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Bestä­ti­gung für ver­träg­li­chere Krebsbehandlung

Behand­lung von Pro­sta­ta­krebs mit fokus­sier­tem Ultra­schall beein­träch­tigt Lebens­qua­li­tät der Pati­en­ten nicht so wie andere Metho­den. Neue Stu­die von Karl Land­stei­ner Pri­vat­uni Krems und nie­der­ös­ter­rei­chi­schem Uni­kli­ni­kum St. Pöl­ten bestä­tigt das nun.

Pro­sta­ta­krebs zählt zu den häu­figs­ten Krebs­er­kran­kun­gen des Man­nes. Stan­dard­the­ra­pien wie etwa ope­ra­tive Ent­fer­nun­gen oder Radio­the­ra­peu­ti­sche Bestrah­lung kön­nen den Tumor zwar besei­ti­gen, füh­ren aber nicht sel­ten zu belas­ten­den Begleit­erschei­nun­gen wie Mik­ti­ons­be­schwer­den oder Erektionsstörungen. 

Soge­nannte Fokale The­ra­pie mit exak­tem Fokus nur auf erkrank­ten Bereich

Die soge­nannte „Fokale The­ra­pie“ ver­folgt einen ande­ren Ansatz. Hier wird nur der erkrankte Bereich zer­stört und der Rest der Pro­stata bleibt unver­sehrt. Bei die­ser Hoch­in­ten­si­täts-Fokus­sier­ten Ultra­schall­the­ra­pie (HIFU) wird der Tumor mit­hilfe von Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie und Echt­zeit-Ultra­schall mil­li­me­ter­ge­nau erhitzt und zer­stört. Bis­lang gilt diese Methode laut den Leit­li­nien der Euro­pean Asso­cia­tion of Uro­logy als expe­ri­men­tell, auch weil aus­sa­ge­kräf­tige Daten fehlten. 

Nun lie­fert eine neue Stu­die von KL Krems und Uni­kli­ni­ken in St. Pöl­ten, Baden und Kor­neu­burg die not­wen­dige Evi­denz zu die­sen The­men. Die mul­ti­zen­tri­sche kli­ni­sche Stu­die unter Koor­di­na­tion der Karl Land­stei­ner Pri­vat­uni­ver­si­tät für Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten (KL Krems) soll zei­gen, dass eine neue, hoch­prä­zise Ultra­schall­me­thode frühe For­men von Pro­sta­ta­krebs erfolg­reich behan­deln kann – und das, ohne die Lebens­qua­li­tät der Pati­en­ten zu beeinträchtigen. 

Wirk­same Tumor­kon­trolle mit Erhal­tung von Mik­ti­ons­fä­hig­keit und Sexualfunktion

Bei den meis­ten Stu­di­en­teil­neh­mern konnte eine wirk­same Tumor­kon­trolle gezeigt wer­den, wäh­rend Mik­ti­ons­fä­hig­keit (Was­ser­las­sen) und Sexu­al­funk­tion weit­ge­hend erhal­ten blie­ben. Diese pro­spek­tive, mul­ti­zen­tri­sche Wirk­sam­keits­stu­die zu die­ser organ­er­hal­ten­den Behand­lung wurde erst­mals in Öster­reich durch­ge­führt. „Die Ergeb­nisse eröff­nen für aus­ge­wählte Pati­en­ten­grup­pen eine viel­ver­spre­chende Alter­na­tive zu ope­ra­ti­ver Ent­fer­nung der gesam­ten Pro­stata oder Bestrah­lung“, so die KL Krems in einer beglei­ten­den Aus­sendung.

„Anstatt die gesamte Drüse zu ent­fer­nen oder zu bestrah­len, behan­deln wir nur den erkrank­ten Teil – gesteu­ert durch MRT und Echt­zeit-Ultra­schall“, erklä­ren Gábor Rosta und Harun Faj­ko­vic von der Kli­ni­schen Abtei­lung für Uro­lo­gie und Andro­lo­gie am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum St. Pöl­ten. Das Uni­kli­ni­kum ist auch ein Lehr- und For­schungs­stand­ort der KL Krems. „Unsere Ergeb­nisse zei­gen, dass die­ser fokus­sierte Ansatz bei aus­ge­wähl­ten Pati­en­ten den Krebs wir­kungs­voll kon­trol­lie­ren und die Neben­wir­kun­gen her­kömm­li­cher Behand­lun­gen signi­fi­kant sen­ken kann“, so die bei­den Ärzte.

