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Begrün­dun­gen zum aktu­el­len Zins­ent­scheid der EZB

EZB-Rat senkt Leit­zins­sätze um jeweils 25 Basis­punkte. Basis ist aktu­elle Beur­tei­lung der Infla­tion, geld­po­li­ti­sche Trans­mis­sion und schwie­rige Wirt­schafts­lage. EZB-Prä­si­dium ver­öf­fent­licht dazu umfas­sende Erläuterungen.

Der EZB-Rat hat beschlos­sen, die drei Leit­zins­sätze der EZB um jeweils 25 Basis­punkte zu sen­ken. „Der Beschluss zur Sen­kung des Zins­sat­zes für die Ein­la­ge­fa­zi­li­tät – der Zins­satz zur Steue­rung des geld­po­li­ti­schen Kur­ses – spie­gelt die aktua­li­sierte Beur­tei­lung der Infla­ti­ons­aus­sich­ten, der Dyna­mik der zugrunde lie­gen­den Infla­tion und der Stärke der geld­po­li­ti­schen Trans­mis­sion wider“, zitiert die EZB in einer Aus­sendung Chris­tine Lag­arde (Prä­si­den­tin der EZB) und Luis de Guin­dos (Vize­prä­si­dent der EZB).

Eco­nomy über­mit­telt nach­fol­gend die Erläu­te­run­gen des EZB-Prä­si­di­ums im Original.

Das Thema Risikobewertung
„Die Abwärts­ri­si­ken für das Wirt­schafts­wachs­tum haben sich erhöht. Die deut­li­che Ver­schär­fung der Span­nun­gen im Welt­han­del und die damit ver­bun­de­nen Unsi­cher­hei­ten dürf­ten im Euro­raum nied­ri­ge­rem Wachs­tum füh­ren, in dem sie Exporte dämp­fen. Sie könn­ten zudem Inves­ti­tio­nen und Kon­sum­aus­ga­ben brem­sen. Die sich ver­schlech­ternde Stim­mung an den Finanz­märk­ten könnte zu restrik­ti­ve­ren Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen, einer grö­ße­ren Risi­ko­aver­sion und bei Unter­neh­men und pri­va­ten Haus­hal­ten zu einer gerin­ge­ren Inves­ti­ti­ons- bzw. Kon­sum­be­reit­schaft führen“. 

„Auch geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen, zu denen etwa der unge­recht­fer­tigte Krieg Russ­lands gegen die Ukraine und der tra­gi­sche Kon­flikt im Nahen Osten zäh­len, stel­len nach wie vor eine große Unsi­cher­heits­quelle dar. Zugleich würde eine Auf­sto­ckung der Ver­tei­di­gungs- und Infra­struk­tur­aus­ga­ben das Wachs­tum beschleunigen“.

„Diese zuneh­men­den Stö­run­gen im Welt­han­del füh­ren zu mehr Unsi­cher­heit bei den Infla­ti­ons­aus­sich­ten im Euro­raum. Welt­weit sin­kende Ener­gie­preise und eine Auf­wer­tung des Euro könn­ten zusätz­li­chen Abwärts­druck auf die Infla­tion aus­üben. Dies könnte durch eine gerin­gere Nach­frage nach Expor­ten des Euro­raums auf­grund von höhe­ren Zöl­len sowie durch eine Umlei­tung von Expor­ten aus Län­dern mit Über­ka­pa­zi­tä­ten in den Euro­raum ver­stärkt wer­den. Nega­tive Reak­tio­nen der Finanz­märkte auf die Han­dels­span­nun­gen könn­ten die Bin­nen­nach­frage belas­ten und damit auch zu einer nied­ri­ge­ren Infla­tion führen“. 

„Eine Frag­men­tie­rung der glo­ba­len Lie­fer­ket­ten hin­ge­gen könnte die Import­preise in die Höhe trei­ben und dadurch zu einem Anstieg der Infla­tion füh­ren. Auch eine Erhö­hung der Ver­tei­di­gungs- und Infra­struk­tur­aus­ga­ben könnte die Infla­tion auf mitt­lere Sicht anstei­gen las­sen. Extrem­wet­ter­er­eig­nisse und die fort­schrei­tende Kli­ma­krise all­ge­mein könn­ten dazu füh­ren, dass die Nah­rungs­mit­tel­preise stär­ker stei­gen als erwartet“.
Finan­zi­elle und mone­täre Bedingungen

„Die risi­ko­freien Zins­sätze sind infolge der sich ver­schär­fen­den Han­dels­span­nun­gen gesun­ken. Welt­weit sind die Akti­en­kurse bei hoher Vola­ti­li­tät gefal­len und die Risi­ko­auf­schläge von Unter­neh­mens­an­lei­hen gestie­gen. Der Euro hat in den letz­ten Wochen zuge­legt, da sich die Anle­ger­stim­mung gegen­über dem Euro­raum robus­ter erwies als gegen­über ande­ren Volkswirtschaften“.

