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Ambi­va­lente Wie­der­be­le­bung der Autobranche

Nach­hal­ti­ger Auf­wärts­trend am Neu­wa­gen­markt der EU. 20 von 27 Län­dern ver­zeich­nen stei­gende Neu­zu­las­sun­gen. Auch deut­sche Auto­bauer gewin­nen Markt­an­teile. Situa­tion bei E‑Autos schwierig.

Der Absatz von Neu­wa­gen liegt im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf wei­ter­hin über dem Niveau des Vor­jah­res. Im Okto­ber betrug der Wert im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat knapp sechs Pro­zent plus. Von den 27 EU-Län­dern ver­zeich­ne­ten 20 im Okto­ber stei­gende Neu­zu­las­sun­gen. In Öster­reich stie­gen die Neu­zu­las­sun­gen um elf Pro­zent, im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf um 12,5 Prozent. 

Im Ver­gleich zum Zeit­raum vor der Corona-Pan­de­mie liegt das Absatz­ni­veau aber immer noch deut­lich dar­un­ter. Im Jahr 2019 wur­den im Zeit­raum Jän­ner bis Okto­ber in der EU 18 Pro­zent mehr Neu­wa­gen zuge­las­sen als im lau­fen­den Jahr. In abso­lu­ten Zah­len bedeu­tet das fast zwei Mil­lio­nen Pkw, so eine aktu­elle Ana­lyse von EY.

„Der euro­päi­sche Neu­wa­gen­markt zeigt zwar wie­der eine leichte Auf­wärts­be­we­gung, doch man darf nicht ver­ges­sen, wie tief das Aus­gangs­ni­veau zuletzt war“, erklärt Axel Preiss, Lei­ter Indus­tri­als bei EY Öster­reich. „Von einer ech­ten, breit getra­ge­nen Erho­lung kann keine Rede sein und ange­sichts der wei­ter­hin anspruchs­vol­len Rah­men­be­din­gun­gen bleibt die Nach­frage ver­hal­ten“, so Preiss.

Unter­neh­men wie Pri­vat­per­so­nen zögern und Renault, BMW und Volks­wa­gen wach­sen stark

Die Exper­ten bei EY sehen die Stei­ge­rung auch in Ver­bin­dung mit einem Ersatz­be­darf, der nach Jah­ren mit sehr nied­ri­gen Ver­kaufs­zah­len zwar enorm gestie­gen sei, trotz­dem wür­den Unter­neh­men wie Pri­vat­per­so­nen beim Neu­wa­gen­kauf zögern. Die Gründe dafür sind „eine schwa­che Kon­junk­tur, hohe Preise, poli­ti­sche Unsi­cher­hei­ten und wach­sende Sor­gen rund um Beschäf­ti­gung und Ein­kom­men“, erläu­tert Axel Preiss. Eine Fol­ge­wir­kung ist auch ein zuneh­men­des Durch­schnitts­al­ter der Fahrzeuge.

Rele­vante Ver­än­de­run­gen gibt es bei den Markt­an­tei­len der ein­zel­nen Auto-Kon­zerne. Im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf konn­ten vor allem Renault, BMW und Volks­wa­gen über­durch­schnitt­lich stark wach­sen und Markt­an­teile gewin­nen, wäh­rend ins­be­son­dere Stellan­tis (Anm. Opel, Peu­geot, Citroen, Chrys­ler, Fiat, Alfa Romeo, Jeep, Mase­r­ati u.w.), Toyota, Hyun­dai und Tesla Markt­an­teile abge­ge­ben haben. Ins­ge­samt leg­ten die Pkw-Neu­zu­las­sun­gen der drei deut­schen Auto­kon­zerne heuer um 4,9 Pro­zent zu. Ihr gemein­sa­mer Markt­an­teil stieg damit von 38,4 auf 39,7 Pro­zent. Der Gesamt­markt stieg um 1,4 Prozent.