Über 90 Pro­zent der Män­ner benö­ti­gen nach zwei Jah­ren keine zusätz­li­che The­ra­pie

Im Rah­men der pro­spek­ti­ven Mach­bar­keits­stu­die wur­den zwi­schen 2021 und 2024 ins­ge­samt 51 Män­ner mit neu dia­gnos­ti­zier­tem, lokal begrenz­tem Pro­sta­ta­kar­zi­nom nied­ri­gen oder mitt­le­ren Risi­kos behan­delt (Anm. Tumor­mar­ker PSA ≤ 15 ng/​mL, Sta­dium ≤ T2). Bei allen wurde die erkrankte Region gezielt mit­tels MRT-gestütz­tem HIFU abge­tra­gen. Die Stu­di­en­teil­neh­mer wur­den über zwei Jahre nach­be­ob­ach­tet, mit vier­tel­jähr­li­chen PSA-Kon­trol­len, MRT-Unter­su­chun­gen nach 12 und 24 Mona­ten sowie anschlie­ßen­den Biop­sien.

Nach zwei Jah­ren benö­tig­ten über 94 Pro­zent der Män­ner keine zusätz­li­che The­ra­pie. In den Kon­troll­bi­op­sien ein Jahr nach dem Ein­griff zeigte sich bei mehr als 80 Pro­zent der Pati­en­ten kein vita­les Tumor­ge­webe mehr. Der Tumor­mar­ker PSA sank bei den Teil­neh­mern nach drei Mona­ten um fast 70 Pro­zent ab und blieb wäh­rend der gesam­ten Nach­be­ob­ach­tung sta­bil. Die Neben­wir­kun­gen waren nicht aus­ge­prägt und tra­ten nur vor­über­ge­hend auf : Etwa ein Fünf­tel der Pati­en­ten hatte kurz­zei­tig obstruk­tive und irri­ta­tive Beschwer­den beim Was­ser­las­sen. Schwere Kom­pli­ka­tio­nen wur­den nicht beob­ach­tet, so die wei­te­ren Stu­di­en­ergeb­nisse.

Erek­ti­ons­fä­hig­keit sogar über dem Ausgangsniveau

Auch die funk­tio­nel­len Ergeb­nisse sowie die Berichte der Pati­en­ten über die Lebens­qua­li­tät sind viel­ver­spre­chend. Die Erek­ti­ons­fä­hig­keit, gemes­sen mit dem Inter­na­tio­nal Index of Erec­tile Func­tion (Anm. IIEF‑5), nahm zunächst leicht ab, erholte sich jedoch inner­halb von sechs bis zwölf Mona­ten voll­stän­dig – und lag nach zwei Jah­ren sogar über dem Aus­gangs­ni­veau. Dazu behiel­ten Män­ner, die vor der Behand­lung eine gute Mik­tion auf­wie­sen, diese auch danach, wäh­rend Pati­en­ten mit bereits bestehen­den Beschwer­den beim Was­ser­las­sen eine deut­li­che Bes­se­rung erfuh­ren. Ins­ge­samt blie­ben die Werte zur gesund­heits­be­zo­ge­nen Lebens­qua­li­tät in allen Berei­chen sta­bil.

Diese Resul­tate bestä­ti­gen und erwei­tern frü­here Ein­zel­er­geb­nisse aus Europa und Nord­ame­rika, stel­len jedoch die erste koor­di­nierte Unter­su­chung der foka­len HIFU-The­ra­pie inner­halb des öster­rei­chi­schen Spi­tals­we­sens dar. „Unsere Arbeit zeigt, dass sich fokus­sier­ter Ultra­schall bei sorg­fäl­ti­ger Pati­en­ten­aus­wahl und prä­zi­ser Aus­füh­rung sicher in die kli­ni­sche Rou­tine inte­grie­ren lässt“, betont das Studienteam. 

Wis­sen­schaft­li­cher Fort­schritt im Sinne einer per­so­na­li­sier­ten Medizin

Die For­schen­den ver­wei­sen zugleich auf die Not­wen­dig­keit län­ge­rer Nach­be­ob­ach­tun­gen und ran­do­mi­sier­ter Stu­dien, bevor die Methode Ein­gang in Leit­li­nien fin­den kann. Den­noch deu­tet sich bereits jetzt ein Para­dig­men­wech­sel an, und zwar hin zu organ­er­hal­ten­den Tumor­be­hand­lun­gen, mit denen viele Män­ner eine sichere Dees­ka­la­tion der Tumor­t­he­ra­pie erhal­ten können. 

„Diese Stu­die belegt ein­mal mehr die For­schungs­stra­te­gie der KL Krems, die auf inter­dis­zi­pli­näre Ansätze zur Ver­bes­se­rung der mensch­li­chen Gesund­heit setzt, ins­be­son­dere in der Onko­lo­gie und in der kli­nisch ange­wand­ten Inno­va­tion. Unter­stri­chen wird damit auch, dass wis­sen­schaft­li­cher Fort­schritt im Sinne einer „Per­so­na­li­sier­ten Medi­zin“ direkt in eine bes­sere Ver­sor­gung von Pati­en­ten mün­den kann“, so die KL Krems in einer Aus­sendung. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
25.11.2025

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