„Die jüngs­ten offi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken zur Kre­dit­auf­nahme von Unter­neh­men, die vor die­sen Markt­span­nun­gen erstellt wur­den, deu­te­ten nach wie vor dar­auf hin, dass die Kre­dit­auf­nahme für Unter­neh­men auf­grund unse­rer Zins­sen­kun­gen güns­ti­ger gewor­den war. Der durch­schnitt­li­che Zins­satz für neue Unter­neh­mens­kre­dite ver­rin­gerte sich von 4,3 im Januar auf 4,1 Pro­zent im Februar“. 

„Die Kos­ten der markt­ba­sier­ten Fremd­fi­nan­zie­rung der Unter­neh­men san­ken im Februar auf 3,5 Pro­zent. Zuletzt war jedoch ein gewis­ser Auf­wärts­druck zu ver­zeich­nen. Zudem erhöhte sich die Zuwachs­rate der Kre­dit­ver­gabe an Unter­neh­men im Februar wie­der und stieg auf 2,2 Pro­zent, wäh­rend das Wachs­tum bei den Emis­sio­nen von Unter­neh­mens­schuld­ver­schrei­bun­gen unver­än­dert 3,2 Pro­zent betrug“.

„Zugleich haben sich die Kre­dit­richt­li­nien für Unter­neh­mens­kre­dite im ers­ten Quar­tal 2025 erneut leicht ver­schärft. Dies geht aus unse­rer jüngs­ten Umfrage zum Kre­dit­ge­schäft im Euro­raum her­vor. Wie bereits im vor­he­ri­gen Quar­tal ist dies vor allem dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass den Ban­ken die wirt­schaft­li­chen Risi­ken ihrer Kun­den zuneh­mend Sor­gen berei­ten. Die Kre­dit­nach­frage der Unter­neh­men nahm im ers­ten Quar­tal leicht ab, nach­dem sie sich in den vor­he­ri­gen Quar­ta­len etwas erholt hatte“.

„Der durch­schnitt­li­che Zins­satz für neue Immo­bi­li­en­kre­dite, der im Februar bei 3,3 Pro­zent lag, hat sich vor dem Hin­ter­grund der zuvor gestie­ge­nen län­ger­fris­ti­gen Markt­zins­sätze erhöht. Der Zuwachs bei der Ver­gabe von Immo­bi­li­en­kre­di­ten setzte sich im Februar fort, wenn auch mit einer eher gerin­gen jähr­li­chen Wachs­tums­rate von 1,5 Pro­zent. Dies ist dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass Ban­ken ihre Kre­dit­richt­li­nien locker­ten und die Nach­frage nach Kre­di­ten an pri­vate Haus­halte wei­ter­hin kräf­tig zunahm“.
Die Schlussfolgerungen

„Als EZB sind wir ent­schlos­sen, für eine nach­hal­tige Sta­bi­li­sie­rung der Infla­tion bei unse­rem mit­tel­fris­ti­gen Ziel­wert von 2 Pro­zent zu sor­gen. Ins­be­son­dere in der gegen­wär­ti­gen Situa­tion, die von außer­ge­wöhn­lich hoher Unsi­cher­heit geprägt ist, wird die Fest­le­gung des ange­mes­se­nen geld­po­li­ti­schen Kur­ses von der Daten­lage abhän­gen und von Sit­zung zu Sit­zung erfol­gen. So wer­den unsere Zins­be­schlüsse auf unse­rer Beur­tei­lung der Infla­ti­ons­aus­sich­ten vor dem Hin­ter­grund aktu­el­ler Wirt­schafts- und Finanz­da­ten, der Dyna­mik der zugrunde lie­gen­den Infla­tion sowie der Stärke der geld­po­li­ti­schen Trans­mis­sion basieren“. 

„Wir legen uns nicht im Vor­aus auf einen bestimm­ten Zins­pfad fest. Wir sind in jedem Fall bereit, alle unsere Instru­mente im Rah­men unse­res Man­dats anzu­pas­sen, um für eine nach­hal­tige Sta­bi­li­sie­rung der Infla­tion bei unse­rem mit­tel­fris­ti­gen Ziel­wert zu sor­gen und um die rei­bungs­lose Funk­ti­ons­fä­hig­keit der geld­po­li­ti­schen Trans­mis­sion auf­recht­zu­er­hal­ten“, so das EZB-Prä­si­dium mit Chris­tine Lag­arde als Prä­si­den­tin und Luis de Guin­dos als Vize­prä­si­dent. (red/​czaak)

Anm. Die Redak­tion von eco­nomy dankt für die Zur­ver­fü­gung­stel­lung der ori­gi­na­len Erläu­te­run­gen des EZB-Prä­si­di­ums zu den aktu­el­len EZB-Beschlüssen.

Autor: red/czaak
13.05.2025

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