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Abwan­de­rungs­ten­den­zen

Sta­gnie­rende Geschäfts­la­gen, wei­ter hohe Kos­ten bei Ener­gie, Löh­nen oder Mate­rial sowie aus­ge­prägte Kon­sum­flaute prä­gen aktu­elle Wirt­schafts­si­tua­tion. Rund 17 Pro­zent der Betriebe über­le­gen Stand­ort oder Geschäfts­be­rei­che ins Aus­land zu ver­la­gern. Kri­tik an Maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung bei Industriestrategie.

Die aktu­elle Geschäfts­lage der hei­mi­schen Unter­neh­men ist wei­ter­hin über­aus schwie­rig, auch eine Ver­än­de­rung in Rich­tung Auf­schwung wird nicht erwar­tet. Nur 48 Pro­zent der Betriebe bewer­ten ihre gegen­wär­tige wirt­schaft­li­che Situa­tion mit „sehr gut“ oder „gut“. Jedes sechste Unter­neh­men (17 Pro­zent) dar­über nun nach, zumin­dest ein­zelne Geschäfts­be­rei­che ins Aus­land zu ver­la­gern. Und mit der „Indus­trie­stra­te­gie Öster­reich 2035“ der Bun­des­re­gie­rung sind nur sechs Pro­zent zufrieden. 

„Es droht die Gefahr, mehr und mehr ins Mit­tel­feld abzurutschen“

Das geht aus der aktu­el­len Aus­trian-Busi­ness-Check-Umfrage des KSV1870 her­vor. Als größte Her­aus­for­de­run­gen nen­nen die Befrag­ten das hohe Kos­ten­ni­veau, die geringe Nach­frage und den Fach­kräf­te­man­gel. „Öster­reichs Wirt­schaft ist seit eini­gen Jah­ren von einer Ero­sion geprägt. Ein Auf­schwung wird von den Unter­neh­men für unser Hoch­preis­land kaum erwar­tet, denn eine Krise jagt die nächste und es scheint kein Ende in Sicht“, so Ricardo-José Vybi­ral, CEO KSV1870 Hol­ding AG.

„Aktu­ell befeu­ert die Per­spek­tiv­lo­sig­keit sei­tens der Betriebe Exit­sze­na­rien und es droht die Gefahr, mehr und mehr ins Mit­tel­feld abzu­rut­schen“, betont Vybi­ral. Laut aktu­el­ler KSV1870 Umfrage sind ledig­lich 48 Pro­zent der Unter­neh­men mit ihrer Geschäfts­lage zufrie­den. Nur jeder fünfte Betrieb (20 Pro­zent) erwar­tet für heuer eine ent­schei­dende Ver­bes­se­rung. Wäh­rend 85 Pro­zent der Finanz- und Ver­si­che­rungs­dienst­leis­ter die Situa­tion posi­tiv bewer­ten, sind es im Bereich Gastronomie/​Beherbergung nur 35 Prozent. 

Ins­be­son­dere Indus­trie­pro­duk­tion sowie Bau/​Immobilien und Telekom/​IT dis­ku­tie­ren Ver­la­ge­rung ins Ausland 

Die ver­gan­ge­nen Jahre sind zu einer Belas­tungs­probe für viele hei­mi­sche Unter­neh­men gewor­den. Vor allem die hohen Kos­ten, die bestehende Kon­sum­flaute und die schwie­rige Per­so­nal­su­che machen den Betrie­ben zu schaf­fen. Gelingt es den poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern nicht, die Unter­neh­men wesent­lich zu ent­las­ten, besteht in naher Zukunft die Gefahr einer Abwan­de­rungs­be­we­gung und der Ver­lust von Arbeitsplätzen. 

„Ange­sichts der schon jetzt hohen Zahl an arbeits­su­chen­den Men­schen, sollte die­ses Schreck­ge­spenst bes­ser in der Kiste blei­ben“, so Vybi­ral. Ins­be­son­dere in der Indus­trie bzw. in der Waren­pro­duk­tion sowie im Grund­stücks- und Woh­nungs­we­sen und im Bereich Telekommunikation/​IT gibt es über­durch­schnitt­lich viele Unter­neh­men, die über einen sol­chen Schritt nachdenken. 

