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24. November 2020

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„Ich fühle mit den Contact-Tracern.“

Video: 

Peter Lenz, Managing Director T-Systems Alpine, im Gespräch über Herausforderungen und Innovationen für Unternehmen wie Behörden im Krisenmodus, papiergestützte Medienbrüche beim Contact-Tracing und die große Bewährungsprobe der IT.

Economy: IT-Dienstleister sind bei der Sicherung des Wirtschaftskreislaufs gefordert wie auch beim Technologietransfer für ein erfolgreiches Gegensteuern von Betrieben. Wie erleben Sie die aktuelle Entwicklung?

Peter Lenz: Nach dem Lock-down dachte man beim Hochfahren vieler Betriebe vorerst an ein spitzes V. Doch dieses V flacht sich jetzt parallel zum Wiederauffahren der Wirtschaftsleistung nach hinten ab. Wir sind auf einem ganz guten Niveau, trotzdem aber noch etwa 5 bis 7 Prozent unter Vorjahresniveau.
Das trifft natürlich alle, die an diesen Wirtschaftsprozessen beteiligt sind, entsprechend hart. Gerade in den Bereichen Tourismus, Automotive, Events oder Airlines besteht viel Unsicherheit.

Von Verwaltung und Behörden wie auch aus der Wirtschaft hört man aber auch, die Krise sei die erfolgreiche Bewährungsprobe der Digitalisierung…
… Ja, das muss man schon so sagen und so komisch es klingt, der Bedarf an IT ist besonders groß.
Wir erleben eine Sternstunde der IT. Aber diese zweite Phase der Digitalisierung muss erst gemeistert werden.

Welche IT-Bereiche sind aktuell besonders gefragt?
Von Beginn an und nach wie vor ist der Client-Enduser besonders gefragt, oft geht es um die Erhöhung von Bandbreiten oder Video-Konferenzlösungen.
Hinzu kommen auch skalierbare Dienste, hybride Cloud-Formen und an die Pandemie-Situation angepasste Services. Und natürlich stark nachgefragt ist das Thema Cybersecurity.

Wie entwickeln sich klassische Digitalisierungsprojekte?
Es gibt eine Vielzahl von Digitalisierungsprojekten. Gerade die sogenannte Smarte Bürobelegung ist in Zeiten, wo man sich schnell adaptiv anpassen muss, sehr gefragt.
Wie viele Leute möchte ich im Büro haben oder welche Teams zu welcher Zeit. Da gibt es Lösungen mit Check-In, Check-Out oder mit automatisiertem Fiebermessen am Eingang.
Hier kommen auf die Gebäudeautomatisierung und Konzeptionierung der Büroflächen ganz neue Themen zu und da gibt es auch schon sehr gute Lösungen.

Sie haben das Thema Sicherheit erwähnt…
…Was wir verstärkt wahrnehmen sind Verschlüsselungsattacken, bei denen die Angreifer versuchen, sich gezielt in Firmennetzwerken auszubreiten und mittels Verschlüsselung ihren Erpressungsversuchen Nachdruck zu verleihen.
Hier sind ein Security Operations Center (SOC) oder ein Security Information and Event Management (SIEM) essentiell für eine frühzeitige und richtige Reaktion.

Gibt es beim Thema Innovation oder Daten erwähnenswerte Entwicklungen?
Wir erleben den Wandel von der Pflicht der Künstlichen Intelligenz (KI/AI) zur Kür als essentieller Bestandteil.
Das Sammeln von Daten bekommt ja erst durch KI oder Big Data einen entsprechenden Wert.

Gibt es direkt im Kontext mit Corona sinnvolle IT-Anwendungen?
Ich fühle mit den Contact-Tracern, die aus einer immensen Zettelwirtschaft Zusammenhänge herausfinden müssen. Was bei Airlines oder in der Gastronomie an personenbezogenen Daten auf Papier produziert wurde, tut mir im Herzen weh.
Es gibt bereits eine Vielzahl an sinnvollen Lösungen für tracking und tracing. Ist doch gerade die zeitnahe Benachrichtigung von potentiellen Infizierten ein Schlüssel zur Eindämmung dieser Pandemie.
Hier ist noch viel zu tun, etwa die Vermeidung von Medienbrüchen bei Laborbefunden. Wir als T-Systems können Unternehmen wie Gemeinden oder Städte bei der Digitalisierung dieser Abläufe sehr gut unterstützen.

Wie ist es bei T-Systems selbst gelaufen, Thema Home-Office etwa und trotzdem die Erwartungshaltung der Kunden zu erfüllen?
Nach der rasch und gut gelungenen Stabilisierung des eigenen Betriebs ging es bei unseren Kunden vor allem um die Nachfrage im Bereich von Bandbreite.
Das war schon ein gemeinsamer Kraftakt. Ich freue mich nach wie vor, wie gut das geklappt hat und nach wie vor klappt.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 19.10.2020