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07. Juli 2020

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Systemerhalter und Innovatoren in der Krise

Systemerhalter und Innovatoren in der Krise© Pexels.com/hitesh choudhary

IKT-Anbieter zwischen eigenem Mitarbeiterschutz sowie Erfüllung von aktuellem Bedarf und Zukunftschancen ihrer Geschäftskunden. Digitalisierung ermöglicht Bildung, Arbeit, betriebliche Produktionsprozesse und Ausgleich von Umsatzreduktionen.

(Christian Czaak) Klassische IKT-Dienstleister und spezialisierte Digitalisierungsanbieter müssen derzeit eine herausfordernde Gratwanderung bewältigen. Während Branchen wie Gesundheitswesen, Lebensmittelhandel oder klassische Infrastrukturversorger wie Post oder Müllabfuhr primär den privaten Versorgungsbereich sicherstellen, verantwortet die IKT- und Digitalbranche etwa IT-Betrieb, Lieferketten und Internet-Security ihrer betrieblichen Kunden quer durch alle Branchen und Unternehmensgrößen.

Viele Betriebe organisatorisch nicht auf Krise vorbereitet
Parallel setzt die IT-Branche die behördlichen Empfehlungen und Erlässe beim gesundheitlichen Schutz ihrer Mitarbeiter um und zur Verschränkung beider Verantwortungsbereiche dienen für derartige Krisenfälle vergleichsweise bereits vorhandene „Business-Continuity-Pläne“. „Aktuell sehen wir besonders viel Nachfrage bei der Erhöhung von Bandbreiten, Virtual-Private-Network (VPN)-Zugängen sowie Konzepte für „Smart Working & Home-Office“, sagt Peter Lenz, Managing Director der Region Alpine bei T-Systems, zu economy.

Im Gespräch zur aktuellen Krisensituation bemerkt Lenz auch, dass viele Unternehmen keine Krisenpläne gehabt hätten und erst jetzt beginnen müssen diese zu erstellen und umzusetzen. „Das betrifft eher kleine und mittelständische Betriebe, bei großen Konzernen und Industrieunternehmen ist das nicht der Fall“, so der T-Systems Experte zum aktuellen Lerneffekt. Gefragt nach Branchen, die aktuell besonderen Bedarf an den angeführten Diensten haben, nennt Lenz insbesondere Telkos, Gesundheitseinrichtungen, Infrastrukturbetreiber und Produktionsbetriebe.

Infrastruktur für Heimarbeit und Internet-Security als zentrale IT-Themen
Die zwei zentralen technologischen Themen seien hier derzeit die technische Infrastruktur für die Heimarbeit und der Bereich Sicherheit. Die Security-Experten von T-Systems sehen bereits eine Zunahme an Cyber-Attacken und empfehlen Unternehmen sich raschest vorzubereiten, da innerhalb kurzer Zeit mehr und gezielte Angriffe gerade auf Mitarbeiter im Home-Office erwartet werden.

„Ein sicherer Zugriff vom Home-Office auf die Business-Applikationen des eigenen Unternehmens kann nur gewährleistet werden, wenn die VPN-Zugänge in das Firmennetzwerk dem erhöhten Bedarf gerecht werden“, erläutert Thomas Masicek, Head of Cyber-Security der Alpine Region von T-Systems, gegenüber economy.

Als zusätzliche Unterstützung für seine Unternehmenskunden hat T-Systems nun etwa auch neue Lizenzmodelle für die wichtigsten Remote-Lösungen erarbeitet, um diese Services während der Krisenzeit zu reduzierten Preisen anbieten zu können. „Wir verfügen zudem über zentrale Plattformen für VPN-Zugangsmöglichkeiten, die extrem rasch mit der technischen Infrastruktur von Unternehmen verknüpft werden können“, unterstreicht Masicek.

Verantwortung für kritische Infrastruktur und Dienste für virtuelle Meetings
Ein anderer wichtiger IT-Dienstleister ist Kapsch BusinessCom. Das Tochterunternehmen der Kapsch-Gruppe betreut beispielsweise wichtige Infrastrukturbetreiber wie die Gas Connect oder den ORF, relevante Finanzdienstleister wie die Volksbank oder die Allianz Versicherung, die technische Infrastruktur der meisten Bankomat-Kassen und dazu auch viele Gesundheitseinrichtungen und Spitäler. Ein aktuell besonders relevanter Bereich im Rahmen der angebotenen Services liegt auch hier beim Thema Home-Office bzw. -Working.

