700 Millionen Euro noch bis Ende 2013 an Forschungsförderungen abrufbar
Eine neue WIFO-Studie bestätigt F&E‑Unternehmen höhere Krisensicherheit, schnelleres Wachstum und die Schaffung von mehr Jobs als andere. “Forschung ist das beste Konjunkturpaket”, betont Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.
Gemeinsam mit Henrietta Egerth, Chefin der FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) und dem oberösterreichischen Unternehmer Josef Rainer präsentiert der Wirtschaftsminister neue Zahlen und Maßnahmen für den Konjunkturmotor Forschung und Innovation.
Eintritt in neue Exportmärkte
“In der aktuellen Wirtschaftslage sind Förderungen für Forschung und Entwicklung das beste Konjunkturpaket. F&E‑Unternehmen sind krisenfester, wachsen schneller und schaffen mehr Arbeitsplätze als Unternehmen, die das nicht tun. Dazu sind Innovationen ein optimales Eintrittsticket in neue Exportmärkte”, erläutert Mitterlehner mit Verweis auf die zentralen Ergebnisse einer neuen WIFO-Studie.
Dafür hat das WIFO in den vergangenen drei Jahren über 600 Unternehmen untersucht. Demnach erhöhen Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes für F&E ausgeben, ihre Beschäftigtenzahl im Schnitt um mehr als vier Prozent pro Jahr. “Je höher die Forschungsquote, desto höher ist das Wachstum und die Krisenresistenz. Dieser Trend zeigt, dass forschende Unternehmen entscheidend dazu beigetragen haben, dass Österreich bisher gut durch die Krise gekommen ist”, so der Minister weiter.
Jungunternehmeroffensive
Besonders positiv ist der Trend bei den untersuchten forschungs- und technologieorientierten Start-Ups, deren Beschäftigtenzahl jährlich sogar um fast 30 Prozent wächst. “Daher starten wir im nächsten Jahr unsere Jungunternehmeroffensive, die vor allem diese Firmen unterstützen wird”, unterstreicht Wirtschaftsminister Mitterlehner.
Die Wifo-Erhebung belegt auch, dass F&E‑Investitionen eine starke Exportorientierung mit sich bringen. Unternehmen mit über 50 Angestellten und mehr als fünf Prozent F&E‑Quote, exportieren über 85 Prozent ihres Umsatzes. Zudem können F&E‑aktive Unternehmen Umsatzeinbrüche schneller aufholen und rascher neue Investitionschancen finden, wie der WIFO-Investitionstest zeigt. Während die Investitionen bei Nicht‑F&E‑Unternehmen schwächeln, sind sie bei forschenden Unternehmen um 14 Prozent (Bilanzjahr 2010/2011) sowie acht Prozent (2011÷2012) gestiegen.
Standort Österreich schafft Trendwende
Um den Konjunkturmotor Forschung und Entwicklung zusätzlich zu unterstützen, sind allein heuer und im nächsten Jahr via FFG noch rund 700 Millionen Euro an Förderungen abrufbar, wovon 200 Millionen aus EU-Töpfen stammen. “Forschung und Entwicklung haben uns in der Wettbewerbsfähigkeit nach oben gebracht. Diese positive Dynamik wollen wir weiter forcieren”, so Mitterlehner unter Verweis auf das jüngste Ranking des World Economic Forum, in dem sich der Standort Österreich auch dank seiner Innovationskraft auf Rang 16 unter 144 Ländern verbessert hat.
“Wir haben die Trendwende geschafft, müssen aber die Defizite weiter aufarbeiten”, resümiert Mitterlehner. Um den Engpass beim Forschungspersonal zu beheben, stehen daher zehn Millionen Euro für das neue Förderprogramm “Forschungskompetenzen für die Wirtschaft” zur Verfügung, das ebenfalls von der FFG abgewickelt wird.
Fokus auf Klein- und Mittelbetriebe
Die FFG richtet den Fokus ihrer Fördertätigkeit verstärkt auf Klein- und Mittelbetriebe. “Wir setzen hier konzentriert in den drei Bereichen Finanzierung, Qualifizierung von Fachkräften und Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft an”, erklärt FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth. Um das Forschungspersonal zu steigern, startet die FFG im Herbst zehn vom Wirtschaftsministerium finanzierte Qualifizierungsnetzwerke, in denen jeweils bis zu 37 Partner zusammenarbeiten.
Weiters hat die FFG aktuell im Auftrag des Wirtschaftsministeriums das neue, mit 4,5 Millionen Euro dotierte Format der Innovationslehrveranstaltungen geöffnet. “Hier sollen insbesondere KMU gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern systematisch und mit einem ganzen Bündel an Qualifizierungsmaßnahmen ihre Mitarbeiter spezialisieren und höher qualifizieren”, so Egerth und informiert, dass Ende Oktober eine international besetzte Jury entscheiden wird, “welche neuen K‑Projekte demnächst die Kompetenz- und Exzellenzlandkarte Österreichs ergänzen und mit rund 13,5 Millionen Euro Bundesmitteln gefördert werden”.
Forschungsförderung wirkt
Josef Rainer, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des oberösterreichischen Industrie-Elektronik-Unternehmens Bernecker & Rainer, erläutert die Bedeutung einer gezielten Forschungsförderung in der Praxis. “Auch in den Krisenjahren haben wir viel investiert und unsere F&E‑Fachkräfte sogar gesteigert. Wenn man Technologieführer sein will, gibt es keine Alternative zu Forschung und Entwicklung”, unterstreicht Rainer. “Die FFG hat maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen, gerade weil Forschungsförderungen eine enorme Hebelwirkung haben”, betont Rainer.