Zum Inhalt
© Pixabay_MohamedHassan

Ambi­va­lente Lage in Öster­reichs Industrie

Nach zwei Jah­ren Rezes­sion leichte Erho­lungs­ten­den­zen im vier­ten Quar­tal 2025. Umsatz und Exporte legen zu. Europa und Asien trei­ben Wachs­tum, US-Markt bricht ein. Aktu­elle Kri­sen wer­den posi­ti­ven Trend wie­der gefähr­den, so aktu­elle Erhe­bung von EY.

Nach zwei Jah­ren Rezes­sion zeigte die öster­rei­chi­sche Indus­trie im vier­ten Quar­tal 2025 erst­mals wie­der leichte Erho­lungs­ten­den­zen. Getra­gen von Unter­neh­men des pro­du­zie­ren­den Bereichs wurde ein Umsatz von rund 104 Mil­li­ar­den Euro erwirt­schaf­tet. Das ent­spricht einem Anstieg von 1,4 Pro­zent gegen­über dem Vor­jah­res­quar­tal. Damit wurde eine Serie von zehn Quar­ta­len mit Umsatz­rück­gän­gen beendet.

Elek­tro­nik und Maschi­nen­bau legen zu und Papier­bran­che verliert

„Das jüngste Umsatz­plus ist ein wich­ti­ges Signal, dass sich die indus­tri­elle Kon­junk­tur sta­bi­li­sie­ren könnte. Aller­dings bewe­gen wir uns wei­ter­hin auf einem ver­gleichs­weise nied­ri­gen Niveau – von einer nach­hal­ti­gen Trend­wende kann noch keine Rede sein“, sagt Axel Preiss, Lei­ter Indus­tri­als bei EY Öster­reich. „Wir erwar­ten zudem, dass der Kon­flikt mit Iran spür­bare Aus­wir­kun­gen auf die öster­rei­chi­sche Indus­trie haben wird, ins­be­son­dere über Ener­gie­preise, Lie­fer­ket­ten und das Inves­ti­ti­ons­klima. Die geo­po­li­ti­schen Fol­gen des Iran-Kon­flikts sind in die­sen Zah­len noch nicht abge­bil­det“, so Preiss.

Wäh­rend die Gesamt­ent­wick­lung lange Zeit rück­läu­fig war, zeig­ten ein­zelne Bran­chen zuletzt deut­li­che Wachs­tums­im­pulse. Beson­ders stark ent­wi­ckelte sich im vier­ten Quar­tal die Auto­mo­bil­in­dus­trie mit einem Umsatz­plus von knapp 16 Pro­zent. Auch die Elek­tro­tech­nik- und Elek­tronik­in­dus­trie sowie der Maschi­nen­bau konn­ten deut­lich zule­gen. Dem­ge­gen­über ver­zeich­nete die Papier- und Papp­e­indus­trie erneut einen Rück­gang von sie­ben Prozent.

Beschäf­ti­gung wei­ter rück­läu­fig und struk­tu­rel­ler Anpas­sungs­druck bleibt hoch
 Beim Thema Beschäf­ti­gung setzt sich der nega­tive Abwärts­trend trotz der leich­ten Umsatz­be­le­bung fort : Zum Ende des vier­ten Quar­tals 2025 waren im pro­du­zie­ren­den Bereich rund eine Mil­lio­nen Men­schen beschäf­tigt. Das ist ein Rück­gang von 2,2 Pro­zent bzw. rund 23.400 Arbeits­plät­zen im Ver­gleich zum Vor­jahr. Beson­ders stark betrof­fen ist erneut die Auto­mo­bil­in­dus­trie. Hier ging die Beschäf­ti­gung inner­halb eines Jah­res um fast sie­ben Pro­zent zurück, was einem Abbau von mehr als 2.200 Stel­len ent­spricht. Nur wenige Bran­chen konn­ten Arbeits­plätze auf­bauen, dar­un­ter Maschi­nen­bau (+1,2 Pro­zent) sowie die Che­mie- und Phar­ma­bran­che (+0,4 Prozent).