Kapsch setzt hier etwa auf Anwendungen, wo virtuelle Meetings mit speziellen Messaging-, Dateifreigabe- oder Videoanruffunktionen umgesetzt werden (Anm. Cisco Webex Enterprise) oder auch Chats, Besprechungen, Dateien und Apps zu managen (Anm. „Microsoft Team“). Auch komplette virtuelle Desktops können eigens gesichert genutzt werden (Anm. „Citrix Remote Workspace“). Zentrales Thema für das standortunabhängige Arbeiten sind auch hier gesicherte Virtual-Private-Network-Strukturen.

"Remote- und Home-Office Arbeitsplätze müssen aktuell besonders rasch zur Verfügung gestellt werden. Die Anzahl explodiert regelrecht. Das ist eine enorme Belastung nicht nur für die Infrastruktur, sondern insbesondere auch für die Menschen in den IT- und Security-Abteilungen unserer Kunden und Partner", so Jochen Borenich, Mitglied des Vorstands bei Kapsch BusinessCom. "Wir sind bereit und unterstützen unsere Kunden rasch und einfach bei Einführung wie Erweiterung derartiger Remote-Working und Collaboration-Lösungen und berücksichtigen dabei alle Anforderungen im Bereich IT-Infrastruktur und -Sicherheit ", betont Borenich gegenüber economy.

Digitale Zahlungsformen für den stationären Handel und Webshops
Ein digitaler IT-Dienstleister, dessen Produkte und Services nicht nur Handels- und Dienstleistungsbetrieben bei ihren Online-Shoppingportalen dienen, sondern nun auch die menschlichen Kontakte im lokalen Handel vereinfachen und reduzieren können, ist der Zahlungsdienstleister Wirecard. Als auch international führendes Unternehmen für digitale Finanztechnologien kümmert sich Wirecard um die einfache und sichere Integration aller gängigen elektronischen Zahlungsformen wie Kreditkarten, Sofort oder PayPal in diverse Web-Shops und immer öfter auch im klassischen stationären Handel.

Gemeinsam mit den Softwarespezialisten von wirecube hat Wirecard kürzlich für den Lebensmittelhändler Billa eine neue Zahlungslösung entwickelt. Mittels der Billa Scan & Go-App können Kunden einkaufen und direkt in der App bezahlen. Nach dem Zahlvorgang wird automatisch eine digitale Rechnung übermittelt, die allen gesetzlichen Anforderungen entspricht. Für wiederkehrende Zahlungen können die Zahlungsinformationen direkt in der App abgespeichert werden und zudem ist auch der jö Bonus Club integriert.

Zielgruppenadäquate Innovation zur Erschließung neuer Märkte
Ganz aktuell hat Wirecard nun für europäische Händler eine neue Lösung für den schnelleren Zugang zum chinesischen Markt entwickelt. Händler können dabei rasch und einfach die bei Chinesen sehr beliebte Zahlungsmethode WeChat Pay in ihrem Online-Shop integrieren und damit können dann die Chinesischen Konsumenten online und per App bei diesen Händlern einkaufen und ihre Einkäufe direkt mittels WeChat Pay bezahlen.

„Diese Lösung ist ideal für europäische Händler, die im wachsenden chinesischen E-Commerce-Markt Fuß fassen wollen. Das Komplettangebot umfasst zudem die Logistik und Verzollung, die von der Schweizerischen Post übernommen werden, sowie Beratung und Trainings, damit Händler möglichst schnell und effektiv liefern können“, erläutert Christian Reindl, EVP Sales Retail bei Wirecard. "Wir freuen uns über den Launch dieses neuen Angebots und darauf, noch mehr Händler an Bord zu nehmen“, so Reindl.

(Anm. der Redaktion: economy wird weiter über aktuelle Business-IT-Themen im Kontext mit der Corona-Krise berichten)

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 20.03.2020