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21. November 2017

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Die Dominanz der Old Economy

Die Dominanz der Old Economy © Bilderbox.com

Automobil- und Rohstoff- bzw. Energiekonzerne dominieren das Ranking der umsatzstärksten europäischen Unternehmen – in den USA spielen hingegen Technologie- und Gesundheitskonzerne eine führende Rolle.

Wie unterschiedlich die europäischen Top-Konzerne im Vergleich zu den US-Unternehmen gerade im Technologie- und Digitalsektor aufgestellt sind, zeigt vor allem der Blick auf das Ranking der gewinnstärksten Unternehmen: In den USA schaffen es sechs Technologiekonzerne, Kabelnetz- und Internetanbieter unter die Top-10, in Europa nur die Deutsche Telekom.
In Europa sind 84 der 300 umsatzstärksten Konzerne Industrieunternehmen (einschließlich der Autoindustrie), in den USA zählen nur 49 Unternehmen zu diesem Segment. Umgekehrt können sich in den USA 31 IT-Unternehmen im Top-300 Ranking platzieren – in Europa nur dreizehn. „Die US-Unternehmen sind in Branchen unterwegs, in denen die Margen überdurchschnittlich hoch sind. Aber auch innerhalb einer Branche wirtschaften die US-Konzerne häufig deutlich profitabler als ihre europäischen Konkurrenten. Mit Margen von zwölf Prozent oder mehr zeigen sich in den USA insgesamt neun Branchen besonders profitabel, in Europa nur drei“, erklärt Gerhard Schwartz, EY Österreich.
Auf beiden Kontinenten erzielte im vergangenen Jahr die Pharmabranche die höchsten Margen, wobei diese in den USA mit durchschnittlich 30,5 Prozent erheblich höher ausfielen als in Europa, wo die Marge im Durchschnitt bei 18,2 Prozent lag. Die niedrigsten Margen weist sowohl in Europa als auch den USA mit 3,3 und 3,5 Prozent der Lebensmittelhandel auf.

Ausblick
Im laufenden Jahr könnte sich das Blatt zugunsten der europäischen Unternehmen wenden, so Schwartz: „Der niedrige Eurokurs wird den Unternehmen im Euroraum in diesem Jahr einen Wachstumsschub geben – das sehen wir schon bei den Unternehmen, die ihre Zahlen für das erste Quartal vorgelegt haben.“
Noch wichtiger sei aber die fortschreitende wirtschaftliche Erholung in Europa, so Schwartz: „Europa kommt wirtschaftlich langsam wieder auf die Beine. Die Arbeitslosigkeit sinkt, das Verbrauchervertrauen und inzwischen auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen steigen. Zudem sorgt die Niedrigzinspolitik der EZB weiter für eine hohe Liquidität und günstige Konditionen für die Finanzierung von Investitionen. Andererseits bleiben die politischen Risiken hoch: In den größten drei – mit Italien möglicherweise vier – EU-Ländern stehen bis Herbst nationale Wahlen an.

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 29.05.2017