
Austro-Forscher bei EU-Forschung top
Das 7. EU-Rahmenprogramm ist für Österreich ein Gewinn. Der Anteil bewilligter EU-Forschungsprojekte mit österreichischer Beteiligung steigt. 98 Projekte laufen im Moment unter österreichischer Führung.
Das 7. Rahmenprogramm (RP7) der EU, das seit rund zwei Jahren läuft (2007 bis 2013) und ein Gesamtbudget von 54 Mrd. Euro umfasst (plus 60 Prozent im Vergleich zum RP6), verläuft bisher aus Sicht der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) mehr als zufriedenstellend.
„Wir haben laut Stand vom November 2008 eine Rückflussquote von 232 Millionen Euro. Im ganzen RP6 waren es nur 425 Millionen Euro“, betont Sabine Herlitschka, Bereichsleiterin für europäische und internationale Programme bei der FFG, die das RP7 für Österreich betreut und koordiniert. Prozentuell bedeutet das allerdings aufgrund des gestiegenen Gesamtbudgets einen derzeit genau gleichen Wert von 2,5 Prozent für den Rückflussindikator wie beim RP6.
Ein deutliches Plus zeichnet sich dafür bei den EU-Projekten ab, die unter österreichischer Koordination laufen. Das sind zurzeit genau 98. Damit liegt der Anteil an österreichischen Koordinatoren derzeit bei 3,8 Prozent (RP6 : 3,3 Prozent). Insgesamt laufen derzeit 529 Projekte mit österreichischer Beteiligung, 758 Austro-Forschungsteams sind beteiligt. Damit wäre beim RP7 eine Steigerung erstmals in Sichtweite, denn seit dem RP4 (1444 Projekte) ist die Zahl der Projekte mit beteiligtem Austro-Forschungsknow-how von 1384 (RP5) auf 1314 (RP6) gesunken. „Dabei ist die große Ausschreibung für Informations- und Kommunikationstechnologie noch gar nicht eingerechnet. Der Call endet erst Ende April“, so Herlitschka, die 2009 noch mit Zuwachs rechnet. „Österreich profitiert stark vom Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. 50 Prozent der Gesamtrückflüsse kommen aus diesem Bereich.“
Beim EU-Projekt Flexware (Flexible Wireless Automation in Real-Time-Environments) etwa geht es darum, digitale Funktechnologien, insbesondere das WLAN, für die industrielle Produktion einsatzfähig zu machen. Visionäres Ziel ist die Steuerung und Kontrolle von ganzen Fabriken über drahtlose Netzwerke. Koordinator ist Georg Gaderer von der Forschungsstelle für integrierte Sensorsysteme (FISS) der Akademie der Wissenschaften.
IKT treibt Forschung
Ein Beispiel, wo Weltraumforschung mit Know-how hinsichtlich IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) verknüpft wird, ist das EU-Projekt Pro Vis G, das unter Koordination des Instituts für Digitale Bildverarbeitung der Grazer Joanneum Research läuft. Bei Pro Vis G geht es um die Verbesserung des Bildmaterials, das bei unbemannten Missionen im Weltraum gewonnen wird. Projektkoordinator Gerhard Paar ist international anerkannter Experte im Bereich Bildverarbeitung und digitale Fotogrammetrie (Auswerteverfahren zur Fernerkundung von Objekten) und war bereits in den 1990er Jahren für ein Forschungsprojekt für die Europäische Raumfahrtbehörde ESA im Einsatz, bei der die Steuerung des Landeanfluges unbemannter Raumsonden mittels Bildverarbeitung demonstriert wurde.
Ebenfalls unter heimischer Leitung läuft das im September 2008 gestartete EU-Projekt Memfis. Projektkoordinator ist Klaus-Michael Koch vom Kärntner Technikon. Ziel ist die Entwicklung neuer Standards in der Infrarot-Spektroskopie. Ein neues, handliches, robustes und gleichzeitig erschwingliches Messgerät soll künftig erstens die Mobilität erleichtern und zweitens auch schnell und einfach von Laien bedient werden können. Der Einsatzbereich für das neue Mini-Infrarot-Spektrometer ist breit und reicht von der medizinischen Diagnose über die Umweltanalytik bis hin zur Qualitätskontrolle von Lebensmitteln.
27 Forschungschampions
Aber auch im Gesundheits- und Sozialbereich sind österreichische Forscher mit Leitungsaufgaben betraut. So läuft etwa seit vergangenen November das EU-Projekt Interlinks zur Entwicklung von Strategien für leistbare, aber hochqualitative Pflegesysteme von älteren Menschen in ganz Europa. Koordiniert wird Interlinks von Kai Leichsenring vom Europäischen Zentrum für Soziale Wohlfahrtspolitik und Forschung mit Sitz in Wien.
Vergangenen Dezember wurden die Austro-Koordinatoren von 27 europäischen Forschungsprojekten als „Austrian Champions in European Research“ geehrt, sechs davon sind übrigens Frauen. Jüngste Entwicklung in der EU-Forschung ist die Einrichtung des EIT (European Institute of Technology) mit Sitz in Budapest. Ziel ist es, Europas Innovationskraft in den dafür wichtigen Themengebieten zu stärken. Beim EIT geht es um die Bildung von interdisziplinären Teams aus Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen.
Bei der EIT-Konferenz Mitte Februar in Wien standen das Thema nachhaltige Energien sowie die Ausrichtung der künftig geplanten Knowledge and Innovations Communities (KIC) auf dem Programm. Die KIC werden die künftigen operativen Einheiten des EIT darstellen. Der Auswahlprozess wird Anfang April beginnen, die Evaluierung soll dann bis Jänner 2010 abgeschlossen sein.
Programm für KMU
Neu ist auch das Programm Eurostars, das zur Forschungsförderung für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) 2008 eingerichtet wurde. Bei der ersten Ausschreibung wurden 133 Projekte, davon neun aus Österreich, bewilligt. Beim zweiten Call Ende November 2008 gab es 236 gültige Projekteinreichungen, davon 25 mit österreichischer Beteiligung. Die nächste Einreichfrist endet am 24. September 2009. Empfohlen wird, das österreichische Eureka-Büro schon im Vorfeld der Antragstellung zu kontaktieren, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Innerhalb der EU wird bereits über die Zukunft diskutiert. „Das Claim-Abstecken in Richtung RP8 findet jetzt statt, weil die EU-Kommission ja wechseln wird“, erklärt Herlitschka als Fazit einer Expertenrunde Mitte März in Straßburg.