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28. Juni 2017

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Good bye Great Britain! Hello good old Germany!

Good bye Great Britain! Hello good old Germany!© wikimedia

Bedingt durch den Brexit wenden sich Unternehmen von Großbritannien ab. EU-Standorte, vor allem Deutschland, gewinnen dadurch deutlich an Attraktivität für Investoren.

Der bevorstehende Brexit hat bereits jetzt gravierende Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Großbritannien: Jedes siebte dort aktive Unternehmen plant, seine Geschäftsbereiche aus Großbritannien zu verlagern. Im übrigen Europa kommt eine Betriebsverlagerung nur für jedes 50. Unternehmen infrage. Das ergab eine Befragung von 254 Unternehmen durch die Prüfungs- und Beratungsorganisation Ernst & Young (EY). 75 Prozent des Samples haben ihren Sitz oder eine Niederlassung in Großbritannien.
Helmut Maukner, Country Managing Partner bei EY Österreich: „Der anstehende Brexit sorgt für große Unsicherheit. Der sichere Zugang zum europäischen Binnenmarkt ist und bleibt ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.“ Dadurch steige die Attraktivität der Europäischen Union, so Maukner: „56 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionen in Europa ausbauen. Die Europäische Union ist stark und attraktiv genug, um auch ohne Großbritannien internationale Investoren anzuziehen. Die relative Gelassenheit der Wirtschaft außerhalb Großbritanniens ist ein positives Signal für die Wirtschafts- und Währungsunion und generell für die europäische Gemeinschaft.“

Eindeutiger Brexit-Gewinner: Deutschland
Größter Nutznießer des Unternehmens-Exodus aus Großbritannien dürfte Deutschland sein: 54 Prozent der in Großbritannien aktiven Unternehmen nennen Deutschland als bevorzugtes Ziel außerhalb des Vereinigten Königreichs. Dahinter liegen die Niederlande (33 Prozent) und Frankreich (8 Prozent). Insgesamt 40 Prozent der ausländischen Unternehmen sehen Deutschland als Investitionsziel Nummer Eins (2016: 38%), hingegen sehen nur noch 22 Prozent (2016: 27%) Großbritannien als führenden Standort.

Fast drei Viertel spüren bereits Auswirkungen des Brexit-Votums
Obwohl Großbritannien erst in frühestens zwei Jahren tatsächlich aus der Europäischen Union austreten wird, geben 71 Prozent geben an, konkrete Auswirkungen bei Gewinnmargen, die bei 28 Prozent der Unternehmen geschrumpft sind, und bei Einkaufspreisen, die sich für 29 Prozent erhöht haben, zu verspüren. In Folge des Brexit-Votums hatte das britische Pfund massiv an Wert verloren, was Importe nach Großbritannien deutlich verteuerte. Helmut Maukner warnt daher: „So erfreulich die steigende Attraktivität von Standorten innerhalb der Europäischen Union ist – dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Austritt viele exportorientierte europäische Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen stellen wird.“

Nur jedes 25. Unternehmen hat eine „Brexit-Strategie“
Gerade einmal vier Prozent der befragten Unternehmen haben laut eigenen Angaben inzwischen eine Strategie für den Umgang mit den sich verändernden Bedingungen im Zuge des Brexits. Maukner dazu: „Volatilität ist die neue Normalität. In einer sich immer schneller verändernden Welt gilt es, flexibel zu bleiben. Eine konsequente Digitalisierung aller Geschäftsbereiche kann Unternehmen dabei helfen, sich schnell und flexibel an veränderte Marktbedingungen anzupassen.

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red, Economy Ausgabe Webartikel, 24.02.2017