Lang­fris­tig zeigt sich hier aus Sicht der EY-Exper­ten ein dif­fe­ren­zier­tes Bild : Wäh­rend die tech­no­lo­gie­ge­trie­be­nen Indus­trien seit 2019 deut­li­che Beschäf­ti­gungs­zu­wächse ver­zeich­nen konn­ten – etwa Elektrotechnik/​Elektronik (+13 Pro­zent) oder Chemie/​Pharma (+14) – ste­hen klas­si­sche Indus­trien wie die Auto­mo­bil­bran­che wei­ter­hin unter einem erheb­li­chen Transformationsdruck.

Starke Dyna­mik nach oben und unten in Europa, Asien und den USA
 Eine Trend­wende zeigt im vier­ten Quar­tal auch die Export­ent­wick­lung : Die Aus­fuh­ren beweg­li­cher Güter inklu­sive elek­tri­schem Strom stie­gen um knapp drei Pro­zent auf rund 49 Mil­li­ar­den Euro. Damit wurde eine Serie von sie­ben Quar­ta­len mit rück­läu­fi­gen Expor­ten been­det. Trei­ber die­ser Ent­wick­lung waren vor allem stei­gende Exporte in die Euro­zone (+3,6 Pro­zent) sowie in asia­ti­sche Märkte (+9,8). Gleich­zei­tig zeigt sich jedoch eine zuneh­mende geo­po­li­ti­sche Frag­men­tie­rung : Die Exporte in die USA – immer­hin der zweit­wich­tigste Export­markt – gin­gen um 19 Pro­zent zurück, was einem Rück­gang von rund 800 Mil­lio­nen Euro entspricht.

Bemer­kens­wert ist, dass sich die Exporte in 14 der 15 wich­tigs­ten Absatz­märkte posi­tiv ent­wi­ckel­ten. Beson­ders starke Zuwächse gab es in die Schweiz, nach Ita­lien und Deutsch­land. Inner­halb der Bran­chen zeigte sich ein brei­tes Wachs­tum : Sie­ben von acht Indus­trie­zwei­gen stei­ger­ten ihre Exporte. Die Auto­mo­bil­in­dus­trie sowie die Elek­tro­tech­nik- und Elek­tronik­bran­che waren die stärks­ten Wachstumstreiber.

Hohe Kos­ten, Nach­fra­ge­schwä­che und glo­bale Wettbewerbsverschiebungen

Rück­läu­fig blieb ein­zig die Papier­in­dus­trie. „Die Export­zah­len zei­gen, dass die inter­na­tio­nale Nach­frage grund­sätz­lich vor­han­den ist. Gleich­zei­tig ver­deut­licht der mas­sive Rück­gang im US-Geschäft, wie stark geo­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen und Han­dels­be­zie­hun­gen die öster­rei­chi­sche Indus­trie beein­flus­sen“, so Preiss. Gene­rell betrach­tet zei­gen die aktu­el­len Zah­len ein ambi­va­len­tes Bild. 

Wäh­rend Umsatz und Exporte erst­mals seit län­ge­rer Zeit wie­der wach­sen, bleibt der Beschäf­ti­gungs­ab­bau ein kla­res Warn­si­gnal. Tech­no­lo­gie­ge­trie­bene und inno­va­ti­ons­starke Indus­trien pro­fi­tie­ren zuneh­mend von struk­tu­rel­len Trends wie Digi­ta­li­sie­rung, Ener­gie­ef­fi­zi­enz und nach­hal­ti­gen Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen. Klas­si­sche, ener­gie­in­ten­sive Bran­chen hin­ge­gen ste­hen wei­ter­hin unter erheb­li­chem Druck durch hohe Kos­ten, Nach­fra­ge­schwä­che und glo­bale Wettbewerbsverschiebungen.

Inves­ti­tio­nen in Inno­va­tion und die Trans­for­ma­tion bestehen­der Geschäftsmodelle

„Die ent­schei­dende Frage ist, ob die aktu­el­len posi­ti­ven Signale in eine nach­hal­tige Erho­lung mün­den, gerade auch im Hin­blick auf die aktu­elle geo­po­li­ti­sche Lage. Dafür braucht es aber auch gezielte Inves­ti­tio­nen in Inno­va­tion, neue Tech­no­lo­gien und die Trans­for­ma­tion bestehen­der Geschäfts­mo­delle. Nur so kann die öster­rei­chi­sche Indus­trie ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit lang­fris­tig sichern“, unter­streicht Axel Preiss von EY.

