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Ambi­va­lente Ent­wick­lun­gen bei Geburten

Insti­tut für Demo­gra­phie der ÖAW ent­wi­ckelt neues Gebur­ten­ba­ro­me­ter für umfas­sende Ana­ly­sen zur Fer­ti­li­tät in Öster­reich. Immer mehr Frauen wol­len kin­der­los blei­ben, Zwei-Kind-Fami­lien häu­figs­tes Modell, Trend zu spä­ter Mut­ter­schaft, ältere Väter mit jün­ge­ren Partnerinnen.

Das neue Gebur­ten­ba­ro­me­ter des Insti­tuts für Demo­gra­phie der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten ermög­licht viel­fäl­tige und umfas­sende Ana­ly­sen von aktu­el­len Daten zur Fer­ti­li­tät in Öster­reich. Zusam­men­ge­fasst zei­gen die Ergeb­nisse, dass immer mehr Frauen kin­der­los blei­ben wol­len, und Zwei-Kind-Fami­lien das häu­figste Modell blei­ben. Mit dem Alter wer­den die Part­ne­rin­nen von Vätern jünger.

In fast allen euro­päi­schen Län­dern sinkt die Gebur­ten­rate seit Jah­ren, und die Erho­lung, die man­che Demo­gra­phen nach dem pan­de­mie­be­ding­ten Ein­bruch erwar­tet hat­ten, blieb aus. Die Gründe für diese Ent­wick­lung wer­den ebenso vom neuen Gebur­ten­ba­ro­me­ter des Insti­tuts für Demo­gra­phie der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten beleuch­tet, das ab sofort online zu fin­den ist (siehe Link).

Von der Pan­de­mie zur Infla­tion und andere Ursa­chen für beschleu­nig­ten Geburtenrückgang

„Über­ra­schen­der­weise führte die Pan­de­mie zunächst nicht zu einem dau­er­haf­ten Rück­gang der Gebur­ten­ra­ten“, sagt Kryš­tof Zeman, der das For­schungs­team am Insti­tut für Demo­gra­phie der ÖAW koor­di­niert. Doch zwi­schen 2022 und 2024 waren stei­gende Infla­tion und wirt­schaft­li­che Belas­tun­gen sowie der rus­si­sche Angriffs­krieg gegen die Ukraine Gründe für sin­kende Fertilitätsraten. 

Die­ser Rück­gang war beson­ders aus­ge­prägt bei jün­ge­ren Frauen, vor allem unter 25 Jah­ren, und bei Frauen mit zwei oder mehr Kin­dern. Der Indi­ka­tor „Durch­schnitt­li­che Peri­oden-Pari­tät“ (Period Average Parity/​PAP), ein Fer­ti­li­täts­in­di­ka­tor, der nicht nur die Alters­struk­tur der Frauen, son­dern auch ihre Kin­der­zahl berück­sich­tigt, sank in Öster­reich von 1,7 Kin­dern pro Frau im Jahr 2016 auf 1,6 zu Beginn der Corona-Pan­de­mie 2020 und wei­ter unter 1,5 im Jahr 2024.

Das Durch­schnitts­al­ter steigt kontinuierlich

Fort­ge­setzt hat sich auch ein lang­fris­ti­ger Struk­tur­wan­del: Das Durch­schnitts­al­ter bei der ers­ten Geburt stieg zwi­schen 1984 und 2024 um sechs Jahre und liegt nun bei exakt 30 Jah­ren. Das Gesamt­durch­schnitts­al­ter der Müt­ter bei allen Gebur­ten – also neben Erst­ge­bur­ten auch beim zwei­ten oder drit­ten Kind – sta­bi­li­sierte sich zuletzt bei 31,2 Jah­ren, nach­dem der Trend zu spä­te­rer Mut­ter­schaft bereits in den frü­hen 1970er-Jah­ren ein­ge­setzt hatte. Wäh­rend 1984 noch fast zehn Pro­zent der Babys von Teen­ager-Müt­tern gebo­ren wur­den, betrug der Anteil 2024 nur noch 1 Prozent.

