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01. Juni 2020

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Die Ambivalenz der Nachhaltigkeit

Die Ambivalenz der Nachhaltigkeit© Pexels.com/Sunyu Kim

Mehrheit österreichischer Unternehmen sehen Nachhaltigkeit als Chance. Gleichzeitig verzichten Betriebe auf entsprechende Strategie. Uneinigkeit auch bei Thema Klimawandel, so eine aktuelle Studie von Ernst & Young.

(red/czaak) Österreichs mittelstäandische Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung im Hinblick auf den Klimawandel bewusst und sehen Nachhaltigkeit als Chance für das eigene Geschäft. Exakt zwei Drittel sind der Meinung, dass ihr Betrieb durch verstärkte Nachhaltigkeitsinitiativen geschäftlich profitieren kann. Die Auswirkungen auf das Geschäftsmodell sind hingegen noch nicht absehbar, hier herrscht große Uneinigkeit. Ungefähr gleich viele Unternehmen sehen den Klimawandel als Chance (26 Prozent) bzw. Risiko (21). Nur jedes dritte Unternehmen setzt bereits auf eine Nachhaltigkeits- und Klimastrategie, knapp ein Fünftel (19 Prozent) will eine solche Strategie in den nächsten zwei Jahren entwickeln.   

„Wichtig ist, dass Klimaschutz nicht nur eine Modeerscheinung bleibt, sondern Teil der Wirtschafts- und Standortpolitik jedes Staates, Teil der Strategie jedes Unternehmens und Teil des Lebens jedes Menschen wird“, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY Österreich. Das neue Regierungsprogramm legt einen sehr starken Fokus auf Klimaschutz. Unternehmen müssen ihre Strategie ebenso wie ihr Risikomanagement unter Ökologisierungsaspekten weiterentwickeln“, betont Reimoser anlässlich der Studienpräsentation, für die 900 mittelständische Unternehmen in Österreich befragt wurden. 

Nachhaltigkeit als Chance versus keine Strategie
Immerhin 35 Prozent der Mittelstandsunternehmen in Österreich verfügen bereits über eine eigene Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie. Weitere 19 Prozent der Unternehmen planen, diese innerhalb der nächsten zwei Jahre zu entwickeln. Vorreiter in diesem Bereich sind die Sektoren Industrie sowie Transport und Verkehr, in denen 66 Prozent bzw. 62 Prozent bereits über eine entsprechende Strategie verfügen oder die Einführung einer solchen planen.

Allerdings gibt beinahe jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) an, keine Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie zu haben und auch in Zukunft keine zu entwickeln oder zu planen. Besonders hoch werden die Chancen durch Nachhaltigkeit in den Branchen Tourismus und Industrie (jeweils 74 Prozent) eingeschätzt. Nur sechs Prozent der an der Umfrage teilgenommenen Unternehmen gaben an, dass sich eine Steigerung der Nachhaltigkeitsinitiativen sicher nicht auf das Geschäft auswirken würde. 

„Die Zeiten, in denen Nachhaltigkeit ein Nischenthema war, sind definitiv vorbei. Anleger, Stakeholder und Kunden erwarten zu Recht, dass sich Betriebe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und diese auch wahrnehmen“, unterstreicht EY-Experte Reimoser. „Bei der Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie ist es wichtig, dass diese nicht losgelöst von der Unternehmensstrategie initiiert wird, sondern von Beginn an als integrativer Teil dieser fungiert“.

Klimawandel und Geschäftsmodelle
Hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene Geschäftsmodell herrscht in Österreich noch ein eher unklares Bild vor. „Österreichs Unternehmen können die tatsächlichen Konsequenzen des Klimawandels für das eigene Unternehmen zurzeit nur schwer abschätzen“, so das zentrale Ergebnis der EY-Studie zu diesem Thema. Seiner Verantwortung im Hinblick auf den Klimawandel ist sich der heimische Mittelstand jedoch bewusst und das inkludiert auch Maßnahmen zur Problemlösung, etwa Bewusstseinsbildung bei den Mitarbeitern, nachhaltige Investitionen oder mehr Energie aus erneuerbaren Quellen.

Eine eher untergeordnete Rolle spielen die Themen Verkehr bzw. die Ökologisierung des Fuhrparks oder die Reduktion von Reise- und Transporttätigkeiten. „Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, Österreich bis 2040 klimaneutral zu gestalten und dazu wird auch die Wirtschaft ihren Teil beitragen. Das Regierungsprogramm sieht etwa Anreize für nachhaltigere Fuhrparks oder steigende Kosten für Flugreisen vor. Das wird sich stark auf die Maßnahmen der Unternehmen zum Klimaschutz auswirken“, resümiert Reimoser.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 02.03.2020