Erzielte Umsätze ver­feh­len Wir­kung und Kos­ten fres­sen etwa­ige Gewinne

Die Umsatz­ent­wick­lung hat sich laut Aus­trian Busi­ness Check im Vor­jahr sehr unter­schied­lich dar­ge­stellt. Wäh­rend 33 Pro­zent der Betriebe von einer rück­läu­fi­gen Ent­wick­lung spre­chen und wei­tere 23 Pro­zent eine maxi­mal gleich­blei­bende Umsatz­ent­wick­lung vor­wei­sen kön­nen, haben sich bei 44 Pro­zent die Umsätze erhöht – u.a. bei den Finanz- und Ver­si­che­rungs­dienst­leis­tern und im Gesund­heits- und Sozialwesen. 

Doch selbst Letz­tere muss­ten ange­sichts des enor­men Kos­ten­drucks im Ver­gleich zu frü­her Gewinn­ein­bu­ßen hin­neh­men, wes­halb das Umsatz­plus zum Teil auch wie­der ver­pufft ist. „Getrie­ben von einem hohen Kos­ten­ni­veau wird es immer schwie­ri­ger, Gewinne zu erzie­len und ein Geschäfts­jahr posi­tiv abzu­schlie­ßen“, so Vybi­ral. Zudem fällt die Pro­gnose für das Jahr 2026 ernüch­ternd aus : Ledig­lich 27 Pro­zent der Betriebe erwar­ten, dass sich ihre Umsätze gegen­über dem Vor­jahr ver­bes­sern werden. 

Betref­fend Auf­trags­lage 2025 spricht nur ein Drit­tel von Anstieg

Im Ver­gleich zum Jahr 2024 hat sich auch die Zahl der Auf­träge im Vor­jahr sehr unter­schied­lich ent­wi­ckelt. Wäh­rend 36 Pro­zent von einem Anstieg spre­chen, ver­zeich­nen 31 Pro­zent ein gleich­blei­ben­des Ergeb­nis. Bei wei­te­ren 33 Pro­zent hat sich die Auf­trags­lage rück­läu­fig ent­wi­ckelt. Erfreu­lich ist, dass neben den Finanz- und Ver­si­che­rungs­dienst­leis­tern (66 Pro­zent) auch Betriebe der Waren­pro­duk­tion (48) einen Anstieg ver­zeich­net haben – eine Bran­che, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren häu­fig mit einer schwie­ri­gen Auf­trags­lage zu kämp­fen hatte. 

Dem gegen­über steht etwa der Han­del, in dem 40 Pro­zent der Unter­neh­men von einer rück­läu­fi­gen Ent­wick­lung spre­chen. Hier scheint die Kon­sum­flaute anhal­tende Spu­ren zu hin­ter­las­sen. Etwas bes­ser als im Vor­jahr prä­sen­tiert sich die Auf­trags­lage seit Jah­res­be­ginn in Öster­reich : Immer­hin 43 Pro­zent der Betriebe sind im Moment zufrie­den – dabei sticht Ober­ös­ter­reich (54 Pro­zent) her­vor. Gänz­lich anders ist die Lage in Kärn­ten, wo 36 Pro­zent von einer rück­läu­fi­gen Ent­wick­lung spre­chen. Das Bun­des­land ist damit Schlusslicht. 

Indus­trie­stra­te­gie Öster­reich 2035 durchgefallen

Im Rah­men der Umfrage wur­den die Indus­trie­un­ter­neh­men auch gefragt, wie sie die Anfang des Jah­res sei­tens der Bun­des­re­gie­rung vor­ge­stellte Indus­trie­stra­te­gie ein­stu­fen. Das Ergeb­nis : Nur sechs Pro­zent sind mit ihr zufrie­den, wäh­rend jeweils 47 Pro­zent mit „mit­tel­mä­ßig“ bzw. „unzu­frie­den“ geant­wor­tet haben. Am häu­figs­ten feh­len den Unter­neh­men ein kon­kre­ter Plan zur Kos­ten­sen­kung und nach­hal­tige Maß­nah­men zur Entbürokratisierung.

„Für Öster­reichs Indus­trie­un­ter­neh­men ist der vor­ge­legte Plan zu unkon­kret. Er ent­hält keine aus­rei­chen­den Maß­nah­men, wie es gelin­gen soll, die Indus­trie lang­fris­tig auf die Über­hol­spur zu brin­gen“, so Vybi­ral. Ten­den­zi­ell posi­ti­ver wer­den hin­ge­gen die kürz­lich abge­schlos­se­nen Frei­han­dels­ab­kom­men, wie etwa das EU-Mer­co­sur-Abkom­men oder das EU-Indien-Abkom­men gese­hen. Immer­hin 36 Pro­zent sehen in die­sem Zusam­men­hang einen posi­ti­ven Ein­fluss auf die zukünf­tige Wirt­schafts­ent­wick­lung im Land. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
03.05.2026

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