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23. October 2017

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„Die Unternehmensgröße ist unbedeutend, es geht um die Geschäftsprozesse.“

Video: 

(Video/Text) Technologische Innovation betrifft Unternehmen aus allen Branchen. Economy sprach mit IT-Anbietern und Anwendern über aktuelle Trends und Empfehlungen, über den Stellenwert der Kommunikation und über den besten Schlüssel für die Nutzung.

Economy: Franz Grohs, Geschäftsführer von T-Systems. Welche Trends sind erwähnenswert im Bereich der unternehmensrelevanten IT in den letzten Jahren?

Franz Grohs: Großunternehmen mit eigenen IT-Abteilungen und CIOs die sich das leisten können gehen hier mit teilweise noch immer individuellen Anwendungen, auch wenn sie standardisieren wollen, in die Digitalisierung.

Markus Buchner: Die Technik wird günstiger, die Anwendungsbereiche vielfältiger und daher ist es heute eigentlich unbedeutend wie groß ein Unternehmen ist, sondern welche Geschäftsprozesse gilt es abzuwickeln.

Christian Renk: Ich glaub’ ganz wichtig ist, im Unternehmen auch wirklich alle Abteilungen mit am Tisch sitzen zu haben. Gerade bei diesen Prozessen, das geht wirklich quer durch alle Unternehmensbereiche.
Man muss dabei natürlich auch Personen, Abteilungen, Prozesse überzeugen, dass man sagt, das ist dann auch entsprechender Vorteil, mehr Nutzen für das gesamte Unternehmen.

Buchner: Was brauch ich? Was nutzen Kunden und wie kann Technologie mich dabei unterstützen, dem Kunden das beste Erlebnis zu bieten.

Rene Heinzl: Wenn sie vier, fünf Leute als Techniker haben, rein Technik geführte Unternehmen mit der Kundenschnittstelle die größten Probleme haben.
Eine meiner großen Erfahrungen war, viel früher Projektmanager rein geben, die nicht nur operativ programmieren, sondern auch mit dem Kunden Kontakt einfach haben, weil umso komplexer Prozesse werden, umso schwieriger wird die Kommunikationsebene, die Abläufe.

Buchner: Nicht alles was technisch möglich ist, setzen wir ein, auch von den Technologien die wir zur Verwendung haben, die wir unseren Kunden anbieten.

Welche Empfehlungen würden Sie einem Unternehmem bezüglich Nutzung neuer Technologien geben ?

Grohs: Wenn man als „Front-Runner“ unterwegs ist, kann man sich schnell verbrennen. Die Empfehlung geht eher in Richtung „Early Adapter“ um die Früchte der Front-Runner ebenfalls zu genießen.
Oder in Richtung „First-Mover. Man muss in jedem Fall von Anfang an dabei sein.

Renk: Wir sehen gerade bei etablierten Filialisten, dass der Online-Bereich immer mehr Gewicht hat, auch in der Kundenbewerbung, in der TV-Werbung sieht man mittlerweile wirklich schon, dass der Online-Bereich einen entsprechenden Stellenwert bekommt und sich die Unternehmen eigentlich genau richtig dementsprechend ausrichten, dass sie beide Welten verknüpfen.

Oliver Sartena: Es gilt also die Frage zu beantworten, wie kommt der Kunde dorthin, dass er weiß was er will. Und wenn das aber beantwortet ist, ist das Thema Internet ein essentielles.
Die meisten Online-Bestellungen werden heute in Büros getätigt, das wissen alle. Und von daher ist eigentlich nur die Frage, wenn ich heute am Vormittag weiß, muss ich den Rest nur mehr technisch und logistisch abwickeln.

Renk: Wir sehen eigentlich auch den Trend, dass diese Player ganz vorne mitspielen werden, die im E-Commerce stark sind als auch in der Filiale stark sind und das in Verbindung damit, dass man dem Kunden die bestmöglichen Services anbietet.
Das heiß Bestellung Online, Abholung in der Filiale, klassisches Click & Collect. Bezahlen online, bezahlen in der Filiale, Rückgabe der Produkte in der Filiale obwohl ich sie online eingekauft habe. Man sieht schon wie komplex diese Themen sein können.

Gibt es einen Unterschied zwischen größeren oder kleineren Unternehmen?

Buchner: Wo früher das Thema Hotline-Nummern oder SMS-Versandlösungen ausschließlich ein Thema für Großunternehmen war, kann man in den letzten Jahren ganz klar von einer Demokratisierung dieser Tools auch für den Klein- und Mittelstand sprechen.

Grohs: Kleine und mittlere Unternehmen, die sich keine große IT-Bereiche leisten können, setzen bei weitem stärker auf Systemhäuser um daraus ebenfalls die Vorteile neuer Technologien nutzen zu können.

Buchner: Was im letzten Jahr an Bedeutung gewonnen hat, ist der digitale Vertrieb. Da gibt es mittlerweile eben auf Grund der Vereinfachung von Angebotsbausteinen auch die Möglichkeit, dass man gewisse Produkte in einem Online-Bestellprozess erwirbt und von unserer Seite nur noch die technische Umsetzung mit der Freischaltung im Netz erfolgt.

Heinzl: Das heisst, ich glaube es wird Initialzündungen brauchen, dass einige große Unternehmen auf diesen Zug aufspringen. Dann würde es natürlich schon weiter gehen.
Weil, wenn ich ein Industrieunternehmen habe ist der Logistiker gefordert und wenn der Logistiker gefordert ist, sind wieder andere Bereiche gefordert. Das heißt da hätten wir dann eine kritische Masse, dass das auch in Österreich ein bissel in Gang kommt.

Buchner: Was brauch’ ich, was braucht mein Kunde, wie können wir das am besten zusammenbringen. Das ist der beste Schlüssel.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webausgabe, 28.02.2017