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Auch die OMV bohrt tief im Meer

Die OMV ist ein inter­na­tio­na­ler Player gewor­den, wenn auch ein klei­ner. Öl und Gas wer­den von der Nord­see bis Neu­see­land geför­dert, von Kur­di­stan bis Paki­stan. Doch der BP-Unfall hat die OMV öffent­lich­keits­scheu gemacht.

Im Okto­ber 2009 machte die OMV ihre erste eigene Tief­see­boh­rung – und wurde fün­dig. Und zwar im Tor­nado-Feld west­lich der Shet­land Inseln in der Nord­see, in einer Mee­res­tiefe von 1048 Metern. Die Boh­rung ging bis auf eine Gesamt­tiefe von 2638 Meter. „Wir freuen uns, dass unsere erste eigen­ope­rierte Tief­was­ser-Explo­ra­ti­ons­boh­rung in Groß­bri­tan­nien erfolg­reich auf Öl- und Gas­vor­kom­men gesto­ßen ist“, sagte der für Explo­ra­tion ver­ant­wort­li­che OMV-Vor­stand Hel­mut Langan­ger in einer Aus­sendung am 2. Novem­ber 2009. Der­zeit wer­den die Daten aus­ge­wer­tet, um den wirt­schaft­li­chen Nut­zen des Ölfel­des abzuschätzen.
Doch nach der BP-Ölka­ta­stro­phe im Golf von Mexiko gilt alles, was off­shore und tief ist, als gefähr­lich. Und die OMV ver­passte sich Zurück­hal­tung in der Öffent­lich­keit. „Die OMV plant und führt der­zeit keine Tief­see­boh­run­gen durch“, beschied OMV-Pres­se­spre­cher Sven Puss­wald. Das stimmt wohl – wenn die Beto­nung auf „der­zeit“ liegt.

Suche in der Wüste und im Meer
Denn im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt hat die OMV zahl­rei­che Explo­ra­ti­ons­li­zen­zen erwor­ben. Viele davon sind in der Wüste, in Libyen etwa oder im Jemen. Andere sind im Meer, durch­aus in tie­fen Tie­fen. So hat die OMV vor der Küste Ägyp­tens gebohrt und zehn Off­shore-Lizen­zen in Nor­we­gen erwor­ben, davon sie­ben als Betriebs­füh­rer. Der­zeit wer­den seis­mi­sche Unter­su­chun­gen gemacht, 2011 soll, laut Web­site, nach Öl gesucht werden.
Ihren offen­si­ven Wachs­tums­kurs hat die OMV in den spä­ten 1990er Jah­ren ein­ge­lei­tet. Damals war sie unter ande­rem in Libyen, Paki­stan und im bür­ger­kriegs­zer­ris­se­nen Sudan tätig und suchte nach Inves­ti­ti­ons­chan­cen in einem OECD-Land, um das poli­ti­sche Risiko zu diver­si­fi­zie­ren. Die Wahl fiel auf Aus­tra­lien, und die Methode war eine feind­li­che Über­nahme des aus­tra­li­schen Unter­neh­mens Cultus.
2001 setzte sich der OMV-Vor­stand das Ziel, die OMV bis zum Ende des Jahr­zehnts auf dop­pelte Größe zu brin­gen. Die Öl- und Gas­för­de­rung sollte von 76.000 Bar­rel Öläqui­va­lent pro Tag (boe/​d) bis 2008 auf 180.000 boe/​d erhöht wer­den. Das gelang. Denn 2004 über­nahm die OMV 51 Pro­zent der rumä­ni­schen Petrom samt ihrer rei­chen Reser­ven in Rumä­nien, Off­shore-Lizen­zen im Schwar­zen Meer und För­der­li­zen­zen in Kasach­stan. Im ers­ten Halb­jahr 2010 för­derte die OMV welt­weit 317.000 boe/​d, davon stamm­ten 57 Pro­zent aus Rumä­nien und 13 Pro­zent aus Österreich.
Rumä­nien hat, so wie Öster­reich, reife, bereits stark aus­ge­beu­tete Öl- und Gas­fel­der. In die­sen Fel­dern lagern aber noch viele Reser­ven, die schwe­rer zu för­dern sind. Das tech­ni­sche Kön­nen der OMV besteht darin, die För­de­rung aus rei­fen Fel­dern noch wei­ter zu steigern.
Doch ein der Wirt­schafts­wachs­tums­dok­trin unter­lie­gen­des Unter­neh­men kann sich nicht auf rei­fen Fel­dern aus­ru­hen. Wes­halb die OMV in einem stän­di­gen Wett­kampf um Explo­ra­ti­ons­li­zen­zen für noch unaus­ge­beu­tete Fel­der liegt. Im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt hat die OMV vor allem in Libyen, Tune­sien, Jemen, Kasach­stan, in der Nord­see und in Neu­see­land Öl gesucht und geför­dert. In Paki­stan und Kur­di­stan (Nord­irak) wird vor allem Gas gewon­nen. Im Schnitt führt die OMV jähr­lich 200 Boh­run­gen on­shore und fünf bis zehn Boh­run­gen off­shore durch.

Tro­ckene Bohrung
Explo­ra­ti­ons­boh­run­gen erfor­dern viel Kapi­tal und ber­gen ein hohes Risiko, nicht fün­dig zu wer­den. Wes­halb die Ölsu­che meist in einem Joint Ven­ture mit ande­ren Unter­neh­men erfolgt. Eine onshore Boh­rung kos­tet fünf bis 30 Mio. Dol­lar, im off­shore Bereich 15 bis 100 Mio. Dol­lar. Von zehn Explo­ra­ti­ons­boh­run­gen sind nur drei erfolgreich.
So ein Fehl­schlag pas­sierte etwa vor der Küste Paki­stans. 2003 form­ten die fran­zö­si­sche Total als Betriebs­füh­rer, die OMV mit einer 15­ Pro­zent-Betei­li­gung und drei andere Unter­neh­men ein Joint Ven­ture für Boh­run­gen in einer Was­ser­tiefe von 1700 bis 3400 Metern. Die OMV kün­digte das Pro­jekt stolz an, doch Erfolgs­mel­dung folgte keine. Die paki­sta­ni­sche Pak Tri­bune schrieb im Juli 2005, dass die Boh­rung „tro­cken“ war und 30 Mio. Dol­lar in den Sand – oder eigent­lich ins Was­ser – gesetzt wurden.
In Neu­see­land ist die OMV dage­gen sehr erfolg­reich. Sie ist heute der größte Erdöl- und dritt­größte Gas­pro­du­zent des Lan­des. Die 1999 gekaufte aus­tra­li­sche Cul­tus hielt auch Off­shore-Explo­ra­ti­ons­li­zen­zen für das Maari-Feld in Neu­see­land. Die OMV bohrte dort nach Öl, wurde fün­dig und ent­wi­ckelte das Feld. Seit Februar 2009 wird Öl geför­dert – unter schwie­ri­gen Bedin­gun­gen. Die Mee­res­tiefe beträgt zwar nur 100 Meter, doch das Wet­ter ist oft schlecht. Dafür hält das Maari-Feld wahr­schein­lich dop­pelt so viel Öl wie ursprüng­lich angenommen.
Nicht nur das Risiko bei der Ölsu­che ist hoch, auch der poten­zi­elle Gewinn ist es. Den Groß­teil ihres Gewinns ver­dient die OMV mit Explo­ra­tion und Pro­duk­tion, nicht mit dem Tank­stel­len­ver­kauf – vor­aus­ge­setzt, der Ölpreis ist hoch.

Autor:
27.08.2010

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