EU-wei­ter Absatz­rück­gang mit deut­li­chen Markt­an­teils­ver­lus­ten für Tesla

Der Elek­tro­auto-Pio­nier Tesla ver­zeich­nete im Okto­ber einen deut­li­chen EU-wei­ten Absatz­rück­gang und Markt­an­teils­ver­luste. Nach­dem das Absatz­mi­nus im Sep­tem­ber nur 19 Pro­zent betra­gen hatte, wei­tete es sich im Okto­ber auf 48 Pro­zent aus. Der Tesla-Anteil am Elek­tro-Markt schrumpfte im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat von neun auf drei Prozent.

Wei­ter­hin deut­lich zwei­stel­lig und wie schon in den Vor­mo­na­ten stieg der Absatz von Elek­tro­au­tos. EU-weit sind es 39 Pro­zent, 20 von 27 EU-Län­dern ver­zeich­ne­ten stei­gende Neu­zu­las­sun­gen von Elek­tro­au­tos. Ihr Markt­an­teil stieg im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat von 14,4 auf 18,9 Pro­zent. In Öster­reich stie­gen die Neu­zu­las­sun­gen von Elek­tro­au­tos im Okto­ber um 29 Pro­zent, der Markt­an­teil klet­terte von 18,2 auf 21,1 Prozent.

Hohe staat­li­che För­de­run­gen und Rabatte und wenig Gewinn bei E‑Autos

Im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf ist der Absatz von Elek­tro­au­tos im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum EU-weit um 26 Pro­zent gewach­sen – aller­dings war 2024 ein sehr schwa­ches Jahr für die E‑Mobilität. Für den Zwei-Jah­res-Zeit­raum von 2023 bis 2025 ergibt sich nur eine durch­schnitt­li­che jähr­li­che Wachs­tums­rate von neun Prozent. 

„Die hohen Wachs­tums­ra­ten im Elek­tro­seg­ment ver­mit­teln ein trü­ge­ri­sches Bild – tat­säch­lich bleibt die Ent­wick­lung weit hin­ter den Erwar­tun­gen frü­he­rer Jahre zurück“, betont Axel Preiss von EY. „Der aktu­elle Absatz ist zudem durch staat­li­che För­de­run­gen und durch teils erheb­li­che Rabatte der Her­stel­ler teuer erkauft. E‑Modelle wür­den regel­recht in den Markt gedrückt und kaum Gewinne erzielt“.

EU-Regel für Zulas­sung von emis­si­ons­freien Neu­wa­gen muss sich anpassen

Bezüg­lich der Zukunft von E‑Autos meint Auto-Experte Preiss : „Der Elek­tro­an­trieb wird wei­ter Markt­an­teile gewin­nen, doch selbst bei einem jähr­li­chen Wachs­tum von 20 Pro­zent wäre ein 50-Pro­zent-Anteil erst etwa 2032 rea­lis­tisch. Vor die­sem Hin­ter­grund wird sich die EU-Regel, ab 2035 nur noch emis­si­ons­freie Neu­wa­gen zuzu­las­sen, an die Rea­li­tät anpas­sen müssen“.

„Wir sehen vie­ler­orts eine Rück­be­sin­nung auf den Ver­bren­nungs­mo­tor – ins­be­son­dere in Form von Hybrid­lö­sun­gen. Die Zukunft wird deut­lich tech­no­lo­gie­of­fe­ner aus­fal­len, als es die poli­ti­sche Debatte lange ver­mu­ten ließ“, sagt Preiss. „Am Ende bestä­tigt sich eine alte Erkennt­nis : Der Markt fin­det die Lösun­gen, die den Bedürf­nis­sen der Men­schen wirk­lich ent­spre­chen – vor­aus­ge­setzt, Unter­neh­men wer­den nicht durch ideo­lo­gi­sche Vor­ga­ben daran gehindert“.

Neue E‑Modelle im Pre­mi­um­seg­ment und preis­güns­tige E‑Autos

Axel Preiss rech­net auch im kom­men­den Jahr ist mit einem mode­ra­ten Anstieg der Elek­tro­auto-Ver­käufe. „Zum einen wer­den neue Modelle im Pre­mi­um­seg­ment mit 800-Volt-Tech­no­lo­gie und sehr kur­zen Lade­zei­ten für Schub sor­gen – beson­ders attrak­tiv für Dienst­wa­gen­fah­rer, die etwa in Deutsch­land durch steu­er­li­che Vor­teile eine zen­trale Ziel­gruppe dar­stel­len“. Und dann ver­weist der EY-Experte auf neue, preis­lich nied­ri­gere E‑Modelle für zusätz­li­che Käufergruppen.