Die Ana­lyse basiert auf den Kon­junk­tur­da­ten der EU-har­mo­ni­sier­ten Kon­junk­tur­er­he­bung im Pro­du­zie­ren­den Bereich, hier im spe­zi­el­len auf den monat­li­chen Unter­neh­mens­da­ten (Pri­mär­er­he­bung plus modell­ba­sierte Dat­en­er­gän­zung). Die Ana­lyse der Export­ent­wick­lung ins­ge­samt und nach Län­dern basiert auf der Außen­han­dels­sta­tis­tik (ITGS – Inter­na­tio­nal Trade in Goods Sta­tis­tics) und erfasst Importe und Exporte beweg­li­cher Güter inkl. elek­tri­schem Strom, erläu­tert EY. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
17.04.2026

Weitere aktuelle Artikel

Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät galt lange als poli­ti­sches Schlag­wort. Inzwi­schen ist sie für Unter­neh­men ope­ra­tive Rea­li­tät. Ein Exper­ten­kom­men­tar von Robin Schmeis­ser, Geschäfts­füh­rer von Faba­soft Contracts. Mit der rasant stei­gen­den Ver­brei­tung von künst­li­cher Intel­li­genz (KI), wach­sen­den Cloud-Abhän­gig­kei­ten und zuneh­men­dem regu­la­to­ri­schem Druck stellt sich eine unbe­queme Frage : Wie viel Kon­trolle haben Unter­neh­men noch über ihre Daten, Sys­teme und digi­ta­len […]
2024 wur­den in Öster­reich mehr Unter­neh­men gegrün­det. Fast 90 Pro­zent der Start-Ups kom­men aus den Berei­chen Dienst­leis­tung und Han­del und die über­wie­gende Mehr­heit sind Klein(st)unternehmen. Exakt 39.554 neue Betriebe wur­den laut Sta­tis­tik Aus­tria im Jahr 2024 in Öster­reich gegrün­det. Das ist eine Stei­ge­rung um rund fünf Pro­zent gegen­über 2023 als Vor­jahr. Für das Jahr 2025 lie­gen […]
US-Tech-Kon­zerne bauen Domi­nanz an den Welt­bör­sen wei­ter aus. KI-Boom treibt Bewer­tun­gen auf neue Rekorde. Nvi­dia, Alpha­bet und Apple aktu­ell als höchst­be­wer­tete Unter­neh­men. 36 Tech-Com­pa­nies unter Top 100. Kein euro­päi­sches Unter­neh­men unter den Top 10.  Die wert­volls­ten bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men der Welt haben ihren Markt­wert im ers­ten Halb­jahr 2026 erneut kräf­tig gestei­gert, und das, trotz geo­po­li­ti­scher Span­nun­gen, Kon­junk­tur­flaute […]
Land NÖ stärkt regio­nale Betriebe mit wei­te­ren Inves­ti­tio­nen. NÖBEG inves­tiert wei­tere 5 Mil­lio­nen Euro in kleine und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men und sichert damit auch über 250 Arbeits­plätze. Gesam­tes aktu­el­les Invest­vo­lu­men in Höhe von 15 Mil­lio­nen Euro. Die Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­re­gie­rung hat soeben stille Betei­li­gun­gen der NÖ Bürg­schaf­ten und Betei­li­gun­gen GmbH (NÖBEG) für sechs nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Unter­neh­men im Aus­maß von rund […]
Fis­kal­rat kri­ti­siert Bud­get­si­tua­tion. Kon­so­li­die­rungs­pfad klar ver­fehlt. Defi­zit bis 2030 wei­ter über drei Pro­zent­grenze des BIP. Keine Struk­tur­re­for­men. Ergeb­nis­lose Reform­part­ner­schaft mit Län­dern und Gemein­den. Keine Kri­sen­re­si­li­enz und wachs­tums­ori­en­tierte Maßnahmen. Die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung in Per­son von Finanz­mi­nis­ter Mar­kus Mar­ter­bauer hat kürz­lich ihr Dop­pel­bud­get für die Jahre 2027 und 2028 ver­öf­fent­licht. Nun hat der öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat seine ent­spre­chende […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram