
Barrierefreie Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
Digitaler Assistent für inklusive Mobilität. Menschen mit Behinderung sollen ohne Barrieren mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein können. Ein Mobilitätsprojekt der University of Applied Sciences St. Pölten wird von der Fritz Schöggl Privatstiftung gefördert.
Ein neues Projekt der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) untersucht, wie Menschen mit Behinderung oder körperlicher Beeinträchtigung barrierefreier mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein können. Final soll ein Prototyp für einen digitalen Assistenten entstehen. Die Entwicklung wird von der St. Pöltner Fritz Schöggl Privatstiftung mit 150.000 Euro unterstützt.
Viele Herausforderungen im Alltag von behinderten Menschen
Das Projekt mit dem Titel „EMIU Exklusiv Mobil – Inklusiv Unterwegs“ entwickelt eine Hilfe für eine barrierearme, echtzeitnahe, individuelle Mobilitätsplanung und ‑Anwendung im Alltag. „Auch wenn im Rahmen der Mobilitätswende der öffentliche Personennahverkehr durch technische Neuerungen an Attraktivität gewonnen hat, stehen Menschen mit Behinderungen weiterhin vor verschiedenen Herausforderungen und Schwierigkeiten im Alltag“, sagt Alexandra Anderluh, Projektleiterin vom Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung der USTP.
Solche Hürden sind etwa physische und bauliche Barrieren wie defekte oder fehlende Aufzüge, fehlende taktile Leitsysteme und nicht barrierefreie Haltestellen, sensorische Barrieren wie fehlende akustische oder ausschließlich visuelle Anzeigen oder unzureichende Kontraste sowie kognitive und psychische Herausforderungen bei komplexen Umstiegssituationen oder Stress bei kurzfristigen Änderungen.
Licht- und Textsignale für Hörbeeinträchtigte oder Sprachausgabe für Sehbehinderte
Im Projekt entwirft Anderluh mit ihren Kollegen einen Prototyp für einen elektronischen Assistenten, der Menschen mit Behinderung entsprechend unterstützen soll und dafür soll das bereits bestehende Assistenzsystem „Home Assistant“ passend weiterentwickelt werden.Diese bereits etablierte quelloffene Software soll öffentlich zugängliche Echtzeit-Daten etwa zu Abfahrtszeiten, Störungen, Aufzugsausfällen und Wetter zusammenfassen und leicht nutzbar darstellen.
Menschen, die den Assistenten nutzen, sollen die Darstellungen an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Dazu gehören etwa Licht- und Textsignale für Hörbeeinträchtigte oder eine Sprachausgabe für Sehbeeinträchtigte. Der Assistent soll sowohl daheim als auch unterwegs über das Smartphone dazu beitragen, sicher, stressfrei und barrierearm zum Ziel zu gelangen. In der Umsetzung wird der Prototyp dann mit beeinträchtigten Menschen getestet werden und auch Mobilitätsanbieter sollen die Möglichkeit haben ihre Services praxisrelevant zu erweitern.
Unterstützung für wichtigen Forschungsbereich
Die Förderung des ausgewählten Projekts erfolgt durch die Fritz Schöggl Privatstiftung. Fritz Schöggl (1931 – 2024) war leitender Mitarbeiter der NÖ Gebietskrankenkasse, langjähriges Mitglied des Gemeinderats und Stadtsenats sowie zentraler Gestalter des Krankenhauses und sozialer Einrichtungen. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich und den Ehrenring der Stadt. 2008 brachte er sein Vermögen in eine Privatstiftung ein, deren Vorstand nun das Forschungs- und Innovationsprojekt der USTP fördert.
„Dem Stifter Fritz Schöggl lag stets am Herzen, Menschen mit Beeinträchtigungen zu unterstützen. Dieses Projekt öffnet – im wahrsten Sinne des Wortes – Türen : Barrierefreies Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird ein Stück weiter Realität“, sagt Helmut Schebesta für die Fritz Schöggl Privatstiftung. „Das Projekt fügt sich in eine Reihe an Forschungsprojekten zum Thema inklusive Mobilität, wo unsere Forscher bereits wesentliche Kompetenz aufgebaut haben. Ich bedanke mich sehr herzlich, dass die Fritz Schöggl Privatstiftung dieses wichtige Thema und Projekt unterstützt“, freut sich Hannes Raffaseder, Geschäftsführer der USTP. (red/laucz)