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20. November 2018

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„Die Größe allein darf nicht entscheidend sein“

„Die Größe allein darf nicht entscheidend sein“© Bilderbox.com

Eine umfangreiche Ernst & Young-Studie beleuchtet die Digitalisierung in Österreichs Unternehmen, wo aktuell rund ein Drittel des Umsatzes mit Industrie-4.0-Produkten erwirtschaftet wird.

Österreichs Industrie will die Produktion mithilfe digitaler Technologien in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Bereits heute produziert eine Mehrheit von 60 Prozent der mittelständischen Industrieunternehmen zumindest teilweise digital gesteuert. Damit sind Industriebetriebe aus Österreich momentan innovativer als Unternehmen in Deutschland, wo erst 54 Prozent digital gesteuert produzieren.
Dennoch ist bei den heimischen Industrieunternehmen noch viel Luft nach oben: Gerade einmal sieben Prozent haben ihre Produktion bereits weitgehend oder vollständig digital vernetzt. 16 Prozent der Unternehmen nutzen Industrie 4.0 noch gar nicht, planen aber, sie im Betrieb einzuführen. Für fast ein Viertel (24%) spielt Industrie 4.0 weder aktuell noch in Zukunft eine Rolle.

Flexible Produktion, Automatisation und Artificial Intelligence
Derzeit erwirtschaften die Unternehmen, die zumindest zum Teil digitale Produktionsprozesse nutzen, nach eigenen Angaben im Durchschnitt 31 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Produkten, die durch Industrie 4.0-Technologien hergestellt wurden. 2020 soll dieser Anteil bei 39 Prozent liegen. In Österreich planen Industriebetriebe eine deutliche Steigerung und um dahin zu gelangen investieren die Betriebe durchschnittlich 3,7 Prozent ihres Umsatzes in digitale Technologien.
Das sind Ergebnisse einer EY-Studie, für die 250 mittelständische Industrieunternehmen in Österreich und 1.150 in Deutschland befragt wurden. Konkret heißt Industrie 4.0 für die meisten Unternehmen (86 Prozent), dass sie ihre Produktionsprozesse automatisieren. 56 Prozent setzen auf eine flexible Produktion im Gegensatz zu einer starren Serienproduktion. Robot Process Automation (22%), 3D-Druck (17%) oder Künstliche Intelligenz (7%) kommen nur bei einer Minderheit zum Einsatz.
„Die österreichische Industrie hat es immer wieder verstanden, neue Herausforderungen anzunehmen und innovativ zu bleiben. Die meisten Unternehmen stellen sich auch jetzt auf die Digitalisierung ihrer Produktion ein,“ so Gerhard Schwartz von EY Österreich. Allerdings will knapp ein Viertel der mittelständischen Industrieunternehmen nicht auf digitale Produktion umstellen. Das könnte sich für sie als deutlicher Wettbewerbsnachteil erweisen,“ warnt Schwartz.

Vier von zehn Unternehmen investieren nur zwei Prozent des Umsatzes
Gemessen an den möglichen positiven Auswirkungen entwickelt sich das Engagement der mittelständischen Industriebetriebe in Österreich allerdings noch zaghaft: 40 Prozent geben nur ein bis zwei Prozent ihres Gesamtumsatzes für Investitionen in digitale Technologien aus, fast ein Drittel (29%) investiert immerhin noch drei bis fünf Prozent des Umsatzes. Lediglich jedes zehnte Unternehmen (9%) setzt mit einem Umsatzanteil von mindestens zehn Prozent stärker auf Industrie 4.0.
Das wichtigste Ziel von Investitionen in digitale Technologien ist eine größere Flexibilität bei veränderten Anforderungen (65%), gefolgt von schnelleren Anpassungen bei Nachfrageschwankungen (39%). Mehr als ein Drittel (37%) möchte durch Industrie 4.0 sein Produktportfolio erweitern. Die individualisierte oder personalisierte Produktion spielt momentan für jedes fünfte heimische Industrieunternehmen (21%) eine Rolle.
„Insbesondere Branchen, die relativ kurze Produktzyklen haben und flexibler auf Kundenwünsche eingehen müssen, setzen bereits jetzt verstärkt auf die Möglichkeiten durch Industrie 4.0“, betont Schwartz. „Allerdings müssen alle Branchen immer flexibler und immer individueller werden. Deswegen besteht auch bei Unternehmen mit relativ langlebigen Produkten ein gewisser Aufholbedarf.“

Kleine Industrieunternehmen drohen den Anschluss zu verlieren
Industrie 4.0 scheint momentan auch noch eine Frage der Größe zu sein: Heimische Industriebetriebe mit einem Gesamtumsatz von über 100 Millionen Euro erwirtschaften durchschnittlich 35 Prozent davon mit Produkten aus der Industrie-4.0-Herstellung. In zwei Jahren wollen diese schon bei 42 Prozent sein und dafür investieren sie durchschnittlich vier Prozent ihres Gesamtumsatzes in digitale Technologien.
In zwei Jahren wollen die kleinen Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von unter 30 Millionen Euro bei 37 Prozent sein, aktuell liegen sie bei 27 Prozent. Ihnen stehen auch nur 3,3 Prozent ihres Gesamtumsatzes für die nötigen Investitionen zur Verfügung. Ein weiteres Indiz für die Kluft: Während große Unternehmen fast jeden achten investierten Euro (12%) in digitale Technologien stecken, fließt bei kleinen nicht einmal jeder zehnte Euro (10%) dorthin.
„Kleine Unternehmen müssen nicht zu den Erstanwendern gehören und auch nicht unbedingt eigene Lösungen entwickeln. Aber sie müssen Wege finden mit anderen Unternehmen mitzuhalten, etwa durch Kooperationen mit Start-Ups oder über Cloud-Services,“ unterstreicht Thomas Gabriel, Partner bei Contrast EY, der Strategieberatungsmarke von Ernst & Young Österreich (EY). „Allein Größe oder Cash-Flow dürfen nicht über die Digitalisierung entscheiden,“ betont der EY-Experte.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 17.04.2018