Aktu­ell ist in West­eu­ropa ein neu auf den Markt gekom­me­nes Elek­tro-Ein­stiegs­mo­dell der Best­sel­ler : Der Skoda Elroq, der seit die­sem Jahr aus­ge­lie­fert wird, lag im Okto­ber in den zwölf ein­seh­ba­ren west­eu­ro­päi­schen Län­dern mit knapp 9.200 Neu­zu­las­sun­gen auf dem ers­ten Platz. Dahin­ter liegt der eben­falls neu auf den Markt gekom­mene Renault R5 mit knapp 7.000 Neu­zu­las­sun­gen, zwei Drit­tel davon in Frankreich. 

Spit­zen­werte für E‑Autos von VW und gene­rell nied­rige E‑Marktanteile in Ost- und Südosteuropa

Auf den Rän­gen drei bis fünf plat­zie­ren sich drei Modelle von Volks­wa­gen : Der VW ID.4/5, der VW ID.7 und der VW ID.3. Als Elek­tro-Mus­ter­kna­ben erwie­sen sich auch im Okto­ber vor allem die Län­der in Nord­eu­ropa und die Bene­lux-Län­der. In vie­len ande­ren EU-Län­dern sind Elek­tro­au­tos hin­ge­gen nach wie vor ein Nischen­pro­dukt : In immer­hin 13 EU-Län­dern lag der Elek­tro- Markt­an­teil im Okto­ber unter zehn Prozent.

Beson­ders nied­rig ist der Markt­an­teil von Elek­tro­au­tos wei­ter­hin in den ost- und süd­ost­eu­ro­päi­schen Län­dern. In Kroa­tien lag er im Okto­ber etwa bei vier Pro­zent, in der Slo­wa­kei, Ita­lien und Tsche­chien bei jeweils fünf Pro­zent. Ins­ge­samt stieg der Markt­an­teil von Elek­tro­au­tos in den ost- und süd­ost­eu­ro­päi­schen Län­dern im Okto­ber gegen­über dem Vor­jah­res­mo­nat von 4,6 auf 7,8 Prozent. 

Höchste Markt­an­teile von E‑Autos in Skan­di­na­vien und starke Zunahme von Plug-in-Hybriden

Gro­ßer Beliebt­heit erfreuen sich E‑Autos in den skan­di­na­vi­schen Län­dern. Nor­we­gen wies im Okto­ber mit 97 Pro­zent den mit Abstand höchs­ten Markt­an­teil von Elek­tro­au­tos in Europa aus. Dahin­ter fol­gen Däne­mark mit 72 Pro­zent, die Nie­der­lande (40) sowie Schwe­den und Finn­land (jeweils 36 Pro­zent). In den skan­di­na­vi­schen Län­dern ins­ge­samt stieg der E‑Marktanteil im Okto­ber im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat von 43 auf 58 Prozent.

Noch stär­ker als bei Elek­tro­au­tos stie­gen die Neu­zu­las­sun­gen bei Plug-in-Hybri­den, die EU-weit sogar um 43 Pro­zent zuleg­ten, der Markt­an­teil stieg von 6,8 auf 10,3 Pro­zent. In Öster­reich lag das Wachs­tum bei 50 Pro­zent, der Markt­an­teil stieg von 8,2 auf elf Pro­zent. Die höchs­ten Markt­an­teile erziel­ten Plug-in-Hybride im Okto­ber in Schwe­den (30 Pro­zent) und den Nie­der­lan­den (21). Der kom­bi­nierte Markt­an­teil bei­der elek­tri­schen Antriebs­ar­ten (BEV und PHEV) war in Däne­mark (72), Schwe­den (66 Pro­zent) am höchs­ten unter allen EU-Län­dern. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
08.12.2025

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