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Aus dem Wind­schat­ten der Autoriesen

Mit den Fahr­zeug­her­stel­lern gera­ten auch Zulie­fe­rer unter die Räder. Neue Märkte sol­len Unab­hän­gig­keit bringen.

Viel­leicht schafft es Del­phi heuer. Seit drei Jah­ren hängt der Hof­lie­fe­rant von Gene­ral Motors (GM) in der Insol­venz fest. Mit weni­ger Geschäfts­be­rei­chen, weni­ger Mit­ar­bei­tern und gerin­ge­ren Kos­ten steht der welt­weit fünft­größte Auto-zulie­fe­rer inzwi­schen bes­ser da, für ein Ende des Chap­ter-11-Ver­fah­rens reichte es bis­her aber noch nicht. Bis Jah­res-ende, so die Ein­schät­zung eini­ger Ana­lys­ten, könnte der Schritt jedoch gelin­gen – ein Ende der Tal­fahrt bei GM vorausgesetzt.
Gleich­zei­tig gibt die Lage in Detroit nur sehr bedingt Anlass zu Hoff­nung. Zwar griff GM sei­nem strau­cheln­den Spin-off unter die Arme und über­nahm Mitte Sep­tem­ber 3,4 Mrd. Dol­lar (2,4 Mrd. Euro) an Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen von Del­phi. Zu sol­chen Hil­fe­leis­tun­gen hatte sich der Auto­riese bei der Tei­lung der Unter­neh­men aller­dings auch ver­pflich­tet. Im Falle einer Pleite des Zulie­fe­rers wäre bei GM nicht nur die unmit­tel­bare Wei­ter­füh­rung der Fahr­zeug­pro­duk­tion in Gefahr. Auch die gesam­ten Pen­si­ons­an­sprü­che der Del­phi-Mit­ar­bei­ter wür­den auf den gebeu­tel­ten Auto­rie­sen zurück­fal­len. Die­sem steht an sei­nem 100. Geburts­tag ohne­hin das Was­ser bis zum Hals.
Die schlechte Kon­junk­tur lässt den Auto­ab­satz welt­weit schrump­fen. Stei­gende Roh­stoff­preise drü­cken auf die Pro­fite der Indus­trie. Auto­bauer dros­seln die Pro­duk-tion, ihre Zulie­fe­rer zie­hen nach. Ganz auf ihre Groß­kun­den ein­ge­stellt, über­nah­men diese in den letz­ten Jah­ren zuneh­mend Ent­wick­lungs­auf­ga­ben, folg­ten den Wer­ken der Her­stel­ler nach Ost­eu­ropa und Asien.

Hin zu neuen Märkten
Das Risiko der Abhän­gig­keit wurde vie­len Zulie­fe­rern durch hohe Pro­fite ver­süßt. Wer kann, spielt sich außer­dem mit eige­ner For­schung frei oder schafft sich alter­na­tive Standbeine.
Der welt­größte Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Robert Bosch etwa wen­det sich ver­stärkt erneu­er­ba­ren Ener­gien zu. Die Über­nahme von Ersol, einem Foto­vol­ta­ik­her­stel­ler, bestä­tigt diese Kurs­än­de­rung. Dabei kommt der deut­sche Zünd­ker­zen-Erfin­der bei der der­zei­ti­gen Krise noch recht gut weg. Die Flaute in den USA kann mit Geschäf­ten in Russ­land und Asien wett­ge­macht werden.
Der kana­di­sche Zulie­fe­rer Magna Inter­na­tio­nal, mit Ein­künf­ten von 26,1 Mrd. Dol­lar (19,5 Mrd. Euro) dritt­größ­ter Player, ver­sucht, seine Abhän­gig­keit vom deut­schen und ame­ri­ka­ni­schen Markt eben­falls mit einer Expan­sion nach Russ­land zu ver­rin­gern. Dort geht Magna dem Auto­bauer Gaz bei der Pro­duk­tion von Chrys­ler-Model­len zur Hand. Doch die Finanz­krise reicht auch nach Russ­land. Olig­arch Oleg Deri­paska, der Gaz kon­trol­liert, musste Anfang Okto­ber seine Anteile am Geschäfts­part­ner Magna der fran­zö­si­schen Bank BNP Pari­bas über­las­sen. Eine Über­ein­kunft beim Kauf der Anteile sah vor, dass die Bank diese ein­zie­hen könnte, sollte deren Wert deut­lich unter den Kauf­preis fallen.
Dass Tumulte auf dem Finanz­markt auch den kre­dit­fi­nan­zier­ten Deal zwi­schen der deut­schen Schaeff­ler-Gruppe und Zulie­fe­rer Con­ti­nen­tal gefähr­den könn­ten, wird von den betei­lig­ten Ban­ken demen­tiert. Schaeff­ler würde mit der Über­nahme jeden­falls auf Platz drei der Zulie­fe­rer-Charts vor­sto­ßen. Auch die Num­mer zehn auf dem Markt, das deut­sche Unter­neh­men ZF Fried­richs­ha­fen, setzt auf Wachs­tum. Der Zukauf des US-Unter­neh­mens Cherry soll ZF im Bereich Mecha­tro­nik fit­ter machen.

Japa­ner in Amerika
Von der Expan­sion japa­ni­scher Auto­kon­zerne, unter ande­rem auch in die USA, pro­fi­tiert Denso. Umsatz­ein­brü­che bei GM und Co gin­gen bis vor Kur­zem noch mit kräf­ti­gen Zuwäch­sen für Toyota ein­her, zu des­sen Fir­men­gruppe der japa­ni­sche Zulie­fe­rer zählt.
Ford, wei­ter­hin in aku­ter Geld­not, soll laut der japa­ni­schen Zei­tung Nik­kei seine Mazda-Anteile Denso zum Kauf ange­bo­ten haben. Für die erfolg­rei­chen Japa­ner käme das Ange­bot gerade recht. Sie wol­len ihr Geschäft mit Mazda ohne­hin ausweiten.

Autor:
01.11.2008

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