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29. März 2017

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„Ständige Weiterbildung ist ein Grundpfeiler der Arbeitswelt 4.0“

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(Video/Text) „Fit for 4“, ein neues Förderprogramm zur innerbetrieblichen Weiterbildung soll Österreichs Arbeitnehmer praxisnah mit den nötigen Kompetenzen für die 4. Industrielle Revolution ausstatten. Im Infrastrukturministerium wurde dazu eine Studie präsentiert, die aufzeigt, welche neuen Fähigkeiten Digitalisierung und Industrie 4.0 den Mitarbeitern überhaupt abverlangen und wie sinnvolle Schulungsmaßnahmen im eigenen Betrieb aussehen könnten. Die ersten Gelder aus dem vorerst mit 5 Mio. Euro dotierten Pilotprogramm sollen im Herbst 2017 Richtung Unternehmen fließen.

„Wir vernetzen uns digital, es wird automatisiert, es wird robotisiert, und die Frage, ob wir bei dieser Entwicklung mittun, stellt sich nicht. Es stellt sich nur die Frage, sind wir vorn dabei oder laufen wir hinterher. Mein Prinzip ist, vorne dabei zu sein“, so Jörg Leichtfried, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie bei der Studienpräsentation.
Für immer mehr Menschen seien digitalisierte Prozesse bereits die Normalität im Arbeitsleben, „weil Österreich gerade im Bereich der Industrie 4.0 zu den Pionieren in Europa auf Augenhöhe mit Deutschland und Schweden zählt. Das Wichtigste dabei: Der Mensch muss bei dieser Entwicklung immer Dreh- und Angelpunkt sein. Die Digitalisierung betrifft eben nicht nur die Technik, sie betrifft vor allem die Leute, die damit arbeiten“, betont Leichtfried.
„Die Studie zeigt, dass nur ständige Aus- und Weiterbildung ein Grundpfeiler für die Arbeitswelt 4.0 ist. Und die große Herausforderung ist, dass reines technisches Know-how allein nicht mehr ausreicht“, so der Minister.

Lieferzeiten werden kürzer
Die Anforderungen an die Mitarbeiter steigen teilweise signifikant, unterstreicht auch Studienautorin Trude Hausegger von der Prospect Unternehmensberatung: „Sie steigen einerseits bedingt durch das zunehmende Tempo. Digitalisierung bedeutet die Möglichkeit von Echtzeitkommunikation. In einem digitalisierten Geschäftsprozess, in dem Kunden und Lieferanten über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus horizontal vernetzt sind, werden die Vorlaufzeiten für Lieferungen automatisch kürzer.“
Daneben und „ganz zentral“ bräuchten die Mitarbeiter auch eine ausgeprägte Sensibilität im Umgang mit Daten, betont Hausegger. Bei „digitalen Kompetenzen“ gehe es auf der untersten Ebene um den Umgang mit einem Touchscreen oder einer Maus, auf der obersten Ebene um Programmiertätigkeiten.

Überblick und „weiche Kompetenzen“
Was Mitarbeiter im Digitalzeitalter mehr als je zuvor bräuchten, sei der Blick für das große Ganze, so Hausegger: „In einem durchdigitalisierten Geschäftsprozess hat meine Handlung unmittelbare Auswirkungen an verschiedenen Stellen im Prozess – unabhängig davon, an welcher Stelle ich sitze. Und was Betriebe in diesem Zusammenhang ganz zentral beschäftigt, sind Haltungen, Orientierungen, sogenannte weiche Kompetenzanforderungen.“
„Die Mitarbeiter müssen den gesamten Produktionsablauf verstehen und immer wieder mitdenken. Und um die Menschen dafür fit zu halten, reichen die klassischen Schulungsformate, die wir bisher gewohnt waren, nicht mehr aus. Da braucht man etwas Neues, etwas Maßgeschneidertes“, ergänzt Leichtfried.

Maßgeschneiderte Schulungen für KMU
Um insbesondere KMU bei der Entwicklung von maßgeschneiderten, innerbetrieblichen Schulungsprogrammen zu unterstützen, soll nun ein neuer Fördertopf geschaffen werden. Es handelt sich dabei ausdrücklich um ein budgetär begrenztes Pilotprogramm, das erst nach Evaluierung der Zielsicherheit und allfälligen Anpassungen in eine Regelförderung überführt werden soll. Arbeitstitel des Piloten: Fit for 4.
Das sei halt sozusagen „Sprache 4.0“, scherzt Leichtfried, und hebt hervor, dass die Förderung speziell auf Mitarbeiter in KMU zugeschnitten ist: „Wir wollen diejenigen fit machen, die in der Regel nicht die großen Abschlüsse in der Tasche haben, nichts desto trotz aber das Rückrat unserer Wirtschaft darstellen.
Der Finanzierungsumfang des Pilotprogramms werde fünf Mio. Euro betragen, erklärt Edeltraud Stiftinger, Geschäftsführerin des Austria Wirtschaftsservice (AWS), der mit der Abwicklung des Förderprogramms betraut wurde. „Wir gehen davon aus, dass wir ab Herbst 2017 dieses Programm den Unternehmen anbieten können“, so Stiftinger.

Siehe auch: "Digitalisierung schafft mindestens so viele Jobs wie sie einspart"

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 28.02.2017