Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

22. August 2017

Search form

Search form

Computer-Gehirn-Schnittstelle zum Aufsetzen

Computer-Gehirn-Schnittstelle zum Aufsetzen© TU Berlin

Kopfhaube kann Gedanken lesen und erleichtert so die Pflege vollständig gelähmter Menschen.

Mithilfe einer besonderen Kopfhaube haben Forscher vollständig gelähmten Patienten wieder Kommunikation ermöglicht. Vier Betroffene konnten über diese Computer-Gehirn-Schnittstelle auf Fragen mit "Ja" und "Nein" antworten. Die Technik präsentieren der emeritierte Hirnforscher der Universität Tübingen, Professor Niels Birbaumer, und Kollegen im Fachmagazin "Plos Biology".
Das internationale Team bringt zwei Möglichkeiten, Hirnaktivität zu messen, zusammen - sogenannte Nahinfrarotspektroskopie und Elektroenzephalografie. Dabei wird von außen unter anderem die Veränderung des Sauerstoffgehalts im Blut des Gehirns gemessen, die ein Zeichen für die Aktivität der jeweiligen Hirnregion ist. Erreicht wurde eine Treffer-Wahrscheinlichkeit von etwa 70 Prozent. "Das ist nicht schlecht", sagte Birbaumer. "Bei Gesunden ist das auch nicht unbedingt höher, die passen auch nicht immer auf."

Große Erleichterung
Birbaumer hat die Erleichterung bei den Familienangehörigen miterlebt, wieder mit den gelähmten Menschen kommunizieren zu können, erzählte er. Auch die Pflege werde vereinfacht, wenn der Patient Fragen beantworten kann. Die Testpersonen durften die Haube behalten. Die Patienten kommunizierten im Schnitt etwa eine Stunde pro Tag mithilfe der Haube, sagte Birbaumer. "Das ist sehr anstrengend, die müssen sich voll konzentrieren."
Birbaumer räumte zwar ein, dass Augenbewegungskameras "viel zuverlässiger" seien. Die Krankheit amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zerstöre aber Nerven und lähmt Muskeln. Die Betroffenen können irgendwann nicht einmal mehr ihre Augen bewegen und entsprechende Verständigungssysteme nicht mehr bedienen. Birbaumer und seine Mitarbeiter seien sehr überrascht gewesen, als sie die Patienten zur Lebensqualität befragt hätten. "Was wir beobachteten war, dass sie, so lange sie genügend Pflege daheim bekamen, ihre Lebensqualität akzeptabel fanden."

Links

APA-Science/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 27.02.2017