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18. August 2022

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Die ambivalente Betrachtung der betrieblichen Digitalisierung

Die ambivalente Betrachtung der betrieblichen Digitalisierung© Pexels.com/mo

Für achtzig Prozent heimischer KMUs haben digitale Technologien eine große Bedeutung. Primär personell bedingt kann aber jedes zweite KMU vorab keine technologischen Innovationen umsetzen, so eine aktuelle Studie vom Berater EY.

(red/czaak) Die Bedeutung digitaler Technologien für das Geschäftsmodell mittelständischer Unternehmen ist erneut gewachsen: achtzig Prozent der Betriebe weisen ihnen nun eine mittelgroße oder sehr große Bedeutung zu (2021: 77 Prozent). Knapp dreißig Prozent bewerten die Rolle der Digitalisierung als sehr groß. Auf Platz Eins im Relevanz-Ranking liegen Finanzdienstleister (51 Prozent), gefolgt von Transport, Verkehr und Energie (34). Schlusslicht ist der Immobilien-Sektor (Real-Estate) mit zehn Prozent.

Lösungen bevorzugt für Vertrieb, Mobility, Cloud und Data
Die Corona-Pandemie hatte in Österreich schon ab 2020 einen Digitalisierung-Schub ausgelöst und dieser geht ungebrochen weiter. Aktuell meinen drei von vier befragten Mittelständlern, dass die Wichtigkeit digitaler Technologien noch weiter gestiegen ist. Nur jedes 50. Unternehmen (zwei Prozent) stellt hingegen eine gesunkene Bedeutung fest. Das sind einige der Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die Angaben zufolge über 600 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 MitarbeiterInnen in Österreich befragt wurden.

Aktuell kommen digitale Technologien vor allem im direkten Kundenkontakt zum Einsatz (78 Prozent), gefolgt von mobilen Endgeräten (52). Jeder sechste Mittelständler will Cloud Computing einsetzen, zwölf Prozent Data Analytics und jedes zehnte Unternehmen Künstliche Intelligenz. Parallel will aber fast jeder zweite Betrieb vorab keine zusätzlichen digitalen Technologien im eigenen Betrieb umsetzen, bedingt durch fehlendes Personal und finanziell. „Über alle Branchen haben 83 Prozent Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden und das hat auch Auswirkungen auf geplante Digitalisierungsprojekte“, sagt Axel Preiss, Leiter der Unternehmensberatung bei EY Österreich.

Bundeshauptstadt Wien als Digitalisierungshotspot 
Im Bundesländer-Ranking liegen Unternehmen mit Sitz in Wien vorne. Hier spielt für achtzig Prozent die Digitalisierung eine große Rolle für das eigene Geschäftsmodell. Nahezu gleich auf folgen Betriebe in Oberösterreich und danach Vorarlberg. Der Anteil der Unternehmen, der digitalen Technologien eine mittelgroße oder sehr große Bedeutung beimisst, liegt mittlerweile bei größeren Unternehmen nicht viel höher als bei kleineren Unternehmen. „KMUs haben erkannt, dass sie die Digitalisierung nutzen müssen, um nicht die Konkurrenz vorbeiziehen zu lassen“, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY Österreich.

Unterschiede in der Chancenauswertung gibt es auch bei der branchenspezifischen Betrachtung: Unternehmen aus dem Gesundheitssektor (87 Prozent) und aus den Bereichen Transport, Verkehr und Energie sowie Tourismus (je 84) sind besonders chancen-orientiert. Wahrnehmungen in Form einer punktuellen Bedrohung durch die digitale Transformation gibt es im Handel- und Konsumgüterbereich, der Industrie (je 7) sowie dem Real-Estate-Sektor (8 Prozent).  

Negativere Bewertung der standortpolitischen Rahmenbedingungen
Gefragt nach den standortpolitischen Rahmenbedingungen in Österreich, bewerten diese 63 Prozent der mittelständischen Betriebe als positiv. Das sind deutlich weniger als vor einem Jahr, als der Anteil bei 72 Prozent lag. Nur jedes zehnte Unternehmen (10 Prozent) bewertet sie als ausgezeichnet, am zufriedensten ist der Transportsektor. Fast jedes dritte KMU bezeichnet die Rahmenbedingungen als mittelmäßig, sechs Prozent geben eine schlechte Note ab. Vor allem die Leistungsfähigkeit der digitalen Infrastruktur mit dem Zugang zu hohen Bandbreiten und Handyempfang wird von fast drei Viertel (74 Prozent) positiv bewertet.

Die meisten guten Bewertungen stammen aus Salzburg (82), gefolgt von Tirol (81). Mit 67 Prozent belegt hier Kärnten den letzten Platz im Zufriedenheits-Ranking. Mit den Kooperationspartnern vor Ort sind 67 Prozent zufrieden, mit den gebotenen Fördermöglichkeiten 68 Prozent. Auch hier ist Salzburg auf Platz Eins und Kärnten das Schlusslicht. „Eine leistungsstarke Digital-Infrastruktur ist für Unternehmen ein immer wichtigerer Standortfaktor, ein flächendeckender Ausbau entsprechend eine Investition in die Zukunft: Nur mit einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur kann es eine Chancengleichheit in allen Regionen geben“, unterstreicht Axel Preiss von EY.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 28.02.2022