
Arbeitskosten und Energiekosten und Bürokratie
Österreichs Chemiefirmen unter massivem wirtschaftlichen Druck. Fachverband analysiert größte Belastungen und volkswirtschaftliche Auswirkungen. Erhöhter Druck bis hin zu Existenzängsten auch bei deutschen Unternehmen.
96 Prozent aller in der EU hergestellten Waren benötigen chemische Produkte als Vorleistung. Ohne die Chemie gäbe es etwa keine Fahrzeuge, keine Elektrogeräte, keine Baustoffe, keine Textilien, keine Lebensmittel oder keine Energieversorgung. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, ein Rückgang der Investitionen und eine Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen haben daher volkswirtschaftliche Auswirkungen. Ein weiterer Aspekt ist die Zunahme von ohnehin schon großen Abhängigkeiten von anderen Ländern wie etwa China.
Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist die gesetzliche Interessenvertretung der Branche in Österreich. Die etwa 230 Mitgliedsunternehmen produzieren in unterschiedlichen Sektoren, das erstreckt sich von Pharmazeutika, Kunststoffen und Kunststoffwaren über Fasern, Lacke oder Düngemittel bis hin zu organischen und anorganischen Chemikalien.
Forderung nach Reduktion der Energiekosten
Laut der aktuellen Umfrage des Fachverbands unter allen Mitgliedsbetrieben hat sich nun die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe massiv verschlechtert, nach ohnehin schon zwei schwierigen Jahren. Rund 55 Prozent der Unternehmen berichten über Umsatzeinbußen, nur 16 Prozent sehen eine positive Entwicklung. Fast ein Drittel der Unternehmen mussten ihre Investitionen deutlich reduzieren, nach einem bereits verhaltenen Investitionsjahr 2024. Eine Verbesserung in den kommenden Monaten ist nicht in Sicht.
„Wir stehen unter massivem Druck“, warnt Ulrich Wieltsch, Obmann des Fachverbands. „Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, braucht es insbesondere eine dringende Reduktion der Energiekosten sowie Unterstützung gegen die zunehmenden Verwerfungen auf den internationalen Märkten“, unterstreicht der promovierte Techniker und Verbandschef. Im Detail fordert der Verband eine Ausweitung des Stromkosten-Ausgleichsgesetzes auf die chemische Industrie und reduzierte Netzkosten, Steuern und CO2-Bepreisung.
Energie- und Arbeitskosten belasten 78 Prozent der Betriebe
Die FCIO-Mitgliederumfrage nennt auch die größten Belastungen : 84 Prozent der Unternehmen nennen die Arbeitskosten, 72 Prozent die Energiekosten und 65 Prozent die zunehmende Regulierung und Bürokratie als zentrale Wettbewerbshemmnisse. Sorgen bereitet auch die internationale Handelspolitik : 64 Prozent der Befragten berichten über negative Auswirkungen der US-Handelspolitik und 53 Prozent über Belastungen durch die chinesische Wirtschaftspolitik.
Die aktuelle Wirtschaftskrise spiegelt sich auch in Deutschland, wo nun immer mehr Unternehmen um ihre Existenz fürchten. Die Wirtschaftsforscher des Münchner ifo-Instituts erheben branchenübergreifend wie gesamtwirtschaftlich regelmäßige Entwicklungen und hier zeigt sich nun ein bedrohlicher Trend.
Hohes Niveau bei Unternehmensinsolvenzen
Der Anteil deutscher Unternehmen, die ihre wirtschaftliche Existenz akut bedroht sehen, ist auf über acht Prozent gestiegen. Im Oktober 2024 waren es noch knapp über sieben Prozent. Das hat auch unmittelbare Auswirkungen auf das Thema Unternehmensinsolvenzen. „Die Zahl der Firmeninsolvenzen dürfte damit auch in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben“, so Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen.
Die von den Betrieben genannten Gründe für diese Entwicklung sind die gleichen wie in Österreich : gestiegene Betriebs- und Personalkosten und hohe bürokratische Anforderungen belasten die Unternehmen, während die fehlende Nachfrage ihre Umsätze schmälert. Als größte Gefahr für ihre Existenz sehen die Unternehmen branchenübergreifend den Auftragsmangel, der zu erheblichen Liquiditätsengpässen führt.
Problembranchen Einzelhandel und Dienstleistungen
Insbesondere im Einzelhandel steigen die Existenzsorgen. 15 Prozent berichten von tiefgreifenden wirtschaftlichen Problemen. Im letzten Jahr waren es noch unter 14 Prozent. Auch bei den Dienstleistern stieg die Insolvenzgefahr. Hier sehen sich fasst acht Prozent der Unternehmen in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, im Oktober 2024 waren es noch unter sechs Prozent.
Zumindest etwas Entspannung gibt es in der Industrie, hier ist der Anteil leicht von 8,6 auf 8,1 Prozent gesunken, so das ifo-Institut. Auch in der Baubranche gab es etwas Entspannung. Im Vorjahr lag der Wert bei exakt 7,9 Prozent, nun haben 6,3 Prozent der Unternehmen massive wirtschaftliche Probleme. (red/czaak)