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Aus­ge­forschte Jugend

Das Öster­rei­chi­sche Insti­tut für Jugend­for­schung muss zusper­ren, weil För­der­gel­der abge­dreht wer­den. Kon­sum­ori­en­tierte Ad-hoc-Befra­gun­gen statt Grund­la­gen­for­schung heißt’s in Zukunft.

Nicht nur Öster­reichs Unis sind Opfer eines rigi­den Spar­kur­ses, der die Bil­dung und For­schung des Lan­des sys­te­ma­tisch aus­trock­net. Echt trau­rig. Aber das Aus für das Insti­tut für Jugend­for­schung (ÖIJ) ist so gut wie fix. Für 2010 gibt es kei­ner­lei För­der­zu­sa­gen, wes­halb die Mit­glie­der des For­schungs­ver­ei­nes keine Mög­lich­keit sehen, die For­schungs­tä­tig­keit wei­ter­zu­füh­ren. „Dabei ist gerade eine inter­dis­zi­pli­näre, kon­ti­nu­ier­li­che Grund­la­gen­for­schung, wie wir sie betrie­ben haben, wich­tige Basis für zukunfts­ori­en­tierte Jugend­po­li­tik“, betont Patrick Ros­ner, geschäfts­füh­ren­der Vor­sit­zen­der des ÖIJ.
Was bewegt denn unsere Jugend? Was den­ken und wün­schen sich die Jun­gen? Fra­gen, die Poli­tik und Gesell­schaft anschei­nend nur unmit­tel­bar vor Wah­len oder im Sinne der Markt­wirt­schaft­lich­keit inter­es­sie­ren. „Fun­dierte Aus­sa­gen und Stu­dien über die Lebens­wel­ten der Jugend­li­chen, ihre Pro­bleme, Wert­vor­stel­lun­gen, Ängste oder Zukunfts­per­spek­ti­ven kön­nen wir in Zukunft nicht mehr bie­ten. Wir müs­sen die For­scher kün­di­gen und das Insi­tut zusper­ren – und das im 50. Jubi­lä­ums­jahr“, bedau­ert Rosner.
Der Ver­ein stellt per 31. Dezem­ber seine Geschäfts­tä­tig­kei­ten ein. Auch die größte Kin­der- und Jugend­for­schungs­bi­blio­thek Öster­reichs, die sich am ÖIJ befin­det und bereits seit einem Jahr geschlos­sen ist, muss bis Jah­res­ende über­sie­delt sein. Wohin, ist noch unge­klärt, da Platz und Finan­zie­rung für die Auf­be­wah­rung der rund 12.000 Werke feh­len. Laut Aus­kunft von ÖIJ-Geschäfts­füh­rer Gert Huf­nagl haben einige Uni­ver­si­tä­ten Inter­esse bekun­det, und es werde verhandelt.

Dyna­mi­sche Kürzungen
Seit 1960 beschäf­tigt sich das ÖIJ sys­te­ma­tisch und regel­mä­ßig mit Jugend­fra­gen. An die zehn bis 25 Stu­dien und Umfra­gen führte das For­schungs­in­sti­tut, das von 20 öster­rei­chi­schen Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen und der Bun­des­ju­gend­ver­tre­tung getra­gen wurde, jähr­lich durch.
Bis 2003 exis­tierte über eine Son­der­re­ge­lung eine direkte För­de­rung für Grund­la­gen­for­schung am ÖIJ durch das Jugend­mi­nis­te­rium. Seit­dem wur­den die staat­li­chen För­de­run­gen suk­zes­sive gekürzt. Nur durch Koope­ra­tio­nen mit der Bun­des­ju­gend­ver­tre­tung konn­ten die Grund­la­gen­for­schung sowie der Biblio­theks­be­trieb erhal­ten bleiben.
In den letz­ten fünf Jah­ren wurde das Insti­tut zum Teil über das Pro­gramm „Dyna­mi­sche Qua­li­täts­si­che­rung“ des BMWF geför­dert. „Die­ses Pro­gramm ist nun aus­ge­lau­fen, ein Nach­fol­ge­pro­gramm für 2010 ist nicht geplant. Andere Finan­zie­rungs­zu­sa­gen, zum Bei­spiel aus dem Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft, Fami­lie und Jugend gibt es keine“, erklärt der ÖIJ-Vor­stand. Ros­ner: „Eine ver­bind­li­che Zusage im Herbst über 100.000 Euro hätte gereicht, um das Insti­tut wei­ter­zu­füh­ren. Die Mit­glieds­bei­träge der Trä­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen rei­chen für die sechs Ange­stell­ten und die nötige Infra­struk­tur nicht aus.“
„Die Schlie­ßung des Insti­tu­tes ist eine Schande“, wet­tert Tanja Wind­büch­ler-Sou­schill, die Jugend­spre­che­rin der Grü­nen, in einer Pres­se­aus­sendung. „Das stellt einen unrühm­li­chen Schluss­strich unter jene Jugend­for­schung dar, die aus den Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen selbst kommt.“ Die Bun­des­ju­gend­ver­tre­tung (BJV) spricht von einem jugend­po­li­ti­schen Armutszeugnis.

Poli­ti­sches Armutszeugnis
Das Jugend­mi­nis­te­rium wehrt sich, beteu­ert seine Unschuld und ver­weist auf das Bun­des­ju­gend­för­der­ge­setz. Dem­nach sei eine Basis­för­de­rung für Gehäl­ter und Infra­struk­tur nur Bun­des­ju­gend­or­ga­ni­sa­tio­nen vor­be­hal­ten. „Im Jugend­res­sort sind keine Mit­tel vor­ge­se­hen, um ein­zelne For­schungs­in­sti­tute sub­stan­zi­ell zu finan­zie­ren“, sagt der Spre­cher von Staats­se­kre­tä­rin Chris­tine Marek (ÖVP). Das ÖIJ habe zudem keine Mono­pol­stel­lung. Es gebe meh­rere For­schungs­in­sti­tute, die sich der Jugend­for­schung wid­men. Es werde also in Zukunft kei­ner­lei Exper­tise ver­lo­ren gehen, ver­si­chert die Staats­se­kre­tä­rin. Huf­nagl dazu: „Ah ja, das bedeu­tet also, dass das, was das Minis­te­rium in den ver­gan­ge­nen Jah­ren geför­dert hat, kei­nen Stel­len­wert gehabt hat, wenn man jetzt so leicht­fer­tig dar­auf ver­zich­tet. So viel zum Inter­esse von Öster­reichs Poli­ti­kern an der Jugend.“

Autor:
20.11.2009

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