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23. September 2017

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Eine Nebenstelle reicht

Eine Nebenstelle reicht© wikipedia

Nebenstellenanlagen-Anbieter gehen in die technologische Offensive. Sie integrieren die Handy-Welt in die klassische Telefonie. So können Unternehmen nicht nur teure RoamingKosten umgehen, sondern auch ihre Unternehmensapplikationen integrieren.

Der Handy-Boom der letzten Jahre hat die gute alte Telefonanlage ziemlich in Bedrängnis gebracht. Durchwahlen kennt heute keiner mehr. Und wer will schon mit Warteschleifenmusik gequält werden, bevor einem die Vorzimmerkraft höflich erklärt, dass das gewünschte Gegenüber gerade außer Haus ist. Da ruft man doch lieber gleich direkt auf dem Handy an. Diesem Missstand wollen nun die Anbieter von Unternehmenstelefonielösungen entgegenwirken. Die Lösung liegt schon lange auf der Hand: Man integriert die Nebenstellenanlage einfach in Mobiltelefone.

Eine Nummer für alles
Die Basis für die Integration bietet als erster Hersteller Nokia mit den Mobiltelefonen der E-Serie. Auf diesen Endgeräten ist es möglich, kleine Anwendungen zu installieren, welche die volle Funktionalität eines Nebenstellenapparates beinhalten.
Weiters können die Geräte der E-Serie nicht nur über den Mobilfunkstandard GSM, sondern auch über drahtlose Netzwerke (WLAN, Wireless Local Area Network) funken. So können Unternehmen ihr bestehendes Netzwerk nutzen und über das Funknetz telefonieren. Auf diese Weise sind Mitarbeiter über eine Nummer jederzeit mobil erreichbar. Sobald sie das Unternehmensgelände betreten, erkennt das Handy automatisch den zu benutzenden Funkstandard. Gespräche können, wie von Least Cost-Routern bekannt, über die kostengünstigste Leitung geführt werden. Internationale Unternehmen dürften von solchen Systemen am meisten profitieren. Denn teure Roaming-Gespräche können über wesentlich billigere Internet-Leitungen geführt werden. Doch wird die Technik sicher ebenfalls für kleine und mittlere Betriebe sinnvoll nutzbar sein. Auch wenn hier nur geringere Kosteneinsparungen möglich sind.

Einfache Integration
Auf der Seite der Telefonanlagen hat Alcatel kürzlich auf der Kundenveranstaltung Enterprise Forum 2006 in Paris die mögliche Integration der NokiaEndgeräte in die Alcatel Omni PCX-Plattform präsentiert. „Wir portieren derzeit unsere Software auf unterschiedlichste Nicht-Alcatel-Hardware. Besonders mit Nokia arbeiten wir gerade sehr intensiv zusammen. Mit Nokia-Telefonen können wir nun Wi-Fi-, GSM- und IP-PBXFunktionen nutzen. Wir setzen bei der Portierung unserer Software auf das Symbian- und Windows-Betriebssystem“, so der Chef-Marketier Alan Mottram gegenüber economy. Soll hei- ßen, dass Alcatel in Kürze die volle Telefonanlagenfunktionalität auch auf Mobiltelefonen anderer Hersteller zur Verfü- gung stellen wird. Auch Avaya hat im Herbst letzten Jahres bereits eine vergleichbare Lösung präsentiert. Dieser Anbieter setzt derzeit ebenfalls auf die Mobiltelefone von Nokia als Endgerät. Mit der angebotenen Applikation können Mitarbeiter Anrufe entweder an ihrem Arbeitsplatz oder am Mobiltelefon entgegennehmen und je nach Bedarf zwischen den Telefonen wechseln. Features des Festnetzapparates, wie etwa Kurzbefehle für Durchwahlen, Konferenzschaltungen, Call Transfer, Weiterleiten von Voice Mail-Nachrichten, Gruppenschaltungen und Weiterleiten von Anrufen können so auf dem Handy realisiert werden. Mobile Mitarbeiter können das Profi l ihres Mobiltelefons zusätzlich so ändern, dass nur private Anrufe eingehen.

Applikationen für morgen
Doch nicht nur die Integration von Mobiltelefonen in die klassische Telefonanlage, sondern vor allem die Integration von Geschäftsanwendungen ist ein Thema, das von den Herstellern vorangetrieben wird. Kennt man bisher Funktionen wie Wählen aus Microsoft Outlook oder diversen Systemen für Kundenbeziehungsmanagement (CRM), so werden diese weiter ausgeweitet werden. Hier sind viele weitere Szenarien denkbar, die in Zusammenarbeit mit den Software-Herstellern realisiert werden.

Ausgewählter Artikel aus Printausgabe 04/2006

Klaus Lackner, Economy Ausgabe Webartikel, 03.03.2017