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18. Juli 2019

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Enormes Geschäftspotential für IKT-Industrie

Enormes Geschäftspotential für IKT-Industrie©piqs.de/Nicola Romagna

Der Markt für das Internet der Dinge soll sich in Österreich bis 2025 auf 11 Milliarden Euro verdreifachen. Großes Potenzial wird für Telekommunikationsunternehmen erwartet wie auch für bis dato branchenfremde Marktteilnehmer, so eine aktuelle Analyse von Ernst & Young (EY).

Europas Telekommunikationsunternehmen (Telcos) sind zunehmendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Sie müssen gleichzeitig in Festnetz- plus Mobilfunkbereich hohe Investitionen in den Ausbau leistungsfähiger Breitbandinfrastruktur tätigen und die Erschließung neuer Geschäftsfelder war bislang kaum erfolgreich.


Gefahr durch neue Marktteilnehmer
Gleichzeitig kommen andere Marktteilnehmer wie Amazon oder Netflix, sowie Ausrüster wie Cisco oder Huawei, die unter Nutzung der von den Telcos bereitgestellten Infrastruktur Milliardenumsätze generieren und sogar Teile deren Kerngeschäfts an sich ziehen. Ob Cloud-Dienste, E-Commerce oder VideoStreaming, diese hochprofitablen Geschäftsbereiche betreiben nicht (mehr) die Telcos, sondern zunehmend Amazon, Microsoft und Google.
Die aktuelle EY-Analyse „Mehr als Konnektivität – digitale Chancen“ zeigt Potenziale europäischer Telekommunikationsunternehmen und bringt Einschätzungen einiger führender Telekomunternehmen. Grundsätzlich müssen Telcos ihre Investitionen in eigene, neue Wachstumspotenziale wandeln. Im Fokus stehen dabei auf der Infrastruktur aufbauende Anwendungen, die bislang mehrheitlich von spezialisierten Anbietern erbracht wurden. Das Geschäft mit der Bereitstellung von Telekom-Infrastruktur primär für Kommunikationszwecke (Anm. Konnektivität) dürfte auch künftig nur eine Nebenrolle spielen. Laut Schätzungen wurden bereits 2015 nur noch rund 17 Prozent des Marktumsatzvolumens ausschließlich mit Konnektivität erzielt.

5G-Mobilfunkstandard als Chance und Herausforderung
„Klassische Telekommunikationsunternehmen müssen aufpassen, nicht zu Randfiguren in einem Multi-Milliardenmarkt zu werden. Neue technologische Entwicklungen und neue internetbasierte Geschäftsmodelle versprechen zwar zusätzliche Geschäftsfelder, nur müssen die Telekommunikationsunternehmen diese Chancen auch nutzen“, so Severin Eisl, Leiter Technology, Media and Telecommunications bei EY Österreich.
Wieder ins Spiel könnte die Telcos der neue Mobilfunkstandard 5G bringen. Dieser ist Basis für zahlreiche völlig neue Geschäftsmöglichkeiten - in der Hoffnung, dass die hier nötigen großen Investitionen auch profitabel monetarisiert werden können. Vor allem das Internet der Dinge (IoT) und die intelligente Analyse der dabei anfallenden Daten, bietet enorme Marktpotenziale und das sowohl im B2B- als auch im B2C-Geschäft.

IoT-Markt in Österreich soll sich bis 2025 fast verdreifachen
In den kommenden Jahren werden IoT-Anwendungen Gesellschaft und Unternehmen grundlegend verändern, etwa in Form von Smart Cities, Smart Homes, Smart Factories oder Smart Mobility. In Österreich liegt das Marktvolumen des IoT-Marktes momentan bei rund 4,2 Milliarden Euro. Bis 2025 wird sich diese Summe laut EY-Prognose auf rund 11 Milliarden Euro nahezu verdreifachen und bis 2030 auf rund 16 Milliarden Euro steigen. Weltweit wird bis 2030 ebenfalls mit einer Vervierfachung des IoT-Marktes von aktuell 635 Milliarden US-Dollar auf rund 2,3 Billionen US-Dollar gerechnet. Dann sollen 50 Milliarden Endgeräte vernetzt sein.
Derzeit entfallen nur maximal 15 Umsatzprozente aus IoT-Projekten auf das Kerngeschäft Konnektivität der Telcos. Aber auch weitere IoT-Segmente stünden hier grundsätzlich offen, etwa der Bereich Smart Chips mit bis zu 10 Prozent des gesamten Marktvolumens, oder das Segment Smart Device/Smart Machine (Anm. Vernetzung von Autos, Kameras und Stromzählern) mit bis zu 15 Prozent des Gesamtmarktes. Weitere Umsatzvolumina für die Telcos ließen sich mit digitalen Plattformen und Apps für IoT-Anwendungen etwa im Bereich E-Health oder E-Mobility erzielen, so weitere Ergebnisse der Analyse. Siehe dazu auch Bericht: Die Zukunft der Telekom-Industrie.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 11.02.2019