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29. März 2017

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Der erste Schritt zur zweiten Chance

Der erste Schritt zur zweiten Chance(C) bilderbox.com

Der Kreditschutzverband (KSV 1870) begrüßt die Reform zur schnelleren Entschuldung ehemaliger Unternehmer. Am Vorstoß von Sozialminister Stöger zur Änderung des Privatkonkursrechts lassen die Schutzpatrone der Gläubiger allerdings kein gutes Haar.

Ehemalige Unternehmer führen regelmäßig die Verschuldungstabellen der Insolvenzstatistiken an. Die angehäuften Schuldenberge würden damit quasi eine Bestrafung für ihr unternehmerisches Risiko, kritisiert der KSV 1870 und begrüßt die Regierungspläne zur schnelleren Entschuldung. Der EU sei das schon lange ein Anliegen, nun habe sich auch die österreichische Regierung entschlossen, einmal gescheiterten Unternehmern eine zweite Chance zu geben.
Wenn das Unternehmen auf Antrag des Unternehmers erst in der Insolvenz geschlossen worden sei, sieht Hans-Georg Kantner, KSV 1870 Insolvenzexperte die Möglichkeit zur schnelleren Entschuldung durchaus sinnvoll: „Der Masseverwalter prüft und wenn er zum Ergebnis kommt, dass die Beantragung ohne schuldhaftes Zögern, wie von der Insolvenzordnung gefordert, – oder zumindest nicht übermäßig verspätet erfolgt ist – sollte das einmalige Scheitern zur besseren Chance auf eine Entschuldung führen und nicht zur jahrelangen Belastung werden.“

Win-win-Situation
Für den Experten geht es jetzt einmal darum, ausreichend Erfahrung mit dem neuen Modell zu sammeln, da Schnellschüsse gerade in diesem Bereich zu einer einseitigen Benachteiligung der Gläubiger führen könnten, was keinesfalls Ziel einer Reform sein dürfe. Kantner hofft, dass die neue Regelung als Signal an die Unternehmer wirkt und dazu führt, dass sie früher zu Gericht kommen. Schon darin könne eine „win-win Situation“ für Gläubiger und Schuldner zugleich liegen, denn dann würden Unternehmenssanierungen wahrscheinlicher, die eine bessere Befriedigung der Gläubiger gestatten.
Das derzeitige Schuldenregulierungsverfahren für „echte“ Private habe sich laut KSV aber bewährt und solle „keinesfalls aufs Spiel gesetzt werden“. Am Vorstoß von Sozialminister Alois Stöger, das Verfahren von sieben auf drei Jahre zu verkürzen und die Mindestquote von zehn Prozent abzuschaffen, lässt Kantner kein gutes Haar: „Die von Stöger gewünschten ‚deutschen Verhältnisse‘ sind in Wahrheit eine Katastrophe für Gläubiger und Staatskassen zugleich."

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 01.03.2017