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24. April 2017

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„Dieser Clash ist die größte Herausforderung.“

Video: 

(Video/Text) Als EMEA-Chef von Barracuda-Networks betreut Wieland Alge viele internationale Unternehmen. Im letzten Teil des Economy-Gespräches erläutert der IT-Experte den Vergleich zwischen Hausmeister und IT-Abteilung, unternehmensinterne Konflikte zwischen Isolation und Vernetzung sowie Cloud-Services die niemals genutzt werden – und bereits längst angewendet werden.

Economy: Was ist Ihrer Erfahrung nach der Grund für Einsatz und Anschaffung neuer Technologien in Unternehmen?
Wieland Alge: Zunächst einmal Kosteneffizienz. Das heißt, sehr viel Unternehmen versuchen das Konzept „Product as a Service“ leben zu lassen und dabei ihre Betriebs- wie auch Managementkosten wesentlich zu senken.
Das ist das Erste. Das Zweite ist, dass ich IT viel stärker zum Kunden hinbringe und es tatsächlich schaffe Kundenbedürfnisse viel besser bedienen zu können.

Was sind die Fallstricke bei Einbindung und Implementierung neuer Technologien?
Die Fallstricke kommen typischerewise durch überhastete Änderungen zustande. Das entsteht inzwischen typischerweise so, dass es einen Teil der IT gibt, der verzweifelt versucht einen gewissen Status Quo einzufrieren.
Dazu gehören typischerweise diese Security-Menschen so wie ich. Die sagen, so, jetzt bewegt sich einmal niemand, wir bauen eine Mauer und dann sind wir zufrieden.
Gleichzeitig bedeutet digitale Transformation, dass sich IT noch viel stärker bewegt, viel schneller bewegt und viel vorhersehbarer. Das ganze mit Agilität und Flexibilität und Elastizität macht natürlich sehr vielen Unternehmen Kopfzerbrechen.

Das heisst, die rasante Geschwindigkeit ist das primäre Problem?
Schnelle Veränderungen, überhastet, kann eben dazu führen, dass ich plötzlich tausende Geräte draußen hab und zunächt glaube, ich hab’ in meinem Unternehmen grad den größten Durchbruch aller Zeiten geschafft.
Und dann werden meine Geräte plötzlich von jemanden manilpuliert und meine Kunden erleiden direkten Schaden. Das ist derzeit vermutlich das, was Unternehmen am meisten bedroht.

Gibt es branchenspezifische Erfahrungswerte beim IT-Einsatz?
Wir als Kunden treiben die Unternehmen natürlich auch vor uns her und je nach Branche tun sie sich unterschiedlich schwer sich uns als Kunden wieder anzupassen.
Dieser Konflikt zwischen IT in einer sehr kontrollierten und unverketteten Art und Weise zu betreiben und gleichzeitig Geschäftsprozesse zu ändern und auf andere Kundenbedürfnisse einzugehen, dieser Clash ist die größte Herausforderung für Unternehmen das tatsächlich immer wieder aufzulösen.

Welche Entscheidungsträger sind in den Unternehmen bei IT-Projekten involviert?
Lange Zeit war das so, dass die IT-Abteilungen recht isolierte Fachabteilungen waren wo man sagt, alles was mit IT zu tun hat, wir sind eine Gruppe, wir kennen uns aus, wir arbeiten auf Auftrag vom Rest des Unternehmens als Art unterstützender Prozess.
Ähnlich wie für eine Hausmeisterei ein Facility-Unternehmen eine Dienstleistungstruppe und die kümmert sich um Neonröhren, Klopapier usw. . Und die IT hat sich um Server, Netzwerke und Flachbildschirme gekümmert.

Wie schaut das aktuell aus?
Das hat sich in den letzten Jahren gedreht. Wir sehen eine starke Individualisierung der Ansprüche und der Anforderungen, eine sehr viel stärkere Vernetzung dieser IT-Experten in ihren jeweiligen Unternehmen.
Eine sehr starke Involvierung bis hin zu einer kompletten Übernahme durch den Vorstandschef, des CEOs, der die IT-Strategie bestimmt weil die IT-Strategie ein natürlicher Teil, nicht ein separates Ding ist, sondern ein natürlicher Teil der Unternehmensstrategie geworden ist.

Welche Erfahrungen sind bei so einer Strategieplanung erwähnenswert?
Alge: Das erste was man mit neuen Kunden oft macht ist erstmal rauszufinden wie schaut IT im Jahr 2017 aber auch im Jahr 2020 für euch eigentlich aus.
Man stellt dann fest, nicht alle im Unternehmen wissen das überhaupt. Die sind so in Transformationsprozessen drin, wo man dann mit manchen Leuten spricht und erklärt, dass schaut genau so und so und so aus. Bei uns wird es das und das und das geben und das nicht, wir haben diese Policis.
Und dann trifft man dann einen Anderen, der wiederum sagt, der ist eh schon am Abstellgleis, der glaubt noch an sein IT-2010-Konzept. Wir schreiben inzwischen schon was ganz anderes und haben diesen Typen schon gar nicht mehr eingeladen.

Was sind die aktuellen IT-Trends?
Alge: Was immer die konkreten Treiber bei den einzelnen Unternehmen dahinter sind, fast alle fallen an die Agilität, die Elastizität von Cloud-Infrastrukturen zu nutzen und ebenfalls IT in ihre eigenen Dinge rein zu bringen. Oder auch Dienstleistungen plötzlich mit Dingen zu koppen.

Stichwort Cloud-Services. Wie sind da Ihre Erfahrungen im praktischen unternehmerischen Einsatz?
Eigenartigerweise, wenn man Umfragen macht, unterscheidet sich das ganz massiv je nachdem wen man befragt.
Wenn man IT-Abteilungen danach fragt, wie stark ihre Cloud-Nutzung oder auch ihre Vorhersagen sind: sehr defensiv. Man trifft sehr viele die sagen, wir nutzen überhaupt keine Cloud, wir werden das auch nie.

... Klassische Bestandsverwahrer?
Das aber auch für Unternehmen, wo man genau weiss, dass dort massive Cloud-Nutzung passiert. Die IT weiss aber nichts davon, bzw. hat sich selbst eine neue Spielwiese geschaffen, ein neues Refugium.
IT ist alles was nicht Cloud ist. Deswegen haben wir in unserer IT, in unserer eigenen Firma in der Firma, deswegen machen wir das nicht.

Welche Auswirkungen hat das dann?

Alge: Was natürlich in der Gesamtbetrachtung ein völliger Humbug ist und was manchmal auch dazu führt, dass Leute Dinge manipulieren und sabotieren.
Es hat schon etliche Fälle gegeben wo IT-Manager oder Administratoren dann in solchen Fällen letztendlich ihre Jobs verloren haben.

Gibt es eine Empfehlung dazu?

Smarte Cloud-Nutzung ist unausweichlich. Und dasselbe gilt, je nach Geschäftsmodell und was wichtiger ist: es gibt einen ganz natürlichen Drang zu IoT (Internet of Things). IoT ist eigentlich nichts anderes als das Resultat IT möglichst nahe zum Kunden zu bringen.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 04.04.2017