Die Kin­der­lo­sig­keit liegt in Öster­reich im euro­päi­schen Ver­gleich rela­tiv hoch. Unter den im Jahr 1980 gebo­re­nen Frauen waren 19 Pro­zent kin­der­los. Ten­denz stei­gend. „Laut unse­rer Pro­gnose wird die­ser Anteil bei Frauen, die nach 1990 gebo­ren wur­den, über 25 Pro­zent stei­gen“, sagt Zeman. Gleich­zei­tig bleibt die Zwei-Kind-Fami­lie das mit Abstand häu­figste Modell. Fast 40 Pro­zent der Frauen haben zwei Kin­der. Die­ser Anteil ist unter Frauen, die zwi­schen 1950 und 1980 gebo­ren wur­den, bemer­kens­wert sta­bil geblie­ben und ver­deut­licht die große Bedeu­tung der Zwei-Kind-Norm.

Der Rück­gang des Kin­der­wun­sches in Zahlen

Ana­ly­siert wurde von den For­schern auch das Thema Kin­der­wunsch. 18 Pro­zent der 20- bis 29-jäh­ri­gen Frauen wol­len kin­der­los blei­ben. Mitte der 1980er-Jahre lag die­ser Anteil noch bei ledig­lich sechs Pro­zent. „Da ein Teil der Frauen unge­wollt kin­der­los bleibt, etwa aus gesund­heit­li­chen Grün­den, ist anzu­neh­men, dass die Kin­der­lo­sig­keit in Zukunft noch höher sein wird“, erklärt Caro­line Berg­ham­mer, Demo­gra­phin bei der ÖAW und Co-Autorin.

Die durch­schnitt­lich gewünschte Kin­der­zahl ist im Laufe der Zeit gesun­ken und liegt inzwi­schen unter zwei Kin­dern pro Frau. So wünsch­ten sich Frauen im Alter von 30 bis 39 Jah­ren im Jahr 2021 durch­schnitt­lich 1,6 Kin­der. 2012 waren es noch 1,8 und 1986 sogar 2,1 Kinder.

Väter wer­den älter und die Daten wer­den genauer

Das Gebur­ten­ba­ro­me­ter lie­fert auch (ver­gleichs­weise immer mehr) Daten zu Vätern von Neu­ge­bo­re­nen in Öster­reich. Zwar sind diese nicht voll­stän­dig, aber sie wer­den immer bes­ser: 2015 fehl­ten die Anga­ben zum Vater bei fast 6 Pro­zent der Lebend­ge­bur­ten, in den letz­ten Jah­ren lag die­ser Anteil nur noch bei 1 Pro­zent. Väter sind im Schnitt etwa drei Jahre älter als Mütter. 

2024 betrug das durch­schnitt­li­che Alter bei der Geburt 34,2 Jahre für Män­ner und 31,2 Jahre für Frauen. Der Alters­un­ter­schied zwi­schen Müt­tern und Vätern vari­iert aller­dings je nach Alter: „Wäh­rend junge Eltern bis 30 meist ähn­lich alt sind, wird die Alters­lü­cke ab die­sem Punkt grö­ßer: 40-jäh­rige Väter haben im Schnitt Part­ne­rin­nen, die 35 Jahre alt sind“, sagt Zeman.

Das Gebur­ten­ba­ro­me­ter des Insti­tuts für Demo­gra­phie der ÖAW

Das Gebur­ten­ba­ro­me­ter des Insti­tuts für Demo­gra­phie der ÖAW beob­ach­tet und ana­ly­siert die Fer­ti­li­tät in Öster­reich auf Basis von Daten der Sta­tis­tik Aus­tria. Acht Kapi­tel geben einen Über­blick über die Fer­ti­li­tät in Peri­oden- und Kohor­ten-Per­spek­tive, das Timing der Fer­ti­li­tät, die Fer­ti­li­tät von Migran­ten und die Fer­ti­li­tät von Männern.

Ebenso erho­ben und ana­ly­siert wur­den die Fer­ti­li­tät wäh­rend Corona, das Thema Kin­der­wunsch sowie das Gebur­ten­ba­ro­me­ter Wien. Die aktu­elle Aus­gabe auf Basis des Daten­stan­des 2024 wurde von Kryš­tof Zeman, Tomáš Sobotka, Richard Gis­ser, Maria Wink­ler-Dwo­rak, Caro­line Berg­ham­mer und Bern­hard Rie­de­rer ver­fasst, so die Öster­rei­chi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten in einer Aus­sendung. (red/​laucz)

Autor: red/laucz
06.06.2026

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