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08. Dezember 2019

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Das Rüstzeug für den digitalen Wandel

Das Rüstzeug für den digitalen Wandel© BMDW_WKO_NadineStudeny

Vier Millionen Euro für KMU-Digital. Förderschiene von BMDW und WKO geht in nächste Runde und erfüllt Forderung der Kammersparte UBIT, die über fix verbundene Beraterleistungen massiv von Förderschiene profitiert.

(Christian Czaak) „KMU DIGITAL“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Digitalisierung und der Wirtschaftskammer Österreich, die neue Runde eine Fortsetzung der ersten Programmlinie (economy berichtete). „In Summe wurden 7.000 Betriebe mit rund 10.000 Beratungen mit diesem Programm unterstützt“, betonten BMin Udolf-Strobl und WKÖ-Präsident Harald Mahrer anlässlich der aktuellen Präsentation der Fortsetzung.

Beobachter werteten die gemeinsame Präsentation mit WKÖ-Präsident Harald Mahrer auch als Zeichen, dass sich der Kammer-Boss intensiv für die von der (seiner) Fachgruppe der Unternehmensberater (UBIT) öffentlichkeitswirksam geförderte Verlängerung genau dieser Förderschiene eingesetzt hat und das BM bei der Findung der zuerst nicht vorhandenen Finanzmittel tatkräftig unterstützte.

Von der Kammer in die Kammer
Martin Puaschitz, Kammerobmann der Berater- und IT-Sparte UBIT, sprach in einer APA-Aussendung vom letzten Juni (Anm. 13.) gar „von einer bedrohlichen Situation des Mittelstandes“ und „die Fortsetzung des Programmes sei für den Mittelstand überlebensnotwendig.“ Kritische Beobachter meinen allerdings, dass das „überlebensnotwenig“ eher der eigenen Klientel gegolten hat.

„Wer diese und die meisten der anderen Digital-Förderungen abrufen will, muss fix einen IT-Berater aus dem Kammer-Umfeld engagieren und der kostet, bzw. verbraucht dann einen erheblichen Teil der Fördersumme“, sagt Klaus P., langjähriger unabhängiger Unternehmensberater mit Schwerpunkt Sanierung und Gründung, zu economy.

Fragliche Expertise und Wertschöpfung der Berater
Auch über Expertise und Wertschöpfung dieser Berater kann man streiten. „Eine gute Shop-Lösung oder Security-Programme oder auch Cloud-Anbieter kann ich mir selbst suchen und das Geld dann besser direkt für Anschaffung und Vertrieb verwenden. Und nicht für reine Namensnennungen“, so P. (vollständiger Name der Redaktion bekannt).

Auch Economy testete UBIT-Berater zum Thema Förderungen und allein die Kosten für einen „Förderkompass“ (mit leicht über das Internet recherchierbaren Namen von Förderinstitutionen) hätten bereits mehr als die eigentliche Projektförderung der „Förderberatung“ gekostet.

Zweigeteiltes Programm
Die Neuauflage von KMU DIGITAL startet Mitte Oktober. Das finanzielle Volumen von Wirtschaftsministerium, aws und Kammer beläuft sich in Summe auf 4 Millionen Euro. Das Programm ist in eine Beratungsförderung und in eine Umsetzungsförderung unterteilt. Die Betriebe können Status- und Potenzialanalysen sowie vertiefende Strategieberatungen wählen, etwa zu Bereichen wie Geschäftsmodelle und Prozesse, E-Commerce, Online Marketing oder IT-Sicherheit.
  
Die Wirtschaftskammer unterstützt das Programm mit 210.000 Euro und umsetzungstechnisch auch durch ihr Netzwerk. „Unsere neun Landeskammern und viele Bezirksstellen fungieren als Vertriebsnetzwerk für KMU-DIGITAL. Dadurch können wir die angesprochenen UnternehmerInnen persönlich erreichen“, so WKO-Boss Harald Mahrer. 

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 16.09.2019