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23. Januar 2019

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Sinn generieren

Sinn generieren© piqs.de/marcel malleike

Die drastisch zunehmende Vernetzung führt zu einer ebenso drastischen Zunahme von Daten – und von Risiken. Eine neue Forschungsstelle in Wien will den Datenbergen Sinn abtrutzen.

Über Menschen und Dinge gibt es unzählige Daten: Aufenthaltsort, Gesundheitszustand, Börsenkurs, Lufttemperatur sind da nur einige wenige Beispiele. Wie man aus solchen Big Data sinnvolles Wissen gewinnen kann, erforscht nun ein neues Forschungszentrum.
Der Complexity Science Hub Vienna (CSH) wurde am 23. Mai offiziell eröffnet. Getragen wird die neue Forschungsstelle von mehreren Universitäten und dem Austrian Institute of Technology (AIT). Das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) stehe kurz vor dem Beitritt.
Die Projektpartner tragen jeweils 200.000 Euro pro Jahr bei, primär in Form von je zwei Stellen für einen Senior- und einen Junior-Wissenschafter. Im Endausbau sollen maximal 50 Wissenschafter am Hub arbeiten, der als Nachbar des Instituts für Höhere Studien (IHS) ins Palais Strozzi in Wien-Josefstadt eingezogen ist.

Grobe Vorgaben
Jede Partnereinrichtung gibt dabei grob die Forschungsrichtung seines zugeordneten Personals vor: Für die TU Wien sind das Smart Cities, für die Meduni Wien ist es Big Data in der Medizin, für die WU Wien Systemic Risk und das Internet der Dinge, die TU Graz will sich Produktionsprozessen der Zukunft widmen und das AIT dem Innovationsprozess, erklärt der Präsident der neuen Forschungsstelle Stefan Thurner, der Professor für Komplexitätsforschung an der Meduni Wien ist.
Durch die drastisch zunehmende Vernetzung von Menschen, Einrichtungen, Computern, Märkten, Maschinen und Dingen kommt es zu einer ebenso drastischen Zunahme von Daten – aber auch von Risiken. Aus diesen Daten wollen die Komplexitätsforscher „nutzbaren Sinn“ generieren, wie Thurner sagt. „Um zu sinnvollen Aussagen zu kommen, braucht man neuartige mathematische Methoden.“ Ziel des CSH sei es einerseits solche Methoden zu entwickeln und andererseits die Daten in eine Form zu bringen, „dass man Systeme modellieren und die Wirklichkeit im Computer nachspielen kann.“
Zusätzlich will Thurner den CSH auch zu einem Zentrum für die Debatte über Daten-Ethik machen. „Wir werden diese Daten nie wieder wegbringen, es werden sogar mehr werden und wir müssen diskutieren, was das für Implikationen auf Demokratie, Bürgerrechte, Privatsphäre und so weiter hat, das ist alles nicht beantwortet."

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APA-Science/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 31.05.2016