwortlich für die heimische Bahn-Erfolgsgeschichte: „Es gibt keine wettbewerbsfähige Produktion und Exportwirtschaft ohne entsprechende Innovationsleistung. Umgekehrt gibt es aber auf Dauer auch keine Innovationsleistung, wenn die Produktion abwandert, besagt die so genannte Kollokationshypothese.“

Pilotmarkt für die eigenen Innovationen
Und dann komme noch ein dritter Faktor hinzu, unterstreicht Helmenstein: „Wenn man eine starke Produktionsbasis hat, hat man typischerweise auch die Erstausrollung im eigenen Land. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir sehr starke Eisenbahnverkehrsbetriebe in Österreich haben, die als Referenz- und Pilotmarkt für Innovationen aus der heimischen Bahnindustrie dienen können.“
Das hört ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä natürlich gerne - und unterstreicht, dass der Heimmarkt - vor allem in Gestalt seines Unternehmens – ein wesentliches wirtschaftliches und F&E-Standbein der heimischen Bahnindustrie darstelle. „Die ÖBB und die Bahnindustrie sind hier immer Entwicklungspartner, weil wir am Ende des Tages das Gesamtsystem einen Schritt weiterbringen wollen.“
Österreich sei der Heimmarkt vieler Weltmarktführer im Bahnindustrie-Bereich. Das zeige, welchen Stellenwert die Bahnindustrie hier habe und wie viel heimische Wertschöpfung in den Infrastrukturprojekten der ÖBB stecke.

Stark im Güterverkehr
Nicht zuletzt seien die ÖBB auch wichtigster Logistik-Partner der heimischen Bahnindustrie bei der Abwicklung großer Aufträge auf der ganzen Welt. „Wie die Bahnindustrie ist auch unser Güterverkehr-Bereich ein Hidden Champion mit einer starken Position in Europa. Absolut gesehen sind die ÖBB die europäische Nummer drei was die transportierten Mengen über Distanz betrifft“, so Matthä.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 07.03.2017